Parlamentarische Petition von Farangis Firozian

Die Initiatorin von "Refugees welcome in Austria" war früher selbst Flüchtling - heute ist die 32-jährige Wienerin nicht nur erfolgreiche BWL-Studentin, sondern auch entschlossen, die Politik wachzurütteln. Mit einer parlamentarischen Petition.

Sie ist jung, energisch, erfolgreich und erhebt ihre Stimme. Die 32-jährige Farangis Firozian hat die Initiative "Refugees welcome to Austria" gegründet, die Demo "Mensch sein in Österreich" organisiert und will nun mit einer parlamentarischen Petition auch unsere Parlamentarier stärker in die Pflicht nehmen.

Warum? Sie weiß genau, wie sich die Millionen Flüchtlingen fühlen, denn sie war selbst einer. Geboren im Iran musste ihre Familie flüchten, als die kleine Farangis noch ein Kind war. Ziel der Familie war Australien, eine Verwechslung brachte sie 1989 nach Österreich. Doch so lustig wie dieser alte Scherz vielleicht klingt, war es nicht. Sie war nämlich ein kleines Mädchen, das ohne jemals Deutsch auch nur gehört zu haben, in Traiskirchen ihr Leben als Asylwerberin begann. Und gerade weil sie das entwurzelte Dasein, das tausende Menschen in diesen Wochen unter anderem in Traiskirchen führen, kennt, weiß sie auch, dass Lösungen nur über den Weg der Politik erreicht werden können. „Die Zustände heute kann man mit damals überhaupt nicht vergleichen. Wir waren zwar auch mit vielen Menschen in einem Zimmer untergebracht, aber niemand musste am Boden oder im Freien schlafen“, so Firozian. Wie die Zustände heute in Traiskirchen sind, hat sich auch WIENERIN-Autorin Shandiz Ahi angesehen.

Bürokratische Schikane

In der Petition fordert sie unter anderem Standards für das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen. "Selbst wenn den Flüchtlingen in den letzten Tagen und Wochen eine Welle an Hilfsbereitschaft entgegengebracht wurde – Faktum ist dennoch, dass etwa im Erstaufnahmelager Traiskirchen immer noch Menschen im Freien oder auf nacktem Beton schlafen müssen, darunter auch zahlreiche kleine Kinder und Babys. Bürokratische Schikanen, die in einer derartigen Notsituation einfach nicht sein dürften, machen es NGOs sowie privaten Vereinen, Initiativen oder auch Privatpersonen sehr schwer, möglichst rasch, unkompliziert und zielgerecht zu helfen. Was Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa und auch in Österreich erleben, hat WIENERIN-Autorin Vanessa Bruckner in ihrer reportage "16 Stunden" skizziert.

Die Forderungen

Die umgehende Ergreifung von Maßnahmen, damit die Unterbringung von AsylwerberInnen in Österreich menschenrechtlichen Standards entspricht. Dh. Bereitstellung menschenwürdiger Unterkünfte mit ausreichender Nahrungs- und Gesundheitsversorgung durch die Beauftragung von NGOs und unter Einbindung des Engagements von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Vereinen und Privatpersonen.

Dabei ist besonders darauf zu achten, dass

1. besonders schutzbedürftige Gruppen, darunter u.a. schwangere, kranke oder ältere Menschen sowie Kinder in Übereinstimmung mit ihren Bedürfnissen behandelt werden.

2. unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit Asylantragstellung umgehend der Kinder- und Jugendhilfe unterstellt werden, und eine im Sinne des Kindeswohls adäquate Unterkunft und Hilfe erhalten.

3. jedem Kind der Schulbesuch ermöglicht wird.

4. die Bundesländer unter Sanktionierung dazu angehalten werden, in Erfüllung ihrer quotenmäßigen Verpflichtung AsylwerberInnenquartiere zur Verfügung zu stellen.

5. Alle geeigneten Baulichkeiten des Bundes verzögerungsfrei für die dezentrale Unterbringung zugelassener AslywerberInnen zur Verfügung gestellt werden.

Hier kann man die Petition auf der Parlaments-Hompage elektronisch unterschreiben.

 

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