Papst Franziskus prangert sexuellen Missbrauch an

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„Ich weiß, dass Priester und auch Bischöfe das getan haben. Und ich glaube, es wird immer noch getan“, sagt Papst Franziskus auf dem Rückflug von Abu Dhabi nach Rom am Dienstag den mitfliegenden Journalist*innen. „Es stimmt, es ist ein Problem“, stellte der Papst während der Pressekonferenz über den Wolken klar und kündigte im Zuge dessen für Ende Februar eine Missbrauchs-Konferenz im Vatikan an. Der Vatikan arbeite seit Langem an dem Problem – mäßig erfolgreich, wenn man bedenkt, dass eine amerikanische Studie bereits in den 90ern feststellte, dass 30 Prozent aller Ordensfrauen missbraucht werden. Bis heute wird die katholische Kirche immer wieder von Fällen sexuellen Missbrauchs erschüttert. Erst vergangene Woche sorgte der Rücktritt des Paters Hermann G. für Schlagzeilen, nachdem dem Vertreter der römischen Glaubenskongregation Vergewaltigung vorgeworfen wurde.

Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch

Der Vatikan arbeite bereits seit langer Zeit an dem Problem, so der Papst bei der Pressekonferenz im Flugzeug. Es seien auch bereits einige Frauenglaubensgemeinschaften aufgelöst, einige Kleriker „suspendiert“ und „weggeschickt“ worden. Sexueller Missbrauch ist allerdings nach den Worten des Kirchenoberhaupts bis heute „weit verbreitet“ und man müsse und wolle mehr gegen das Problem unternehmen. Gezielte Maßnahmen sollen bei der für Ende Februar angesetzten Bischofskonferenz diskutiert werden. Man müsse das Thema breit diskutieren, schließlich sei die Misshandlung von Frauen ein generelles Problem. „Die Frau ist zweiter Klasse. Es gibt Länder, wo die Misshandlung von Frauen bis zum Frauenmord geht“, so Papst Franziskus.

Missbrauchsfälle wurden gezielt vertuscht

Die Worte des Papstes und sein Umgang mit dem Thema wurden von den bei der Pressekonferenz anwesenden Journalist*innen als ungewöhnlich offen und einsichtig beschrieben. Zurecht – wurde doch sexueller Missbrauch von der Kirche bisher gezielt vertuscht. Erst vor Kurzem kritisiert des Frauenmagazin der Vatikan-Zeitung „L’Osservatore Romano“, dass die Kirche vor diesem Problem noch immer die Augen verschließe. Missbrauch hänge eng mit der Struktur der Kirche, in der die Geistlichen die Macht vereinen, zusammen. Auch die „Internationale Vereinigung von Generaloberinnen“, die weltweit eine halbe Million Ordensschwestern vertritt, kritisierte in jüngster Vergangenheit die „Kultur des Schweigens“. Im Zuge dieser Kritik ermutigte die Vereinigung alle Frauen in religiösen Gemeinschaften, ausnahmslos jeden Fall von Missbrauch zu melden.

Auf Missbrauchsfälle aufmerksam zu machen dauert zu lange

Eine Ex-Nonne, die jahrelang um Gehör kämpfte, ist Doris Wagner-Reisinger. Als eine der fünf Protagonistinnen im Film #FEMALE PLEASURE erzählt sie ihre Geschichte – davon, dass sie nach der Matura in die strenge geistliche Familie „Das Werk“ beitrat; davon, dass sie dort zunächst „spirituell und dann sexuell missbraucht“ wurde; und davon, dass es ihr erst nach acht Jahren gelang, sich zu befreien und sie seit 2011 beharrlich versucht, Papst Franziskus auf das Thema aufmerksam zu machen – glücklicherweise nun endlich mit Erfolg.

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