"Papas dürfen auch Angst haben"

Ist ein Baby unterwegs, fragt man logischerweise die werdende Mutter, wie´s ihr geht. Und dabei rückt der werdende Vater oft ein bisschen in den Hintergrund. Der hat aber auch Sorgen und Ängste, sagt Autor von "Ich und Vater" Wolfgang Pennwieser. Ein Interview über die Vaterrolle im Jahr 2016.

Ist ein Baby unterwegs, fragt man logischerweise die werdende Mutter, wie´s ihr geht. Und dabei rückt der werdende Vater oft ein bisschen in den Hintergrund. Der hat aber auch Sorgen und Ängste, sagt Autor von "Ich und Vater" Wolfgang Pennwieser. Ein Interview über die Vaterrolle im Jahr 2016.

WIENERIN: Herr Dr. Pennwieser, zuerst einmal: Worum geht´s denn in Ihrem Buch?

WOLFGANG PENNWIESER: Es geht ums Vaterwerden, ein werdender Vater spricht zu seiner Tochter, die noch im Mutterleib ist und berichtet, was so alles passiert. Über seine Sorgen, Ängste, Nöte ...

Und steckt da viel Persönliches drin?

PENNWIESER: Natürlich würd´s das Buch nicht geben, wäre ich nicht selbst mal Vater geworden, aber es ist kein autobiografischer Bericht. Es stecken auch einige Erfahrungen mit werdenden Vätern aus meiner psychotherapeutischen Praxis drin.

Haben es Väter heutzutage schwerer als früher?

PENNWIESER: Ich glaube schon, dass sie es schwerer haben, ihre Rolle zu finden. Es gibt so viele Vorstellungen dazu, wie ein Vater zu sein hat, von der Gesellschaft, der Partnerin, der Familie, den Kollegen, man hat eigene Ansprüche ... Heute gibt es viele Varianten das zu leben und durch die vielen Wahlmöglichkeiten, wie man das leben könnte, treten halt auch mehr Ambivalenzen auf.

Arme, arme Väter?

Die Väter sind also ganz arm?

PENNWIESER: Nein, ich will die Väter in keine Opferrolle drängen, es geht mir darum, zu erzählen, dass Väter Probleme haben können. Das wollte ich ansprechen, damit Väter, denen es so geht, sehen, das ist okay.

Glauben Sie, ist es für Frauen salonfähiger über ihre Sorgen zu sprechen?

PENNWIESER: Ich weiß nicht, ob es ihnen eher zugestanden wird oder ob sie´s einfach machen, weil sie mutiger sind. Männern fällt es nicht so leicht, sich anzuvertrauen. Ich hab deshalb im Buch schon eine sehr gefühlsbetonte Figur gezeichnet und seine Sorgen auch ausspricht.

Beispiel nehmen!

Und daran könnten sich Väter da draußen ein Beispiel nehmen?

PENNWIESER: Im Grunde ist das Buch schon als Ermutigung gedacht, vielleicht auch als Modell für einen neuen Zugang, für eine neue Männlichkeit.

Wie kann denn die Lösung ausschauen, wie findet ein Vater oder ein werdender Vater im Jahr 2016 seine Rolle?

PENNWIESER: Ich glaube, er kann sie nur gemeinsam mit der Partnerin finden, indem man sich aufrichtig begegnet und sagt, wonach einem ist, was man sich vorstellen kann und was nicht. Ich denke, es ist wichtig, dass man das Rauschen von außen ein bisschen leiser dreht, wir kriegen jeden Tag vorgeführt, wie es geht, wie toll man das Elternsein schaffen kann, das geht sich aber für manche nicht so leicht aus. Nicht alle haben dieselben Rahmenbedingungen. Deshalb glaube ich, das Paar muss sich das gut und aufrichtig ausmachen, wie sie sich das Leben mit Kind vorstellen.

"Ich und Vater", Wolfgang Pennwieser, Czernin-Verlag, € 19,90.

Ich und Vater, Czernin Verlag

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