Pandemie? Da lass ich mir die Nase machen! - Warum in der Krise Schönheits-OPs boomen

In der Corona-Krise ist die Nachfrage nach schönheitschirurgischen Eingriffen gestiegen, weil Patient*innen die Operation durch Homeoffice und Maskenpflicht besser verheimlichen können.

Schönheits-OPs boomen in der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat viele Wirtschaftszweige schwer getroffen - einer scheint aber zu florieren: die kosmetische Chirurgie. Kliniken in den USA, Japan, Südkorea und Australien melden mehr Patient*innen, die sich die Lippen aufspritzen lassen, Botox und Faceliftings buchen oder sich die Nase operieren lassen.

"Ich habe mich für die Operationen in der Quarantäne entschieden, damit ich mich ohne Stress in meinem eigenen Tempo auskurieren kann", erzählt ein Patient in Los Angeles der BBC. "Sich die Lippen machen zu lassen ist bei Männern eher ungewöhnlich und manche Menschen könnten das komisch finden. Ich fand es besser, zuhause zu bleiben und zu heilen, sodass niemand weiß, was ich habe machen lassen." Ein Schönheitschirurg aus Texas bestätigt die gesteigerte Nachfrage: "Wir hätten an sechs Tagen die Woche operieren können", sagt er gegenüber der BBC. "Es war großartig."

In Südkorea, wo die Regierung zum Social Distancing und flächendeckendem Homeoffice aufrief, stieg die Zahl der Operationen von Einheimischen, während sich weniger Ausländer unters Messer legten. Manche Kliniken boten sogar einen Einheimischenrabatt an. 50 Prozent mehr Operationen im Vergleich zum Vorjahr sollen während der ersten Monate der Krise durchgeführt worden sein.

Japans Association of Aesthetic Medicine reagierte auf die gesteigerte Nachfrage gar mit einer Warnung: Kosmetische Eingriffe sei für viele nicht lebensnotwendig und die Menschen sollten lieber zuhause bleiben, um einer Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken. Mit mäßigem Erfolg: "Menschen wollen die Eingriffe jetzt durchführen, wo sie nicht zur Arbeit müssen und die Heilungszeit keine Rolle spielt - zusätzlich tragen gerade alle Masken, also können alle Eingriffe im Gesicht leicht versteckt werden", erzählt eine Koordinatorin einer Klinik in Fukuoka.

Für die Heilungschancen ist die Ruhe tatsächlich gut: "Ich hatte einfach mehr Zeit", erzählt der eingangs erwähnte Patient mit dem Lippen-Eingriff. "Ich konnte Medikamente nehmen, die ich nicht nehmen hätte können, wenn ich mit dem Auto fahren hätten müssen und ich konnte meine Lippen und mein Gesicht viel sorgfältiger und öfter kühlen."

 

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