Österreichs Vorstände sind immer noch ein All-Boys-Club

Die obersten Etagen österreichischer Unternehmen sind weiterhin Männern vorbehalten. Das ist nicht nur unfair - sondern wirtschaftlich ungesund, kritisiert das Consultingunternehmen Ernst&Young in seiner aktuellen Studie.

Neun Frauen unter 186 Vorständen - das ist das traurige Ergebnis einer aktuellen Evaluierung von Führungspositionen in österreichischen Unternehmen. Das Beratungsunternehmen "Ernst&Young" (kurz EY) sieht in seiner aktuellen Studie unter heimischen Firmen großen Aufholbedarf - und kritisiert fehlenden Willen zur Gleichberechtigung.

Rückgang auf unter 5 Prozent

Das "Mixed Leadership Barometer Österreich" des Consulting-Unternehmens prüft in regelmäßigen Abständen den Status-Quo heimischer Firmen und konnte in seiner aktuellen Evaluierung sogar einen Rückgang des Frauenanteils in Vorständen feststellen. Der Anteil der weiblichen Vorstandsmitglieder der im Wiener Börsen Index (WBI) gelisteten Unternehmen ging 2018 von 6,0 auf 4,8 Prozent zurück.

Österreich steht damit im internationalen Vergleich schlecht da - während in Deutschland der Anteil von Frauen in Vorständen börsennotierter Unternehmen seit vier Jahren stetig wächst (derzeit 8,6 Prozent), ist kein Anzeichen von Fortschritt in Österreich zu erkennen. "Österreichs Unternehmen schaffen es trotz des gesetzlichen Auftrags, im Corporate Governance Code anzugeben, welche Maßnahmen zur Förderung von Frauen im Vorstand, Aufsichtsrat und in den leitenden Stellungen der Gesellschaft gesetzt wurden, nicht gut und schnell genug, talentierte Frauen in die oberste Etage zu bringen. Frauen sind in heimischen Vorständen immer noch die Ausnahme“, kommentiert Helen Pelzmann, Partnerin (EY Law) und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich, die Ergebnisse.

Nachteil für Österreichs Wirtschaft

Das schlechte Abschneiden heimischer Unternehmen in Sachen Gleichberechtigung sei nicht nur ungerecht, sondern könnte auch Folgen für die österreichische Wirtschaft haben, warnen ExpertInnen seit Jahren. Auch EY sieht die Entwicklung kritisch. „Es mag zunächst etwas anstrengender sein, in gemischten, heterogenen Teams zu arbeiten – aber das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Sichtweisen, Ideen und Fähigkeiten führt eben auch oft zu neuen Lösungen, zu mehr Innovationskraft und wird so auch ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg. Zudem werden jene Unternehmen, die keine Frauen in Führungspositionen setzen, für Frauen immer unattraktiver werden und daher den Kampf um die besten Köpfe, der künftig aufgrund des demografischen Wandels immer härter werden wird, verlieren“, warnt Pelzmann.

Wo die Quote, da der Erfolg

Im Bereich der Aufsichtsräte lässt sich hingegen ein gegensetzlicher Trend beobachten. Hier stiegen die Anteile der Frauen in Aufsichtsratspositionen deutlich an - der Grund dafür ist schnell gefunden: die gesetzliche Quote. Seitdem mit 1. Jänner 2018 die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent in Kraft getreten ist, stieg der Frauenanteil in den Kontrollgremien börsennotierter Unternehmen deutlich von 18,8 auf 23,2 Prozent. Von den derzeit 544 Aufsichtsratsmitgliedern in börsennotierten Unternehmen sind nun 126 weiblich. Für EY ist die Entwicklung eindeutig: "Diese Quote zeigt Wirkung".

Trotz der gesetzlichen Mindest-Anforderung von 30 Prozent (wünschenswert wäre natürlich ein ausgeglichenes 50/50-Geschlechterverhältnis) ist es vielen Unternehmen ein Jahr nach der Einführung der Quotenregelung immer noch nicht gelungen die Vorgaben zu erfüllen, so Pelzmann. „Die Frauenquote zeigt bereits Wirkung, immerhin gibt es 23 weibliche Aufsichtsratsmitglieder mehr als beim Inkrafttreten der Quotenregelung. Allerdings ist das Ziel noch nicht erreicht, mehr als jedes vierte verpflichtete Unternehmen, also sieben von 25, erfüllt die Frauenquote noch nicht“.

Übrigens: In der Aufsichtsrätinnen-Datenbank (www.aufsichtsrätin.at) finden sich über 530 Frauen, die die fachliche und persönliche Kompetenz für eine Position im Aufsichtsrat nachweisen können.

Dabei weisen ExpertInnen seit Jahren auf die Vorteile von divers-besetzten Führungsetagen hin. Diese scheinen bei der Besetzung der Posten allerdings nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. So kritisierte die Arbeiterkammer im Frauen.Management.Report, dass die Vergabe von Aufsichtsratsposten weiterhin undurchsichtig und nach unklaren Kriterien ablaufe. Eine Entwicklung, die auchJosef Fritz, Inhaber von Board Search, einer auf die Vermittlung von Aufsichtsräten spezialisierten Personalagentur, bestätigen konnte. Oftmals würden die Verantwortlichen Posten über Beziehungen innerhalb der Branche vergeben, viele Firmen würden außerdem weiterhin von einer stereotypen Denkweise geprägt. "Entscheidend dafür, dass beim Frauenanteil in Gremien noch viel Luft nach oben ist, sind jene Verantwortlichen, die als 'Besteller' gelten - nämlich Eigentümer, Aufsichtsratsvorsitzende wie auch starke Vorstände, die in dieser Frage Einfluss haben. Deren Sichtweisen sind in zu vielen Fällen noch von althergebrachten, überholten Denkmustern geprägt", so Fritz gegenüber wienerin.at.

Muster, die nur durch gesetzliche Anreize, wie die Quote, gebrochen werden können - da sind sich die ExpertInnen einig.

 

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