Österreichischer Knigge für die Araber

In Zell am See hat eine Benimm-Broschüre für die arabischen Touristen in den letzten Wochen ein kleines Erdbeben verursacht.

Eigentlich dachten wir seit Conchita Wurst ja, dass durch Österreich ein echt toleranter Ruck gegangen sei. Doch auch wenn der Bart eines Tom Neuwirth hier niemanden mehr kratzt, ganz so weit ist es mit der Offenheit dann doch nicht her. Ausgerechnet eine Tourismusregion machte dem Bild vom toleranten Österreich nämlich einen Strich durch die Rechnung. Der Auslöser: Das Benimm-Büchlein "Where Cultures Meet", das der Tourismusverband von Zell am See-Kaprun für seine ausländischen Gäste kompiliert hat.

Ein Willkommensgruß für die ausländischen Gäste

Seit einiger Zeit kommen nämlich Heerscharen an Touristen aus den Golfstaaten ins idyllische Zell am See, vermutlich deshalb, weil sie die Postkartenidylle des Salzburger Landes schätzen. Ungefähr 275.000 sollen es allein im letzten Jahr gewesen sein. Eigentlich, ja eigentlich gäbe es daran ja auch nichts auszusetzen, zumal die vermögenden arabischen Gäste eine Menge Geld da lassen. Aber irgendwas scheint nicht zu passen in Zell am See. Die Gäste zum Beispiel, die verhalten sich nicht ganz so wie die österreichischen Bewohner des 9500-Seelen-Ortes.

Ist Zell am See etwa nicht happy?

Dabei sind die Bewohner, könnte man meinen, doch rundumzufrieden, ziemlich weltoffen und ziemlich gut drauf: Vor einigen Monaten haben sie doch glatt das jung-dynamische Happy-Video von Pharell Williams auf Initiative des Tourismusverbandes nachgetanzt - das muss ihnen erst einmal eine Tourismus-Region nachmachen.

Die vermaledeite Broschüre

Damals war ja auch noch nicht diese vermaledeite Broschüre draußen, die in den deutschsprachigen Zeitungen gleich für großen Wirbel sorgte: Ist diese Broschüre jetzt rassistisch oder nicht, so der Subtext der Artikel. Neben Ordnungsfragen ("Die in Österreich ausgeschriebenen beziehungsweise angegebenen Preise sind Fixpreise und sind nicht verhandelbar.") werden darin auch Äußerlichkeiten verhandelt.

Den meist schwarz verschleiert auftretenden arabischen Touristinnen kommt man gleich mit ganz Grundsätzlichem: Bei österreichischen Frauen, heißt es da, gelte Schwarz als Farbe der Trauer. Keine Frage: Mit schlechter Laune will man in Zell am See nichts zu tun haben, denn hier ist, nunja, wohl vor allem "Happyness" angesagt.

Update: Die Broschüre soll nun, nachdem diverse Passagen kritisiert wurden, mit Hilfe der Gäste und der Bevölkerung überarbeitet und neu aufgelegt werden.

 

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