"Österreichische Regierung muss wissen, was Kinder wirklich kosten"

Das Netzwerk Kinderrechte Österreich hat einen Offenen Brief an die Regierung verfasst, damit Kinderarmut endlich ernst genommen wird.

"Wohnen, Essen, Kleidung, Ausgaben für Kinderbetreuung und Schule oder auch Freizeit und Urlaub - es müssen unterschiedlichste Kosten abgedeckt werden. Wie hoch diese tatsächlich sind, ist jedoch unbekannt."

Mit diesen Worten beschreibt das Netzwerk Kinderrechte Österreich in einem Offenen Brief an die Regierung, dass Kosten für Kinder in Österreich nicht richtig berechnet werden. "Zwar gibt es die Regelbedarfssätze, die für Kinder je nach Altersstufe einen bestimmten Bedarf festlegen. Diese Werte gehen aber auf eine Erhebung im Jahr 1964 zurück. Sie werden jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst, die zugrundeliegenden Berechnungen sind jedoch seit mehr als 50 Jahren unverändert." Die Folge ist: Kinderarmut.

Denn Familienrecht und familienpolitische Maßnahmen rechnen nach wie vor mit diesen veralteten Regelbedarfssätzen, etwa beim Unterhaltsrecht oder der Familienförderung. "Das ist ein unhaltbarer Zustand. Es ist dringend notwendig, die finanzielle Lage von Familien aktuell und auf einer statistisch zuverlässigen Basis zu erfassen", fordert das Netzwerk daher.

"Kosten aus den 70ern sind nicht mit den heutigen vergleichbar"

Jana Zuckerhut von der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende kritisiert diesen Missstand schon lange: "Die Grundlage, auf denen die Regelbedarfssätze berechnet werden, ist veraltet. Sie entspricht kaum den heutigen Bedürfnissen von Kindern. So haben sich die Anteile von Miet- und Kommunikationskosten stark erhöht, Bildungskosten wie Computer sind nicht enthalten, ebenso wenig sind Kleidungskosten aus den 70er Jahren mit den heutigen vergleichbar."

Und weiter: "Die österreichische Regierung muss wissen, was Kinder wirklich kosten, um eine zeitgemäße Familienpolitik machen zu können." Anhand der realen Kinderkosten könnte endlich ein realitätsnaher Unterhalt für Kinder von Alleinerziehenden berechnet werden. Aber auch andere Familienleistungen würden sich daran orientieren müssen, wie zum Beispiel die Familienbeihilfe. "Alleinerziehende brauchen die besondere Unterstützung der Gesellschaft und der Regierung, sie leisten überdurchschnittlich viel und das mit sehr wenigen Ressourcen." Eine Unterhaltssicherung, die sich an den neu berechneten Regelbedarfssätzen orientiert, wäre ein "wirkungsvoller Schutz vor Kinderarmut", so Zuckerhut.

LINK zum Offenen Brief des Netzwerks Kinderrechte

 

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