Österreichische Firma führt 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt ein

Die Inhaber der Onlinemarketing-Agentur erkannten, dass ihre jungen MitarbeiterInnen eine ausgewogene Work-Life-Balance bevorzugten - und stellten deswegen ihr Arbeitszeitmodell um.

Was in skandinavischen Ländern oder vereinzelt in Deutschland bereits erfolgreich erprobt wurde, soll nun auch nach Österreich kommen: Wie orf.at berichtet, plant das österreichische Marketingunternehmen "E-Magnetix" aus dem Mühlviertel, demnächst auf die 30 Stunden Arbeitswoche umzustellen - und das bei vollem Gehalt.

Millennials wünschen sich mehr Freizeit

Wie Geschäftsführer Klaus Hochreiter erklärt, steht bei den vorwiegend jungen MitarbeiterInnen eine ausgewogene Work-Life-Balance immer mehr im Vordergrund: "Die Jungen sagen ganz einfach: 'Wir sind nicht da, um zu arbeiten, sondern wir arbeiten, um zu leben.' Sie wollen einfach eine Ausgeglichenheit zwischen Beruf und Privatem." Im Monat würden in Summe 50 Stunden mehr Freizeit für die Angestellten anfallen, rechnet Hochreiter im derstandard.atvor.

Das Arbeitspensum soll unter der verkürzten Arbeitszeit allerdings nicht reduziert werden, viel mehr sollen sich MitarbeiterInnen, während sie im Büro sind, ausschließlich auf die Arbeit und nicht auf private Konversationen auf Whatsapp oder Facebook konzentrieren. Im Vorfeld hatte man bereits die Abläufe durchleuchtet und Optiminierungspotenzial erhoben. Zu vermehrten Überstunden soll es trotz der verkürzten Arbeitszeit nicht kommen, mehr als fünf Überstunden im Monat, so Hochreiter, gebe es nicht.

Sanduhrmessung: Kritik in den sozialen Medien

Handys sind im Büro ab jetzt verboten, so orf.at, eine Sanduhr soll außerdem zu einer gesteigerten Produktivität beitragen. Ob eine Sanduhr und ein Handyverbot allerdings tatsächlich sinnvoll sind, wird besonders in den sozialen Medien bezweifelt. Hier regte sich kurz nach Bekanntwerden des Projekts Widerstand gegen die Maßnahmen. Viele würden die Idee begrüßen, allerdings seien die Verbote und Zeitmessungen mittels Sanduhr eine "Arbeitszeitreduktion, die auf dem Rücken der Mitarbeiter*innen ausgetragen wird", so eine Nutzerin auf Twitter.

Langfristiges Investment in die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen

Hochreiter gibt zu, dass der Firma durch die Arbeitszeitverkürzung wohl etwas mehr Kosten tragen werden müsse, man sieht diese Maßnahme allerdings als langfristiges Projekt zugunsten der MitarbeiterInnen: "Wir haben einmal alles hinterfragt und durch gewisse Optimierungen Zeit eingespart. So kommen wir auf circa fünf Prozent weniger Umsatz. Aber das ist unser langfristiges Investment in die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter".

Die Angestellten zeigen sich von der Idee jedenfalls angetan und möchten die neu-gewonnene Zeit in Freizeitaktivitäten, Sport oder den Haushalt investieren. Das Projekt soll am 1.Oktober diesen Jahres starten und ist bereits mit den Sozialpartnern abgestimmt.

Die Idee der 30-Stunden-Arbeitswoche ist auch in Österreich nicht neu: Das Frauenvolksbegehren setzt sich ebenfalls für eine Arbeitszeitreduktion auf 30 Stunden ein (hier geht es zu den Forderungen).

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