ÖsterreicherInnen wünschen sich Vereinigte Staaten von Europa statt EU

Das "Demokratieradar" des Austrian Democracy Labs beobachtet, wie die Menschen in Österreich über Politik und Demokratie denken. Zur EU-Wahl liefert das interaktive System besonders spannende Ergebnisse.

Vereinigte Staaten von Europa

Dass wir auf europäischer Ebene mit Umbrüchen konfrontiert sind, zeigt sich durch den Brexit besonders deutlich: Wenn wir am 26. Mai die Abgeordneten für das EU-Parlament wählen, geht es also in erster Linie darum, wie Demokratie und sozialer Zusammenhalt in Europa künftig aussehen werden. Das aktuelle „Demokratieradar“ des Austrian Democracy Labs hat in einer repräsentativen Befragung 4500 ÖsterreicherInnen befragt, wie ihre ideale Zukunft Europas aussieht – und die ist überraschend pro-europäisch.

Mehr Europa, weniger Nationalstaat

Würdest du dir in Zukunft eine Art „Vereinigte Staaten von Europa“ wünschen? 56 Prozent der Befragten würden dieser Aussage „sehr“ oder „eher“ zustimmen.

Vereinigte Staaten von Europa

Dazu kommt: Das "Demokratieradar" des Austrian Democracy Labs beobachtete nicht nur die Zustimmung zu Aussagen bzw. Szenarien wie diesem, sondern auch die (aktuelle) Parteipräferenz der TeilnehmerInnen (etwa durch Fragen wie: Wenn am Sonntag Nationalratswahl wäre: Wen würden Sie wählen?) Die größte Zustimmung für eine Art „Vereinigte Staaten von Europa“ kam zu knapp drei Vierteln von Grün-WählerInnen.

Das Schlagwort „Vereinigte Staaten von Europa“ bezeichnet eine stärkere europäische Integration und Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten der EU.

Überraschend ist aber vor allem, dass sich auch FPÖ-AnhängerInnen zu 39 Prozent künftig „Vereinigte Staaten von Europa“ wünschen. Das könnte etwa daran liegen, dass dieses Konzept in der Fragestellung nicht genau erklärt wird und die Vorstellungen darüber, wie dieses Konzept umgesetzt aussehen könnte, individuell schwanken. Nichtsdestotrotz überrascht dieses Ergebnis vor allem in Hinblick darauf, dass die FPÖ hierzulande mit Patriotismus und Nationalstolz wirbt.

Brauchen die EU-Wahlen eine Reform?

Generell wird die Tatsache, dass nationale Wahlen (geprägt von nationalen Themen, um die heimische WählerInnenschaft anzusprechen) schließlich die Zusammensetzung der europäischen Institution bestimmen, immer wieder kritisiert. Das Europäische Parlament ergibt sich aus den einzelnen Länderwahlen. In jedem Land ist das politische Angebot ein anderes. Im Europäischen Parlament löst sich diese Trennung nach Staaten aber auf und Abgeordnete organisieren sich stattdessen nach ihrer politischen Überzeugung.

Mehr Menschen wollen nicht aus der EU austreten

Nichtsdestotrotz kommt die aktuelle EU den Idealvorstellungen von knapp 30 Prozent schon sehr nahe. 20 Prozent wollen nicht, dass die EU mit den bisherigen Strukturen und Zuständigkeiten weiterarbeitet. Rund die Hälfte der ProbandInnen steht dem aktuellen Zustand der EU neutral gegenüber.

bisherige Strukturen

Ein EU-Austritt kommt aber trotzdem für deutlich mehr Menschen als noch bei der letzten EU-Wahl 2014 nicht in Frage. Drei Viertel der ÖsterreicherInnen würden einen Austritt klar ablehnen, was möglicherweise auf den Brexit zurückzuführen ist. Die langwierigen Verhandlungen zeigen deutlich, welche Folgen ein EU-Austritt mit sich bringen würde.

Zur Studie:

Das Demokratieradar ist eine halbjährliche Studie der Donau-Universität Krems und der Karl-Franzens-Universität in Graz, die die Meinungen der ÖsterreicherInnen rund um Themen wie Demokratie und Politik beobachtet. Sie basiert auf einer Umfrage, für die alle sechs Monate 4.500 Personen per Telefon und Onlineumfrage kontaktiert werden. So kann ein detailliertes Bild über die politischen Einstellungen in Österreich gezeichnet werden. Das Austrian Democracy Lab analysiert dieses Bild und arbeitet zudem Vorschläge zur Weiterentwicklung der Demokratie in Österreich aus.

Die Ergebnisse können auch interaktiv auf der Website des Austrian Democracy Labs abgerufen werden.

 

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