Österreicherinnen, die Flüchtlinge für Sex aufnehmen

Das Wiener Stadtmagazin "Biber" berichtete über ein brisantes Thema: Österreicherinnen, die junge Flüchtlinge aufnehmen, ihnen Kost und Logis zur Verfügung stellen, aber dafür Sex und Zuneigung verlangen.

Es ist ein Thema, über das in der Öffentlichkeit nicht so gern geredet wird, das aber umso wichtiger ist: Österreichische Frauen, die junge Flüchtlinge bei sich aufnehmen, sie versorgen, ihnen Taschengeld geben - aber dafür Gegenleistungen in Form von körperlicher Zuneigung und Sex verlangen.

Das Wiener Stadtmagazin "Biber" sorgt derzeit mit dem Artikel "Sugar Mamas und ihre Flüchtlinge" für Aufsehen. Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Österreicherinnen und gutaussehenden Flüchtlingen wurde seit dem "Biber"-Bericht in verschiedenen Tageszeitungen aufgegriffen, war Thema in der "ZiB2" und selbst die "HuffPost Arabi" hat darüber berichtet.

Denn es schockiert. So erzählte etwa Hasan* dem Magazin: „Sie will viermal am Tag Sex mit mir, ich bin eine Sexmaschine für sie, mehr nicht.“ Sie - damit meint er Linda*, eine ältere Österreicherin, die ihm Luxus bietet, aber Gegenleistungen verlangt. Dennoch kann sich der junge Mann nicht von seiner "Sugar Mama" Linda trennen, denn er möchte seine neu gewonnene materielle Sicherheit nicht aufgeben.

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Manfred Buchner vom Männergesundheitszentrum (MEN) erklärt im "Biber"-Artikel den Grund, warum Hasan und andere Flüchtlinge bei den Frauen, die sie sexuell ausnützen, bleiben: „Es herrscht eine große Abhängigkeit. Nicht nur psychisch, sondern auch materiell. Vielen dieser Männern droht die Obdachlosigkeit, der Verlust eines Bezugspunktes, wenn sie gehen.“ Der Präsident des österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie Peter Stippl sagte gegenüber "Biber": „Die Männer werden materiell verführt und nicht vergewaltigt. Es handelt sich hier aber sehr wohl um Missbrauch, der immer dann stattfindet, wenn Not und große materielle Unterschiede zur Befriedigung sexueller Bedürfnisse der Reichen eingesetzt werden." Denn für die materielle Sicherheit müssen die jungen Männer ihre Freiheit aufgeben.

"Es ist ein Thema unter den Flüchtlingen"

Dass Österreicherinnen junge Männer, die nach Österreich geflüchtet sind, auf diese Weise missbrauchen, ist ein offenes Geheimnis unter jungen Flüchtlingen. Im "ZiB"-Interview sagt die Journalistin Melisa Erkurt über die Orte, wo sich die Österreicherinnen und die jungen Männer treffen: "Es gibt auch eine Bar, da ist es bekannt, dass da Afrikaner, Syrer abhängen und dann kommen österreichische Frauen auch hin und wissen ganz klar: da finde ich diese Männer."

Der Sozialpädagoge Darpan Singh sagt im gleichen TV-Bericht: "Es ist ein Thema unter den Flüchtlingen. Und es ist sehr zweischneidig."

Erkurt schreibt in ihrem Artikel auch, wie schwierig es war, Menschen zu finden, die darüber reden wollen, vor allem ExpertInnen. Gegenüber der WIENERIN.at fasst sie die Reaktionen auf den Bericht so zusammen: "Seit Veröffentlichung des Artikels haben sich drei sogenannte "Sugar Mamas" bei mir gemeldet, die ihre Beziehungen mit jüngeren arabischen Flüchtlingen aus ihrer Perspektive geschildert haben. Falls sich die Frauen mit mir treffen, würde ich gerne auch darüber schreiben." Nachdem die arabische HuffPost über den Artikel berichtet hatte, habe sich auch ein junger Algerier gemeldet, der eine "Sugar Mama" sucht.

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"Das bestätigt auch die geteilten Meinungen zum Artikel", so Erkurt. "Viele haben angerufen und geschrieben, um mir mitzuteilen, dass sie solche Beziehungen aus ihrem Umfeld kennen. Dabei gab es die, die solche Beziehungen völlig okay finden und der Meinung sind, dass ja beide etwas davon haben und dass die Männer teilweise nach Sugar Mamas suchen und die, die finden, dass die Männer hier ganz klar Opfer sind und ausgebeutet werden."

Viele hätten auch geschrieben, dass sie lieber über Sugar Daddys und die Frauen als Opfer hätte schreiben sollen. Erkurt ist jedoch überzeugt: "Ich finde, es ist wichtig beides abzubilden. Feminismus ist für mich eben auch, nicht nur über Frauen als Opfer zu berichten."

*Die Namen wurden verändert.

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