ONCE: Die "Anti-Tinder" Dating-App startet offiziell in Österreich

Eine App. Ein Match pro Tag und irgendwann die große Liebe? Das verspricht die neue kostenlose App "Once", die heute in Wien vorgestellt wurde.

Apps wie Tinder erobern seit Jahren großflächig den Markt. Doch so einfach und unkompliziert es ist, so gering ist die Ausbeute an Dating-Willigen im Nachhinein. Denn ehrlichweise muss man zugeben, dass man nur in Ausnahmefällen wirklich jemanden auf Tinder trifft, der ernsthaft eine Beziehung sucht.

Die neue App "Once" möchte das ändern. Vom Franzosen Jean Meyer im Oktober 2015 gegründet, hat sich die App das Ziel gesetzt zum "Anti-Tinder" zu werden und dem "Fleischmarkt" Tinder den Kampf anzusagen. 2,5 Mio. Nutzer, im Durchschnittsalter von 29 Jahren, glauben mittlerweile an das Konzept und haben sich innerhalb eines Jahres als Once-User registriert.

Denn statt hunderten Möglichkeiten schlägt die App täglich nur eine einzige Person vor, die man "matchen" kann. Diese wird allerdings nicht von dem Computer ausgewählt, sondern von so genannten Matchmakern. Das sind echte Menschen (65% davon sind Frauen), die für Once arbeiten und täglich Amor spielen dürfen. Sie wählen basierend auf Bildern die passenden Profile aus und schlagen täglich um Punkt 12 Uhr eine Person vor. Immerhin: Schon nach kurzer Einlaufzeit liegt die Erfolgsquote der Matchmaker bei über 30%.

In den nächsten 24h sind die zwei gematchten Personen komplett alleine - wie bei einem echten Date. App-Dating wird also nicht zum hirnlosen Zeitvertreib, sondern zum Erlebnis. Außerdem möchte man mit Once den Leute die Zeit schenken, die sie sonst stundenlang auf Tinder&Co. verbringen würden.

Die Macher versprechen, dass es im Gegensatz zu Tinder viel mehr Menschen auf der App gibt, die es auch wirklich ernst meinen und nicht nur nach einem One Night Stand suchen.

Am 28. September wurde die App offiziell auch in Österreich vorgestellt. Nach Deutschland und Schweiz erhofft man sich auch hierzulande ähnlichen Erfolg wie in anderen europäischen Ländern. In Deutschland konnte man im Mai bisher den erfolgreichsten Start hinlegen. Dort sind schon mehrere hunderttausend Dating-Willige auf der App unterwegs.

Anlässlich des Launches trafen wir CEO Jean Meyer in Wien und sprachen mit ihm über seine Erfindung des "Anti-Tinder" und was Dating-Apps mit unserem sozialen Verhalten in Zukunft machen.

Wie kommt jemand, der seit gut 16 Jahren in einer Beziehung ist, auf die Idee eine Dating-Website zu gründen?

Okay, also es ist so. Ich bin ein echter Party-Typ, gebe ich offen zu. Und da war ich nun, als Student an der Columbia Business School und war darauf eingestellt, das typisch amerikanische Studentenleben a la "American Pie" zu erleben. Und dann fand ich mich auf dieser Business School wieder, bei der es nur um Networking mit Champagner ging - ganz ohne Party. Also startete ich eine Website namens "Date my School", um verschiedene Unis aus der Gegend miteinander zu vernetzen. Und schnell wurde daraus eine ziemlich beliebte Dating Seite und ich beschloss daraus ein Business zu machen. Das lief alles auch gut bis eine App namens "Tinder" auftauchte und den ganzen Prozess vereinfachte und unsere Seite irrelevant machte. Die Gründung von "Once" war einige Jahre später meine Antwort darauf.

Warum der Name "Once"? Was hat es damit auf sich?

Wir haben sehr lange nach einem guten Namen gesucht. Irgendwann fiel uns "Once" ein. Er hat eine schöne Verbindung zu "Once upon a time" (=Es war einmal) und er steht auch dafür, dass man nur einmal täglich, als "once", einen Match-Vorschlag bekommt.

Wo gibt es die Dating-App?

In Summe ist sie in 36 Ländern verfügbar, aber sie wurde bisher nur in Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien, Spanien., Deutschland, Schweiz, Brasilien und Österreich offiziell vorgestellt. In den USA ist die App zwar noch nicht vorgestellt worden, trotzdem gibt es schon über 50.000 Profile - einfach, weil die Leute interessiert sind.

Kommen wir zu den Matchmakern, die für das Datingglück verantwortlich sind. Nach welchen Kriterien matchen diese die Profile miteinander?

Die Matchmaker bekommen aus Datenschutzgründen nur die Bilder der Profile zu sehen. Das mag oberflächlich klingen. Aber auf Bildern kann man viel über sich selbst aussagen. Ob man Tiere mag, wie man sich kleidet oder ob man ein Party-Tiger ist. Das alles spielt eine Rolle bei den Matchmakern. Und immerhin liegt die Erfolgsquote unserer Matchmaker bei über 30%.

Für welche Länder sind die Matchmaker jeweils zuständig?

Matchmaker bekommen nur Menschen vorgelegt, die aus dem selben Land stammen wie sie. Das liegt daran, dass die kulturellen Unterschiede, selbst in Europa, sehr groß sind. Das fängt bei Ausbildungstätten an, die verschieden sind oder der Art, wie wir uns anziehen. Was in UK sexy ist, muss nicht in Frankreich ansprechend sein. Weißt du, Menschen haben, im Gegensatz zu Maschinen, die Fähigkeit Menschen nach ihrem Gefühl zu bestimmen. Wenn man auf der Straße ein Pärchen sieht, kann man auch bestimmen, ob sie zusammenpassen oder nicht. Das ist eine Chemie, die der Computer nie nachahmen kann.

Und was passiert, wenn die Matchmaker unter ihren Anforderungen bleiben?

Dann werden sie gefeuert. Nein, im Ernst. Man bekommt ein Gefühl dafür. Soweit ich weiß ist von den 200 Matchmakern bisher einer wieder gegangen. Und ganz ehrlich? Ich hasse es Leute zu feuern (lacht).

Gibt es kulturelle Unterschiede in den Anforderungen an den Partner oder das Dating-Verhalten?

Ja ganz große. Prinzipiell sind Frauen viel wählerischer als Männer. Aber von Land zu Land variiert das auch stark. Und Dater aus manchen Ländern verhalten sich auch viel offener und gehen eher auf Leute zu. BritInnen haben zum Beispiel kein Problem damit, Konversationen zu beginnen. In Frankreich aber, würden Frauen nur selten von selbst jemanden anschreiben. Oder was auch lustig ist: In manchen Ländern haben Männer und Frauen ein Problem damit, ein Date noch am selbem Abend auszumachen. Das geht ihnen oft zu schnell oder so.

Wie wird sich unser Dating Verhalten in den nächsten Jahren ändern? Apps wie Tinder oder Once sind eigentlich schon ganz schön anti-sozial...

Meine Eltern hatten die gleichen Bedenken. Als Student hat man es leicht Leute kennenzulernen. Aber in der Arbeitswelt... Nicht wirklich. Kollegen zu daten kann da schnell nach hinten losgehen.
Das Online-Dating Stigma wird in den nächsten Jahren sicherlich sinken und die Dating Industrie wird wachsen. Diese ist mit 4 Mrd. Jahresumsatz weltweit ja noch verhältnismäßig klein. Also, wenn du jemanden suchst, wirst du in Zukunft wohl noch öfter auf Tinder & Co. zurückgreifen, als jetzt.

 

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