Oma und Opa müssten mindestens 2.700 Euro verdienen

Viele Familien müssen sich in der Kinderbetreuung auf die Großeltern verlassen. Müsste man das bezahlen, wäre es ganz schön teuer.

Großeltern müssten 2.700 Euro verdienen

Wenn die Kinderbetreuungseinrichtung vor Büroschluss zumacht oder das Kind in der Früh mit Fieber aufwacht, dann retten in vielen Familien Oma und Opa den Tag. 1,6 Millionen Omas und Opas leben in Österreich und sie spielen einen wichtigen Part in der Organisation des Familienlebens: Fast ein Drittel der unter 14-Jährigen sieht die Großeltern täglich, 39 Prozent sehen sie zumindest wöchentlich.

Müssten Oma und Opa für ihre unbezahlten Tätigkeiten tatsächlich entlohnt werden, könnte sich das wohl kaum eine Familie leisten: 2.700 Euro müsste man Großeltern pro Monat mindestens bezahlen, wie es das Dienstleistungsportal ProntoPro.atberechnet hat.

Oma, schau mal! Opa, Hunger!

Kinder wollen beschäftigt werden - und Omas und Opas legen sich ganz schön ins Zeug. Da werden Bücher mit verstellten Stimmen vorgelesen, Türme aus Lego gebaut und Lieder geträllert. Quality Time mit den Enkelkindern kann in wahre Kinder-Animation ausarten. Wenn man das professionell organisiert, kosten Profi-Kinder-Animateur*innen durchschnittlich 70 Euro pro Stunde.

Und vom Toben allein wird das Kind ja noch lang nicht glücklich, es muss auch was essen und in einer (halbwegs, es sind Kinder!) aufgeräumten und ordentlichen Umgebung leben. Omas und Opas kochen und backen nicht nur, nebenbei sorgen sie oft auch noch für Sauberkeit im Familienheim. In der Privatwirtschaft kostet das: Köch*innen bekommen rund 85 Euro, eine Reinigungskraft etwa 15 Euro pro Stunde.

Opa, ich muss da hin! Oma, erklär mir das!

Als Privatchauffeur*in zum Sport- oder Musikunterricht oder zur*zum besten Freund*in/Freund sind Großeltern ebenfalls sehr begehrt: Bei sechs Stunden in der Woche käme man schon auf 192 Euro im Monat. Und wenn's mit den Hausaufgaben oder der Vorbereitung auf die Schularbeit nicht so klappen will, sind Opa und Oma auch als Nachhilfelehrer*innen im Einsatz: Für eine Stunde Nachhilfe verdient ein*e Privatlehrer*in durchschnittlich 15 Euro. Zusammengerechnet ergibt das bereits die 2.700 Euro - und in einer qualitativen Kinderbetreuung muss eigentlich mehr passieren.

2.700 Euro Großelternlohn decken nur die Basics ab

Oma und Opa übernehmen häufig noch wichtige Zusatzrollen: Sie sind Berater*innen, wenn Enkelkinder Ratschlag und ein offenes Ohr benötigen, das kostet bei Profis mindestens 80 Euro pro Stunde. Und buchstäblich unbezahlbar ist der großelterliche "Notfalldienst", wenn zum Beispiel die Grippe ausgebrochen ist. Notfall-Profis auf ProntoPro.at verlangen im Durchschnitt 30 Euro pro Stunde – ohne Fahrzeit.

Omas und Opas, die verlässlich und gern einspringen und erledigen, was der Alltag von Eltern oft nicht zulässt, sind also tatsächlich Gold wert. Vielleicht schafft es die nächste Regierung aber mal, die Umstände für Eltern so zu verbessern, dass Großelternbetreuung ein schönes "Kann" aber kein "Muss" ist.

 

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