Olivia Peter: War das so geplant?

Wer frischgebackene Eltern oder Häuslbauer kennt, der*die vermeide folgende drei Fragen: Gehört das so? Wolltet ihr das so? War das so geplant?

Olivia Peter

Das mit dem Baby dauert in der Regel neun Monate. Das mit dem Haus bei uns fast drei Jahre – von der ersten zarten Frage an den Mann („Ist das wirklich gescheit, dass wir so viel Miete im Monat zahlen? Wir sollten was kaufen!“) bis hin zur letzten vorwurfsvollen Frage an den Mann („Ist das wirklich gescheit, dass wir so viel Kredit im Monat zahlen? Wir sollten was mieten!“). Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr. Das Haus steht. Der Kredit rennt. Und nichts habe ich in meinem Leben weniger bereut als den Bau dieses Hauses. Es hat mich geprägt. Wachsen lassen. Wenn mich künftig jemand fragt, was der bisher größte Erfolg in meinem Leben war, kann ich antworten: IchhabeeinHausgebautohnemichvonmeinemMannzutrennen­durchzudrehenoderdasGefühlzuhabenniemehraufUrlaubfahrenzukönnenunddasHaussiehtnichtauswieeineBruchbudesondernwiedasbesteschönstetollsteHausderWelt!

Frischgebackene Häuslbauer sind wie frischgebackene Eltern: extrem sensibel und für Kritik an ihrem Baby, ob nun gerechtfertigt oder nicht, schlichtweg nicht empfänglich.

Rat und Schläge. Nun bringt so ein Hausbau aber auch etwas Unerfreuliches mit sich: gut gemeinte Ratschläge. Von der Familie, den Nachbarn, guten Freunden, Freunden von Nachbarn, dem Postler oder zufällig Vorbeigehenden. Wie beim Kinderwagen: Jeder schaut rein und hat eine Meinung dazu. Wie mein charmanter Nachbar. Als der Mann und ich staunend und strahlend und glücklich vor unserem Haus stehen, pirscht er sich von hinten an und sagt: „Hean S’, da werden S’ oba ned lang a Freid hom mit dem Haus! Warum hom S’ denn ned mit Ziagln ’baut? Des mit dem Hoiz, des is ja ois a Schas! Des is jo jetz scho völlig marod!“ Danke fürs Gespräch! Ähnlich der Sohn einer weiteren Bekannten: Noch nie zuvor gesehen, schreit er über den Gartenzaun, dass wir sicher bald im Wasser stehen. Er habe den Bauarbeitern beim Drainagemachen zugeschaut – viel zu wenig Kies. So mache man das nicht. Auf meine Frage, warum er mit seinem heißen Tipp nicht während des Baus um die Ecke gekommen sei, sagt er lachend: „Na, Gnädigste – is ja ned mei Haus!“
Wir haben zudem den Fehler einer Open-House-Party gemacht. Die scheinen einige mit einer Open-Critic-Party verwechselt zu haben: Warum wir die Fliesen im Bad nicht bis zur Decke gezogen haben? Weil eine Fliese unfassbar viel Geld kostet. Ob das mit dem Absturzglas vor der tollen Aussicht so geplant war? Nein. Aber leider gibt es so etwas wie Bauvorschriften. Ob das mit dem offenen Wohnbereich so bleibe? Ja, wir haben uns tatsächlich was bei der Planung unseres Hauses gedacht. Ob man die Fassade wirklich dunkelgrau machen müsse, weil das schon sehr ungewöhnlich sei? Allerdings – es betont meine rabenschwarze Seele.
Frischgebackene Häuslbauer sind wie frischgebackene Eltern: extrem sensibel und für Kritik an ihrem Baby, ob nun gerechtfertigt oder nicht, schlichtweg nicht empfänglich.

 

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