Olivia Peter: Über "Erste Dates"

Ich war nie so der Fan von ersten Dates. Den Spielchen: Darf ich jetzt schon smsen oder nicht? Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses Spiel wieder spielen muss. Auf einer ganz neuen Ebene.

Olivia Peter

Nein, er hat sich noch nicht gemeldet!" Das ist der momentan am häufigsten verwendete Satz zwischen mir und meinem Mann. Dabei geht es nicht um eine Affäre. Sondern um eine Baufirma. Wir haben bei unserem "Projekt Hausbau" in der Zwischenzeit kleine Hopser gemacht. Fortschritt wäre ein zu großes Wort. Die ehemalige Gartenhütte auf dem Grund ist abgerissen. Der Bauplan bei der Behörde eingereicht. Jetzt suchen wir nach einer Baufirma. Seit Monaten. Glauben Sie mir: Ich date fleißig! Ich hatte träge Typen und eloquente. Ich hatte bär(t)ige Wald-und-Wiesen-Typen und schleimige Anzugträger. Ich hatte welche, bei denen ich sofort wusste: "No match!", und viele Wackelkandidaten. Doch auf einmal war da einer, in den verliebte ich mich Hals über Kopf. Alles passte: die gemeinsame Vorstellung vom Haus. Dieselbe Arbeitsweise. Derselbe Humor. Dieselbe Preisklasse. Ich war so begeistert, dass ich mir sogar spontan Urlaub nahm, um ihn in der Arbeit aufzusuchen. Es war ein schöner, sonniger Tag. Wir fuhren in seinem Auto herum, besichtigten gemeinsam Baustellen, er stellte mir Menschen aus seinem bisherigen Leben vor, die ihm alle ein gutes Zeugnis ausstellten. Auch mein Mann war begeistert und sagte: "Ja, mit dem kann ich es mir vorstellen!"

Und plötzlich: Funkstille!

Es wurde immer intensiver zwischen uns. Wir telefonierten mehrmals am Tag. Schrieben uns Mails. Oft noch spätabends. Die anderen Bewerber existierten für mich eigentlich gar nicht mehr, so überzeugt war ich, Mr. Right gefunden zu haben. Und plötzlich: Funkstille! Keine Reaktion mehr auf meine Anrufe. Nur kurze, knappe SMS. Er habe keine Zeit. Würde sich melden. Sorry. Ich hatte den schlimmsten Kummer meines Lebens. Checkte tausendmal am Tag meine Mails. Hoffend, dass eines von ihm dabei wäre. Er hatte es doch versprochen!

Irgendwann, Wochen später, kam dann tatsächlich ein Mail von ihm. Er habe jetzt die Kostenaufstellung. Sie war weit über dem, was wir ursprünglich besprochen hatten. Ich wollte ihn zur Rede stellen. Rausfinden, wo die Masche runtergefallen war. Er wurde sehr einsilbig. Ich sehr mehrsilbig. Schrieb ihm dauernd SMS, er möge sich bitte melden. Mein Mann sagte: "Zeig ihm nicht so, dass du ihn willst. Das macht das Verhandeln schwierig!" Ich sagte: "Aber ich habe keine Lust auf das ganze Spielchenspielen! Ich will ihn! Aus!"

Schluss

Ich fühlte mich wie damals als Teenager: Je abweisender dein Schwarm wird, desto mehr willst du ihn. Du schreibst ihm 100 Nachrichten. Er schreibt zwei. Immer genau dann, wenn du kurz vor dem Aufgeben bist. In der Liebe habe ich irgendwann kapiert: Das wird nichts mehr. Such dir einen Mann, der dich will, dem du vertraust, der keine Spielchen spielt. Beim Bauen gilt dasselbe. Deshalb habe ich gestern Schluss gemacht. Ganz erwachsen. Per SMS.

 

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