Olivia Peter: Schnipp schnapp, Haare ab!

WIENERIN-Kolumnistin Olivia Peter schiebt Dinge nur selten auf die lange Bank. Außer sie sind unangenehm.

Olivia Peter Kolumne

Wie eitel sind Sie? Auf einer Skala von eins bis zehn? Ich bin bei fünf. Mitteleitel. Nicht Mittelscheitel. Mitteleitel. Mittelmäßig eitel. Ich würde jederzeit ungeschminkt einkaufen gehen (vor allem, seit man dabei Maske trägt), habe durchaus zweimal hintereinander dasselbe Shirt an (sofern olfaktorisch zumutbar) und bin in den eigenen vier Wänden eher praktisch denn schick angezogen. Ein Euphemismus für XXL-Shirt und Schlabberhose. Aber es gibt einen Bereich, in dem bin ich supereitel, und das sind meine Haare.

SCHNIPP. Von Natur aus habe ich Locken. Locken, für die andere töten würden. Locken, die zu folgenden drei Sprüchen führen: "Sind die echt?", "Du schaust aus wie ein Engerl!" oder "Boah! Ich hätte auch sooo gerne Locken!". Tja. Wenn Sie Lockenträgerin sind, wissen Sie: Wir wollen nicht, was die wollen. Wir wollen, was die haben: glatte Haare. Also wird geföhnt, geglättet, gebürstet. Mit dem Fazit, dass die Haare immer strohiger, trockener und kaputter werden. Aber was macht man als Anhängerin der Schnittlauchlocken? Richtig! Man malträtiert das Haar weiter. Und weil die Haare nicht nur glatt, sondern auch lang sein sollen, hört man auf, sie anständig zu schneiden. Denn was man nicht schneidet, wird lang. Logisch, oder?

Mein Badezimmerflur hat mir kürzlich die bittere Wahrheit aufgezeigt. Weil was liegt auf seinen dunklen, grauen Fliesen? Abgebrochenes helles Haar. Der gefürchtete Haarbruch hat voll zugeschlagen! Was erklärt, dass meine Haare ständig kürzer werden anstatt länger. Was macht man klugerweise? Ab zum Friseur. Was macht das leidende Weib? Ab in die Drogerie. Haarpackung. Haarmaske. Anti-Spliss. Anti-Frizz. Dream Length-Shampoo. Und anderen Schwachsinn. Und während ich den Friseurbesuch aufschiebe, verrinnt nicht das Leben, sondern brechen die Haare ab. Bis es nicht mehr geht. Bis der Friseur sagt: "Das Haar muss ab." Tränen. Verzweiflung. Selektive Wahrnehmung auf der Straße: Alle, alle, alle haben lange Haare, nur ich nicht! Selektiver Hass auf KollegInnen, die sagen: "Hey, deine Haare sind kürzer. Steht dir viiiel besser!" Gelogen! Alles! Ich hasse euch!! Ich hasse mich!! Und vor allem hasse ich meine Haare!!!

SCHNAPP. Aber gestern gab's die Wunderheilung. Der Gärtner war da. Hat den 30 Jahre alten Mandelbaum im Garten beschnitten. Vorher ein prachtvoller Baum. Mit dichter Baumkrone. Jetzt ist er nur mehr ein zusammengestauchtes, kahles Bäumchen, das ausschaut, als wäre es vor maximal zwei Jahren gepflanzt worden. Was sagt der Gärtner?"Der ist viel zu lange nicht geschnitten worden! Entweder machen wir das jetzt radikal oder er geht ein!" Was sage ich? Beschnittene Bäume schmerzen viel mehr als beschnittene Haare! Ab sofort gehen wir beide regelmäßig schneiden -Bam, Oida!

 

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