Olivia Peter: Nichts als Absagen!

Partygirl? War ich nie. Aber gemütlich in einem Lokal sitzen und quatschen, dafür habe ich mich immer vor die Tür bewegt. Seit einiger Zeit geht nicht einmal mehr das.

Olivia Peter

Ich stehe mit meinem Moderationskollegen P. im Radiostudio. Wir besprechen das Problem eines Freundes. Er ist zu einem Geburtstagsessen eingeladen, mag aber nicht hingehen. Moderationskollege P. sagt: "Ich glaube, der macht heute einen Olivia!" Ich schaue irritiert hoch. "Einen was?" "Na, einen Olivia!" "Und was soll das bitte sein?" "Na, sich den ganzen Tag auf was freuen und am Abend dann nicht hingehen!" Ein geflügeltes Wort mittlerweile in seinem Freundeskreis. Das meinen Namen trägt. Ich weiß nicht, ob ich das gut finde.

Aber es stimmt schon. Irgendwo auf dem Weg zum "Erwachsenwerden" sind meine Ausgehmotivation und ich entschlossen in getrennte Richtungen marschiert. Warum? Kann ich nicht sagen. Aber immer wieder mache ich mir voller Vorfreude Treffen mit Freunden aus. Wir haben die tollsten Dinge vor. Zu einer Vernissage gehen. In einen Club mit tollen Ginsorten. Oder einfach nur auf ein Glas Wein. Die ganze Woche über freue ich mich darauf. Schaue mir auf Google Maps an, wie ich hinkomme. Sage dem Mann, dass er an dem Abend frei von mir hat. Verunsichert mich null, dass er darauf nur mehr mit "Schau ma mal" reagiert. Und ich schwöre: In der Früh des betreffenden Tages ist die Motivation noch voll da. Ich wasche mir die Haare. Lege mir das Outfit zurecht. Schicke sogar noch WhatsApp mit Textinhalten wie: "Ich freu mich schon so!!!!" Aber irgendwann gegen drei oder vier am Nachmittag passiert dann mit meinem Hirn etwas sehr, sehr Seltsames. Es bockt. Wie ein von Stimmungsschwankungen geplagter Teenager. Da ich um diese Zeit meistens mit meinem Moderationskollegen P. zusammen bin, bekommt er die volle Wucht meines Nichtmögens ab. Ich lamentiere dann, dass ich eigentlich müde bin, und fühle mich sofort hundemüde. Oder dass ich Kopfweh habe, woraufhin mein Kopf wirklich wummert wie verrückt. Wahrscheinlich ging es früher auch ganz vielen Menschen ganz ähnlich. Nur hatten sie kein Handy. Spontan absagen? Ging nicht. Ist heute anders.

Wer nicht will, dass ich absage, geht am besten mit mir frühstücken /brunchen oder ins Kino. Frühstücken /Brunchen ist gut, weil ich um die Uhrzeit noch nicht im Motivationstief stecke. Beziehungsweise mein schlechtes Gewissen mich davon abhält, Menschen vor zehn in der Früh zu kontaktieren, um abzusagen. Kino ist gut, weil man da nicht reden muss und sich sagt: "Im schlimmsten Fall lässt du dich zwei Stunden berieseln und sagst nachher gleich, dass du müde bist und schlafen musst."

Mit meinem Freundeskreis hat das übrigens gar nichts zu tun. Ich finde die alle toll. Treffe mich echt gerne mit ihnen. Und am meisten liebe ich sie dafür, dass sie ganz oft ganz gleich wie ich sind und mir eine Stunde vor dem Treffen schreiben: "Sorry, ich kann heute doch nicht!" Was ich darauf antworte?"Oh no, wie schade!" Was ich dabei denke?"OMG, danke, danke, danke - ich liebe dich so sehr!!!!!"

 

Aktuell