Olivia Peter: Maus, Maus, komm heraus!

Stellt man WIENERIN-Kolumnistin Olivia Peter auf eine Bühne - alles cool. Setzt man sie in ein von Turbulenzen geplagtes Flugzeug - aufregend. Aber man lasse sie nie allein mit einem Tier, vor dem sie Angst hat!

Wir hatten im Sommer einen Mitbewohner. Klein. Pelzig. Ziemlich schnell. Eine Maus hat es sich in unserer Wohnung bequem gemacht. Entdeckt haben sie der Mann und ich, als wir abends auf der Couch lagen. Da ist sie von der Terrasse hereingeflitzt. Wir dachten zuerst, sie sei ein Staubfussel. Ein großer, grauer Staubfussel, der vom Wind durch die Wohnung getrieben wird. Als sich dann aber herausgestellt hat, dass es sich tatsächlich um eine Maus handelt, war es aus mit mir. Hysterie pur!

ANGSTHASE. Ich hätte mich never ever so eingeschätzt. Ich meine, ich hatte als Kind ein Meerschweinchen. Bin auf dem Land groß geworden und werde generell nicht schnell hysterisch. Aber ich fuhr das volle Programm! Mit Kreischen, auf Möbel hüpfen und Zitteranfällen. Der Mann? Die Ruhe in Person. Mit Besen, Staubsauger und Zeitung bewaffnet, gelang es ihm schließlich, die Maus aus der Wohnung in den Gang zu jagen. Danach ging er schlafen. Ich nicht. Ganz im Gegenteil. Bei jedem Geräusch war ich sicher: Die Maus ist zurück. Ich glaube ja auch daran, dass sich eingesaugte Spinnen rächen - dass sie nachts, wenn man selig schläft, wieder aus dem Staubsauger rauskrabbeln und sich gemeinsam mit den Spinnenbabys, die in der Zwischenzeit geschlüpft sind, "Vendetta!" rufend über einen hermachen.

Und tatsächlich. Die Maus kam zurück. Just an dem Tag, an dem ich alleine in der Wohnung war. Nennen Sie mich (völlig zu Recht) hysterisch, aber ich ließ die Nachbarn kommen. Wie ich es von der Couch bis zur Wohnungstür geschafft habe, ist mir heute noch ein Rätsel! Die Nachbarn fanden das alles eher lustig. Das mit dem Mausjagen. Vor allem meinen Part. Auf dem Tisch stehend. Delegierend. Ich war kaum zu beruhigen. Auch nicht, nachdem die Maus wieder auf den Hausgang gelaufen war. Der Mann, auf dem Donauinselfest weilend, fand das alles vollkommen lächerlich. Weigerte sich, früher nach Hause zu kommen. Großer Streit. Drama. Als der Mann dann spätnachts ins Schlafzimmer polterte, kam mit ihm auch die Maus. Von da an schliefen wir mit abgeklebter Schlafzimmertür. Weil ich überzeugt war, dass die Maus sich durch jedes Loch quetschen kann. Was ja auch stimmt. Wie wir die Maus losgeworden sind, erzähle ich Ihnen lieber nicht. Nur so viel: Mäuse und ich teilen eine große Liebe, und diese Liebe nennt sich Schokolade. Es war ein süßer Tod.

SPINNEREI. Von da an war die Mausgeschichte natürlich der absolute Brüller im Freundeskreis. Alle fanden es wahnsinnig witzig, mich aufzuziehen. Was für eine Genugtuung also, als gestern das Handy meines Freundes geklingelt hat. Gegen halb zehn Uhr abends. Dran: eine sehr toughe Freundin von uns. Die regelmäßig im Fernsehen moderiert und keine Herausforderung scheut. Sie hatte eine Spinne in der Wohnung. Ihr Freund sei nicht zu Hause. Es sei ihr eh wahnsinnig peinlich, aber ob der Mann wohl vorbeikommen könnte?!

 

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