Olivia Peter: Jetzt reicht's aber mit den Zoom-Partys!

WIENERIN-Kolumnistin hat mittlerweile endgültig genug von Zoom-Partys und Online-Talks - vor allem jenen, die kein Ende finden.

Olivia Peter: Wieso ist Gespräche-Beenden eigentlich so schwer?

Chips und Erdnüsse stehen in blauen Schälchen drapiert auf dem Tisch. Der Wein ist dekantiert. Das Hähnchen brutzelt im Ofen vor sich hin und jeden Moment werden die Gäste erwartet. Ein ganz normaler Samstagabend mit Freund*innen. Bis auf ein kleines Detail: Die Gäste kommen nur virtuell. Aus dem Laptop, der auf einem wackligen Bücherstapel thront. Nach dem üblichen Gedöns mit "Wir hören euch nicht?!", "Ihr müsst die Stummschaltung aufheben!", "Wir steigen noch mal neu ein, irgendwie ruckelt das Bild" kann das Gespräch endlich beginnen Und eigentlich bin ich jetzt schon vollkommen fertig mit den Nerven.

Vielleicht bin ich komisch, aber mir machen diese Onlinemeetings einfach null Freude. Dieses Laptop-Anschreien. Das Kauderwelsch aus Stimmen. Ein Einzelgespräch - wie es auf Partys ganz natürlich entsteht - ist einfach nicht möglich. Ich mag das nicht. Gar nicht.

Sitzfleisch

Aber gut. Momentan geht's nicht anders. Ich ergebe mich meinem Schicksal. Tausche mich über die ewig gleichen Themen aus und erzähle, was sich so tut. Nix. Was soll schon groß passieren momentan? Eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um das Gespräch zu beenden. Ich nenne es den "Also gut!"- oder "Na dann!"-Moment. Wenn meine Freund*innen mich diesen Satz sagen hören - am Telefon, im Vier-Augen-Gespräch oder eben auch in der Skype-Sitzung -, ist das mein Code für: Es ist alles gesagt, lass uns das Gespräch beenden.

Aber das passiert nicht! Aus mir unerfindlichen Gründen geschieht es einfach nicht. Es wird weiterparliert, oder -Worst Case - die Spielesammlung wird ausgepackt. Nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Spieledates. Aber auch hier gilt: Ich muss nicht meine gesamte Spielesammlung an einem Abend durchspielen. Nach zwei Stunden ist bei mir einfach der Punkt erreicht, an dem sich jede Sekunde vor dem Laptop anfühlt wie ein endloser Diavortrag meiner Eltern aus Kindertagen.

On-Off-Beziehung

All die Exit-Szenarien, die mir meine Mutter für solche Fälle beigebracht hat, versagen. Wenn ihr ein Telefonat zu lang gedauert hat, hat sie früher wahlweise meine Schwester oder mich zur Haustür klingeln geschickt. Oh! Überraschungsbesuch! Wie schade - jetzt müsse man leider Schluss machen.

Nice try, aber wer soll jetzt schon auf Überraschungsbesuch kommen?! Auch die Sache mit "man müsse noch was tun" oder "man müsse noch wo hin" kommt nicht gut. Mental verabschieden geht auch nicht - der Bildschirm zeigt gnadenlos die Wahrheit. Und ständig Verbindungsprobleme vorzutäuschen sorgt irgendwann für freundschaftliche Verbindungsprobleme. Daher, liebe Freund*innen: Ihr habt meinen Segen - lasst uns auflegen!

 

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