Olivia Peter: Glaube versetzt Hütten

Es war einmal eine kleine Holzhütte. Die beiden Besitzer fanden, sie müssten die sehr alte Hütte durch ein sehr neues Haus ersetzen. Am Ende dieser Geschichte sahen vor allem die Hüttenbesitzer sehr alt aus.

Olivia Peter

Mein Mann und ich planen seit geraumer Zeit an einem Haus herum. Noch steht auf dem Grund für das Haus eine Hütte. 35 Quadratmeter. Aus Holz. Mit rotem Ziegeldach. Gebaut vom Schwiegervater. Als uns die ersten Baumeister erklärt haben, dass wir für den Abriss dieser kleinen Schönheit mit 10.000 bis 15.000 Euro rechnen müssen, haben wir laut aufgelacht und großkotzig eine Anzeige auf willhaben gestellt. Da geht alles weg.

BERGFAHRT. Das war im Juni 2018. Titel der Anzeige: "Gartenhütte zu verschenken". Anfragen innerhalb der ersten halben Stunde: 40. Für mich war klar: Die Sache ist geritzt. Habe mich sogar noch geärgert, dass ich nichts für die Hütte verlangt habe. Aber gut -Hauptsache weg. Es kamen ein paar Menschen zur Besichtigung. Einer kam sogar mit Vertrag. Wirkte sehr professionell. Versprach: In einer Woche ist die Hütte weg. Wir gaben ihm den Zuschlag. Unterschrieben den Vertrag. Lachten über die Baumeister, die uns prophezeit hatten: "So easy wird das nicht!"

Es wurde Juli, es wurde August, es wurde Oktober, es fiel der erste Schnee und die Hütte stand noch immer. Der anfänglich so verlässlich wirkende Handwerker war nur in einer Hinsicht wirklich zuverlässig: im Nichterscheinen und Vertrösten. Einmal bildete er sich ein, dass Hornissen in der Hütte wohnen würden, woraufhin er den Abbau stoppte und ich die Feuerwehr organisierte. Einmal meinte er, die Hütte stünde unter Strom, woraufhin ich mehrere Elektriker organisierte und nach Erhalt der Rechnungen selbst unter Strom stand. Es folgten ein längerer Krankenhausaufenthalt seinerseits, unzählige unbeantwortete Telefonanrufe unsererseits -und jetzt steht die Hütte halb abgebaut auf dem Grund und verschreckt durch ihr gar nicht mehr romantisches Aussehen auch die anderen 39 Interessenten, die sie anfänglich mit Freude abbauen wollten.

TALFAHRT. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als diverse Abbruchunternehmen zu kontaktieren und mir Angebote legen zu lassen. Am Telefon waren alle überzeugt: Schaffen wir locker um 1.500 Euro! Ich war beruhigt. Immer noch viel Geld, aber weit unter den angedrohten 15.000 Euro. Nach Besichtigung der Hütte waren dann alle überzeugt: Schaffen wir höchstens um 15.000 Euro! What the f***?! Eine Hütte, die in der Anschaffung nicht einmal ein Sechzehntel davon gekostet hat?! Jesus!!

So heißt übrigens der Interessent, der uns jetzt auf willhaben angeschrieben hat. Kurz bevor ich die Sache mit dem ganzen Hausbau abblasen wollte. Wirklich! Er möchte die Hütte gerne abbauen. Nimmt sie nach Ungarn mit. Als ich seine Nachricht gelesen habe, hörte ich auf jeden Fall die Engel singen - denn gegen so ein Wunder hätte ich nichts einzuwenden! Aber der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail ...

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