Olivia Peter: Der tiefe Fall eines Gartenzwergs

Hochmut kommt vor dem Fall. WIENERIN-Kolumnistin Olivia Peter ist nicht sehr hochmütig, aber hat sich hinreißen lassen - und prompt die Rechnung kassiert.

Seit mittlerweile zwei Jahren bin ich stolze Kleingartenbesitzerin und damit Teil der extrem hippen Kleingarten-Community. Diese Zeilen enthalten Ironieplatzierungen. Aber egal. Ich mag das Kleingartenleben. Sehr sogar. Noch mehr mag ich, dass die Kleingarten-Community auch einen jährlichen Kreativwettbewerb macht. Hauptpreis dotiert mit 2.000 Euro!

Der Geruch des Sieges. „Da machst du auf keinen Fall mit!“ Sagt der Mann. „Da machst du natürlich mit.“ Sagt der Kontostand. Wie das Match ausgeht? Genau! Drei Wochen sitze ich an dem Projekt „Kleingarten-Pixibuch“. Schreibe eine Kurzgeschichte zum Wettbewerbsthema. Meine liebe Freundin Katja, eine hervorragende Zeichnerin, illustriert die Geschichte. In Kolumbien sitzend. Da wohnt sie nämlich. Aber trotz Zeitverschiebung, Dateiformat-Problemen, nicht ankommender E-Mails und schier unendlicher Suche nach einer Onlinedruckerei, die in diesem Miniformat und mit dieser Miniauflage verlegt, schaffen wir es tatsächlich, innerhalb der Deadline abzugeben und feiern uns selbst wie nach der Mount-Everest-Besteigung – überzeugt, am Ende das über unsere Geschichte sagen zu können, was einst Andi Knoll beim Song Contest über Conchita sagte: „Jetzt hat uns die den Schas gewonnen.“
Wie (großkotzig) von mir erwartet, trudelt eine Woche vor der großen Gala eine Einladung bei mir ein. „Ha!“ Sage ich zum Mann. „Ha! Ha!“ Sage ich zwei Tage später, als mich eine Dame anruft, um mir zu sagen, dass ich unter den Preisträgern sei. Sie könne mir noch nicht verraten, welcher Platz. Aber die Jury sei totaaal begeistert von meinem Buch. Als ich ihr auch noch erzähle, dass ich am Tag der Gala Geburtstag habe, gerade im Kleingarten ein Haus baue und das Buch allen Kindern in unserer Kleingartenanlage schenken werde, scheint die Sache für mich geritzt. Das ist der Stoff, aus dem Hollywoodstorys gemacht sind!
Problem: Kurz vor der Preisverleihung bekomme ich einen Auftrag rein. Große Modera­tion. Also rufe ich bei der netten Dame an, erkläre die Umstände, sage, dass aber der Mann stellvertretend kommt und sich waaahnsinnig freut. Was waaahnsinnig gelogen ist. Weil der Mann an besagtem Tag nämlich waaahnsinnig gerne auf der Couch liegen würde, anstatt im waaahnsinnig überfüllten Saal zu sitzen.

Der Geschmack der Niederlage. Während ich dann in Tirol auf der Bühne stehe, schiele ich immer wieder zum Handy. Warte auf die freudige Nachricht vom Mann. Endlich macht es „ping“! Ich öffne die Nachricht und lese: „Du hast gewonnen! Einen grantigen Mann! Und einen Gartenzwerg!“ Es wurde der Sonderpreis. Ein 70-Euro-Baumarktgutschein (die Herstellung des Buches hat übrigens 120 Euro gekostet). Und dazu eben ein Gartenzwerg. Der steht jetzt in unserem Kleingarten und erinnert mich täglich daran: immer schön am Boden bleiben!

 

Aktuell