Olivia Peter: Das fragwürdige Frauenbild auf Instagram

#BodyPositivity. #nomakeup. #nofilter. #metoo. #timesup. Klar hat Instagram einiges auf der Agenda, das Frauen bestärkt. Supportet. Empowert. Aber das Frauenbild, das dort wirklich erfolgreich ist, ist ein verheerendes.

Olivia Peter

Ich sitze mit der Tochter einer Freundin auf der Couch. Sie ist jetzt 14. Hat längst ihr eigenes Handy. Facebook-Account. Instagram-Account. Whats-App-Gruppenchats. Zeigt mir, was ihr gefällt. Die eine Bloggerin findet sie super. Warum? Weil sie so hübsch ist. Aha. Gut, ich fand als Kind auch Schauspielerinnen hübsch. Wollte aussehen wie die. Nicht verwerflich. Ein Video muss sie mir unbedingt zeigen. Ein Tutorial. Wie man sich Locken in die Haare macht. Finde ich auch noch ganz lustig. In dem Alter probiert man halt gerne aus.

Avocados machen schön und schlank

Wir switchen in die nächste Kategorie. Essen. Sie wird ernst. Sagt, sie isst ab jetzt nur mehr Avocados. Weil die machen schön, schlank und sind urgut für die Haut. Okayyy, jetzt wird es langsam interessant. Ich überlege kurz, ihr zu erklären, dass das alles geschönte Bilder sind auf Instagram und Co. Dass das nicht unbedingt was mit dem echten Leben zu tun hat. Die übliche Leier eben. Aber irgendwie kann ich das nicht, weil mir ganz was anderes sauer aufstößt. Was für ein Frauenbild vermitteln wir da eigentlich? Ich bin selbst nicht auf Instagram und meine Facebook-Aktivität gleicht meiner Sportaktivität: vorhanden, aber im untersten Level. Trotzdem sehe ich natürlich laufend Instagram-Fotos, nehme Kritik an den Inszenierungen auf solchen Plattformen wahr. Aber meistens beschränkt sich die Kritik auf Körperbilder. Zu realitätsfern. Zu dünn. Zu frauenverachtend. Dann gibt es Gegenbewegungen, die Frauen ein positives Körpergefühl vermitteln wollen. Komikerinnen, die sich über die Instagram-Trends lustig machen. Firmen, die bewusst Gegenwerbungen schalten. Finde ich alles gut, aber geht nicht an den Kern der Sache.

Denn der Kern der Sache ist: Ein Großteil der Frauen auf Instagram macht das, wogegen emanzipierte Frauen jahrelang angekämpft haben: Sie kochen (bevorzugt mit Avocados), schminken sich (unglaublich stark), machen sich die Haare schön (am besten im Beachwave-Style), interessieren sich für Mode (und nichts als Mode), dekorieren die Wohnung (wie das gute Hausfrauen eben machen), trinken den ganzen Tag über Matcha-Tee (oder Starbucks-Kaffee), machen Sport (Joggen oder Yoga) und lächeln dabei süß in die Kamera (mit Victoryzeichen oder Herzchenzeichen und schief geneigtem Kopf). Falls sie ein Hobby haben, sind das ihre Kinder (deren Leben sie dann inszenieren wie ihr eigenes).

Klischeegeladen

Wirklich? Wollen wir so sein? So dargestellt werden? Mit meinem Leben hat das nichts zu tun! Mit dem meiner Freundinnen auch nicht. Und jetzt weiß ich schon, dass es eh total viele tolle Instagramerinnen /Influencerinnen /Bloggerinnen gibt, die mit diesen Klischees nichts am Hut haben. Aber wenn man sich anschaut, was die beliebtesten Hashtags sind, läuft es einem kalt den Rücken runter: #cute, #fashion, #girl, #beautiful, #pretty, #hair. Und wenn eine 14-Jährige beginnt, sich nur mehr über ihre Optik zu definieren, schrillen bei mir die #alarmglocken!

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