Olivia Peter: Beim Hausbau lernt man sich erst richtig kennen

Der beste Weg, um herauszufinden, ob man als Paar funktioniert, ist der Bau eines Hauses. WIENERIN-Kolumnistin Olivia Peter entdeckte dabei Seiten, die sie nie für möglich gehalten hätte.

Vor Kurzem hab ich dem Mann einen Liebesbrief geschrieben. Wie toll er das alles macht. Mit dem Job und dem Haus und dem Leben. Weil es mich gerade ziemlich zerspragelt in dem Dreierspagat. Denn, facing the facts: Ich hab's nicht so mit der Hausplanung, dem Tüfteln, ob der Verteiler jetzt bündig in der Wand verschwinden soll oder auskragt. Detto beim Thema Steckdosen: Stundenlang kann der Mann da mit der Baufirma philosophieren, ob jetzt 47 Steckdosen reichen oder ob es doch 52 sein sollen. Ich beende solche Gespräche meistens mit einem Satz: Was ist billiger? Das nehmen wir.

Ich bin überzeugt, mein Haus würde bereits stehen. Aber vermutlich wäre es eher so im Villa-Kunterbunt-Style. Mit schrägen Fenstern, einem undichten Dach und viel zu wenigen Steckdosen. Eben ein sehr lustiges Haus. Während das Haus vom Mann sehr stylish, durchdacht und imposant wäre. Mit schwebenden Lampen, Sichtbetondecken und viel gebürstetem Stahl. Aber es würde niemals stehen. Sondern in einem Architekturbüro als formidables Beispiel für edles (aber leider nicht leistbares) Design gelten.

TIEFPUNKT. Sprich: Ich halte uns für ein recht kongeniales Gespann! Der eine pusht und sorgt für gute Stimmung, wenn was schiefgeht. Der andere bremst und sorgt dafür, dass nicht alles begeistert hingenommen wird. In dieser "mood of love" haben wir also bis vor Kurzem den Hausbau fast genossen. Bis zum Tag des Rollentauschs. Der Mann war drei Tage im Ausland und ich dazu verdonnert, die Bauaufsicht zu übernehmen. Just in dem Moment, als ziemlich viel ziemlich schiefging und ich ziemlich viel in ziemlich kurzen Abständen entscheiden musste. Zur Erinnerung: Ich habe keine räumliche Vorstellungskraft! Habe das - meiner Meinung nach - aber trotzdem sehr souverän gehandhabt. Und als Beweis meiner Souveränität habe ich dem Mann Fotos geschickt.

FEHLERHAFT. Keine gute Idee. Er fand meine Leistung nicht ganz so souverän. Hat am Telefon komische Fragen gestellt. Ob ich einen Plan mithabe und nachmessen kann. Ähm. Natürlich nicht. Die Frage nach einem Maßband musste ich ebenfalls verneinen. Den komischen Höhepunkt haben wir dann bei seiner Rückkehr erreicht: Drei Wände mussten abgetragen werden, weil die Bauarbeiter nicht nach Plan gearbeitet hatten, sondern nach Gefühl. Der Verteilerkasten, den ich (wie ich noch immer finde) souverän vom Erdgeschoß in den Keller verlegen habe lassen, musste wieder zurückverlegt werden, und unser Bad ist jetzt drei Quadratmeter kleiner, weil ich angeblich (was ich bestreite) zugestimmt habe, dass das Kanalrohr in einem separaten Schacht verläuft. Seither ist es um die "mood of love" nicht mehr ganz so gut bestellt. Aber wir haben ja viele Rigips-Platten auf der Baustelle. Damit können wir zur Not aus einem gemeinsamen Schlafzimmer zwei getrennte machen!

 

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