Öko-Fashionistas

Wenn sich Modeketten und Designer Nachhaltigkeit an die Fahnen heften, wird klar: Umweltbewusstsein ist das Must-Have der Saison bei Trendsetterinnen. Welche Labels sind aber wirklich fair? Worauf müssen Eco-Fashionistas achten? Antworten hat Martina Jordan, Gründerin von ORFAFA - organic fair fashion.

Sie sind Gründerin von ORFAFA - organic fair fashion, einer Online-Community für alle, die an fairer Mode interessiert sind. Wieso haben Sie sich entschlossen, diese Plattform zu gründen?

Die furchtbaren Arbeitsbedingungen den Textilfabriken in Bangladesch und Kamodscha sind vielen Verbrauchern mittlerweile bekannt. Greenpeace und Verbrauchermagazine decken außerdem auf, dass Kleidung herkömmlicher Modemarken voller Schadstoffe stecken.

Für mich und viele andere Konsumenten ist deshalb klar, dass wir solche Kleidung nicht mehr kaufen wollen. Der gute Vorsatz war aber bisher gar nicht so leicht umzusetzen. Denn wer sich auf die Suche nach gesunder, umweltfreundlich und fair produzierten Kleidung macht, hatte es bisher nicht leicht: In den Einkaufsstraßen gibt es kaum faire Biomode und im Internet kann man zwar viele tolle Marken entdecken, aber die Suche danach war oft mühsehlig, zeitaufwändig und machte wenige Spaß. Auch die Vielzahl an Siegeln und Sozialstandardinitiativenist verwirrend - wenn kann man eigentlich trauen und bei wem ist Fairness und Nachhaltigkeit bloß ein Schlagwort um mehr zu verkaufen?

Martina Jordan

Meine Mitgründerin Aline und ich glauben, dass viele Menschen gerne nachhaltige Mode kaufen würden, wenn man es ihnen nur etwas einfacher machte. Genau das versuchen wir mit ORFAFA - organic fair fashion: Hier kann man sich informieren, neue Modemarken entdecken und außerdem in einem großen Produktkatalog nach konkreten Teilen suchen egal ob Bio-Jeans in rot, Fair-Trade-Kleid oder schadstofffreie Kindermode. Außerdem gibt es ein Magazin mit Hintergrundinformationen und News aus der Eco- & Fair-Fashion Szene. Unser Ziel ist eine Plattform zu schaffen für alle die Mode lieben, die schön und gut ist.

Für wen ist ORFAFA gedacht?

Für alle die sich über faire Biokleidung informieren möchten, neue Modemarken entdecken wollen oder auf der Suche sind nach einem konkreten fair und umweltfreundlichen Kleidungsstück sind. Bei uns gibt es Mode für Frauen, Männer, Kinder und Babys. Wir haben uns bewusst nicht auf Mode in einem bestimmt Stil oder für einen bestimmten Anlass festgelegt. Egal ob fürs Büro, zum Ausgehen oder für den Yoga-Kurs.

Was grüne Fashionistas auf ORFAFA erwartet, erfahren Sie auf Seite 2 >>

Und was wird grünen Fashionistas auf Ihrer Plattform geboten?

Auf unserer Plattform präsentieren wir mittlerweile über sorgfältig ausgewählte faire Modelabels und es kommen immer mehr dazu. Große Modemarken wie People Tree oder Kuyichi sind genauso dabei wie kleine Newcomer-Labels wie Treches oder Ken Panda. Das Angebot dieser Labels können User direkt auf unserer Seite in einem großen Produktkatalog durchsuchen. Per Mausklick gelangt man dann zu einem unserer Partnershops und kann das Teil dort kaufen. Wer erst einmal vergleichen will, kann seine Favoriten auch erst einmal in einer Wunschliste speichern. Über Facebook und Newsletter weisen wir unsere User auch auf Rabattaktionen und Gutschein-Codes unserer Partnerstores hin. Und hin und wieder können User bei uns auch Einkaufsgutschein oder ein konkretes Kleidungsstück gewinnen.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Mode aus, die auf ORFAFA vorgestellt wird?

Wir erwarten, dass Modemarken sowohl fair und umweltfreundlich produzieren. Es reicht nicht, dass ein Label Biobaumwolle verwendet, aber in Bangladesch unter miesen Bedigungen nähen lässt. Bei Biomode denken viele nur an Biobaumwolle: Wir haben aber auch Labels, die mit anderen Materialien umweltfreundlich produzieren. Hanf-Mode ist ein Beispiel, die Wiederverwertung alter Stoffe und Materialien eine andere. Auch beim Kriterium Fairness gibt es verschiedene Ansätze: Einige Labels wie People Tree produzieren nach den Grundsätzen des fairen in Ländern wie Bangladesch, andere sind Mitglieder in Sozialstandardinitiativen wie der Fair Wear Foundation, wieder andere produzieren in kleinen Auflagen im eigenen Atelier: Faire Mode-Herstellung hat also viele Gesichter.

Worauf eine faire Konsumentin achten sollte, lesen Sie auf Seite 3 >>

Was gehört zum fair shoppen also alles dazu, worauf sollte man als Konsumentin achten?

Es gibt einige gute Siegel auf die man beim Einkauf achten kann. Für Biomode sind vor allem GOTS (Global Organic Textile Standard) und IVN Best wichtig und vertrauenswürdig. Bei Kleidungsstücken mit diesen Siegeln kann man sich sicher sein, dass sie nicht nur aus Bio-Baumwolle bestehen, sondern dass auch für die Weiterverarbeitung strenge Bio-Richtlinien gelten. Vielen Verbraucherinnen ist gar nicht bewusst, dass ein Shirt aus Bio-Baumwolle durchaus mit schädlichen Chemikalien behandelt worden sein kann. Die Schadstoffe, die bei Test immer wieder gefunden werden, stammen ja nicht von den Pestiziden, sondern gelangen zum Beispiel beim Färben des Stoffes in das Kleidungsstück. kommen nämlich erst durch die Weiterverarbeitung und das Färben in die Kleidung. Das Fair Trade Siegel, das viele von Bananen und Kaffee kennen, bezieht sich vor allem auf den Baumwollanbau. Wer Mode mit diesem Siegel kauft, unterstützt damit Baumwollbauern in Entwicklungsländern, die sonst trotz ihrer Arbeit in Armut leben.

Außerdem gibt es Sozialstandard-Initiativen wie die Fair Wear Foundation: Ist eine Modemarke Mitglied, bedeutet dies, dass sie sich von einer unabhängigen Organisation in die Karten bzw. die Fabriken blicken lässt. Diese Organisation tragen dazu bei dass sich die Arbeitsbedingungen und Einkommen von Näherinnen in Bangladesch und Indien langfristig verbessern.

Es gibt noch viele weitere Siegel und Sozialstandardinitiativen, die ich hier nicht alle aufzählen kann. Außerdem gibt es Labels, die keine Siegel vorweisen können, aber dennoch vertrauenswürdig sind. Deshalb gibt es bei ORFAFA auch zu jedem Label eine Kurzbeschreibung, in der erklärt wird, warum es bio & fair ist.

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Gerade in Österreich gibt es viele kleine Labels, die bei Ihnen nicht gelistet sind. Woran liegt das?

Prinzipiell nehmen wir die auch sehr gerne auf, wenn sie unsere Kriterien erfüllen, also sowohl fair als auch umweltfreundlich produzieren. Technisch gibt es aber im Moment noch ein Problem dabei. Wir binden Labels im Moment über sogenannte Affiliate-Proramme ein - die meisten kleinen Labels haben jedoch kein eigenes Affiliate-Programm. Wir arbeiten gerade an einer Lösung, die es auch kleinen Labels ermöglichen wird, ein Label-Portrait bei ORFAFA zu haben und die Produkte im Katalog zu listen. Wir freuen uns also auch sehr über neue kleine Labels - es kann nur noch ein bisschen dauern bis wir sie einbinden können.

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