Ohne Zuwanderung könnten wir bald keine Pensionen mehr finanzieren

Hätten wir keine Zuwanderer, würde die österreichische Bevölkerung schrumpfen und niemand könnte die Pensionen finanzieren. Das zeigt die neue Bevölkerungsprognose der Statistik Austria.

„Die Bevölkerungspyramide ist 2060 keine Pyramide mehr, sondern ein Döner“, sagt Alexander Hanika, Bevölkerungsexperte der Statistik Austria. Was er damit meint? Österreich wird immer älter, die Lebenserwartung steigt und es wird immer schwieriger, die Alten zu finanzieren, weil die Erwerbsbevölkerung sinken wird. Die Zahl der Über-65-Jährigen wird bis 2030 von 1,6 Millionen auf 2,2 Millionen und 2060 auf ganze 2,8 Millionen steigen. Das sind 78 Prozent mehr alte Menschen als heute.


Österreich braucht Zuwanderer


Deshalb sei Österreich angewiesen auf Zuwanderung. Durch die starke Zuwanderung von vor allem jungen Menschen würde die Erwerbsbevölkerung vorerst nicht sinken und die Geburtenbilanz positiv bleiben. Denn: ohne Zuwanderung würden in Österreich im Jahr 2030 nur noch 4,73 Millionen im erwerbsfähigen Alter leben – das sind 11 Prozent weniger als im Jahr 2014. 2060 wären es überhaupt nur 3,4 Millionen Menschen, die arbeiten gehen. Gäbe es keine Zuwanderung würde auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen bis 2035 um 13 Prozent absinken.


Es wird also immer schwieriger werden, Pensionen zu finanzieren. Gäbe es keine Immigration, würde der Anteil des Erwerbspotenzials langfristig auf 47 Prozent sinken, während die Zahl der Menschen im Pensionsalter auf 37 Prozent im Jahr 2060 wachsen wird.


Um durchschnittlich 70.000 Menschen wird Österreich in den nächsten Jahren wachsen. Wien ist dabei Spitzenreiter mit dem stärksten Bevölkerungswachstum. Im Jahr 2023 erreicht die Stadt die 2-Millionen-Grenze.

Die 9-Millionen-Marke wird bald geknackt


2022 wird Österreich voraussichtlich die Neun-Millionen-Marke überschreiten. 2060 werden 9,7 Millionen Menschen im Land leben. Einen Anteil daran haben auch Zuwanderer. Derzeit sind 17 Prozent der Gesamtbevölkerung im Ausland geboren – 2030 ist dann mit 22 Prozent fast ein Viertel erreicht und 2060 liegt der Anteil der im Ausland Geborenen bei 26 Prozent.


Wegen der aktuellen Flüchtlingskrise hat die Statistik Austria ein eigenes Asylszenario ausgerechnet, wie der Generaldirektor Konrad Pesendorfer bei der Präsentation verlautbarte. Für die Jahre 2015 und 2016 wird mit jeweils rund 85.000 AsylwerberInnen gerechnet.


Frauen kriegen immer später Kinder und leben ungesünder


Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass das Fertilitätsalter auf 33 Jahre steigen wird. Derzeit bekommen Frauen durchschnittlich im Alter von 30,4 Jahren Kinder. Frauen werden also immer später Kinder kriegen. Als Grund nennt Pesendorfer, dass Paare ihren Kinderwunsch aus beruflichen Gründen erst später realisieren. Interessant ist aber, dass die Zahl von derzeit 1,46 Kindern pro Frau auf 1,55 Kinder steigen wird.


Die Lebenserwartung der Männer und Frauen wird sich näher kommen. Sie wird von derzeit 78,9 bei den Männern auf 87,3 im Jahr 2060 anwachsen. Die Frauen kommen von jetzt 83,7 Jahren auf 90,6 Jahre Lebenserwartung. Der Grund für die Angleichung ist laut Pesendorfer, dass Frauen ungesünder leben, junge Frauen etwa häufiger rauchen und ihre Lebensstile sich nicht mehr so stark von jenen der Männer unterscheiden.

 

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