Obama: "Hört auf, Männern zum Windelmachen zu gratulieren"

"Wir werden immer noch in Stereotype gedrängt, die Männern und Frauen bestimmte Verhaltensmuster vorschreiben." Für seine scharfe Kritik an veralteten Gesellschaftstrukturen zeichnen wir US-Präsident Barack Obama diese Woche als "Hawara der Woche" aus.

Männer, die wir mögen: In unserer Rubrik "Hawara der Woche" stellen wir regelmäßig Männer vor, die sich für Gleichberechtigung und Feminismus einsetzen.

Auf unserer konstanten Suche nach einem "Hawara der Woche" sind wir auf eine Rede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama gestoßen, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.

Seitdem wir unsere Serie "Hawara der Woche" mit dem Vorzeige-Feministen und Politiker Justin Trudeaubegonnen haben, schielen wir schon länger erwartungsschwanger in die USA und haben auf eine Äußerung Obamas zum Thema Feminismus gehofft. Woran auch immer es liegt, dass Obama sich jetzt als Feminist "geoutet" hat, es hat sicher auch damit zu tun, dass er sich nun nicht mehr dem konservativen Amerika zur Wahl stellen muss. Denn auch, wenn die Wiege des "neuen und hippen Feminismus" in den USA liegt, kann der Großteil der Amerikaner wohl nur wenig mit dem Wort "Feminismus" anfangen oder sich gar damit identifizieren.

Es freut daher umso mehr, dass Barack Obama nun den ersten "White House United State of Women Summit" zum Anlass nahm, um endlich Klartext zu sprechen.

So sehen Feministen aus

"Ich weiß, ihr wartet schon alle gespannt auf Michelle und Oprah. Aber ich wollte kurz vorbeischauen und eines klarstellen: Ich bin in den letzten Jahren zwar etwas grauer geworden, aber so sieht eben ein Feminist aus", eröffnet Barack Obama seine Rede vor einer begeisterten Menge.

Auch, wenn wir dem lieben Barack nur schwer abnehmen, dass er nur "kurz vorbeischauen" wollte, um zu sagen, dass er Feminist ist, ist sein Statement eine grandiose Einleitung für das, was dann kommt: Ein ganz klares Bekenntnis zu Frauenagenden und die Erkenntnis, dass noch sehr viel zu tun ist.

"Wenn wir unsere Politik und Strategien ändern, müssen wir auch verändern, wie wir uns selbst sehen. Wir werden immer noch in Stereotype gedrängt, die Männern und Frauen bestimmte Verhaltensmuster vorschreiben. Wir müssen die Haltung ändern, die unsere Töchter zu prüden Frauen und unsere Söhne zu selbstbewussten Männer erzieht. Wir müssen aufhören, unsere Töchter zu kristieren, wenn sie aufschreien und unsere Söhne zu maßregeln, wenn sie weinen. Wir müssen ändern, dass wir Mädchen für deren Sexualität verdammen und Burschen dafür auf die Schulter klopfen."

Schutz für Frauen im Internet und Anerkennung arbeitender Mütter

Nicht nur die Erziehung ist Obama ein Anliegen. Besonders die Gewalt gegen Frauen im Netz stimmt ihn (angesichts seiner zwei Töchter), bedenklich: "Wir müssen das Internet ändern, in dem Frauen regelmäßig beschmipft und gemobbt werden, sobald sie online gehen".

Besonders in der Familienpolitik sieht Obama allerdings die größten Probleme. Antiquierte Verhaltensmuster, sind in diesem Bereich unserer Gesellschaft besonders tief verankert und schwer aufzubrechen: "Wir müssen aufhören, Männern dafür zu gratulieren, wenn sie eine Windel wechseln - das stigmatisert alle Vollzeit-Väter und arbeitenden Mütter. Wir müssen aufhören, ein selbstbewusstes und ehrgeiziges Auftreten am Arbeitsplatz fördern - und damit aber immer nur die Männer zu meinen. Wir müssen unsere Kultur ändern, die afroamerikanische Mädchen und Frauen in ein schlechtes Licht rückt".

Für seine Rede erhielt Barack Obama viel Applaus vom Publikum. Gleichzeitig, muss er sich an dieser Stelle wohl auch eingestehen, dass er den Großteil dieser Probleme wohl nicht mehr aus eigener Karft lösen wird, sondern an seine zukünftige Nachfolgerin Clinton abgeben muss (sofern sie die US-Wahlen im Oktober gewinnt). Und die wird es wohl mindestens genauso schwer haben, sich gegen die starken Republikaner durchzusetzen. Einen starken Befürworter, hat sie mit Barack Obama allerdings auf jeden Fall hinter sich stehen.

Die ganze Rede können Sie hier nachsehen.

 

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