Nunus Shoppingdiät

Was macht ein Shopaholic auf Entzug? Er erteilt sich ein Jahr Shopping-Diät und näht, strickt, tauscht, informiert sich stattdessen über ökologische und soziale Produktionsweise. Die Wienerin Nunu Kaller hat über ihr Einkaufsverbot gebloggt - und das Buch "Ich kauf nix" herausgegeben.

Während für einige die Besteigung eines Fünftausenders eine Herausforderung ist, kämpft die Wienerin Nunu Kaller wöchentlich mit einem ganz anderen Berg: Ihr "Mount McWäscheberg" sorgt regelmäßig für Schweißausbrüche - nicht nur bei ihrem Liebsten, sondern auch bei der ehemaligen Journalistin selbst. Und irgendwann nach dem Wegräumen des Letzten von 34 Röcken, ist es dann Zeit für eine Entscheidung: Ein Jahr Shoppingdiät, so lautet die.

Alles schön und gut, wäre Shopaholic Nunu Kaller nicht bekannt für ihren Mangel an Konsequenz, ihre Abhängigkeit vom "Textilschweden" und ihre Vorliebe von Online-Shops. Was sich anfangs als unmögliche Idee darstellt - vor allem in einem Schaltjahr (!), wird für die Wienerin jedoch zu einem Projekt, das nicht nur das Jahr 2012, sondern ihr Leben ändert. Zum Guten, wie der - plakative - Untertitel "Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde" schon vorab verrät.

Ich kauf nix

Auf 256 Seiten führt die Wienerin frisch-von-der-Leber-weg durch ihren Shopping-Boykott, erzählt von ihrem Wühlen durch den Kleidungs-Gütesiegeldschungel genauso wie über Kauf-Versuchungen, denen sie - mehr oder weniger - widersteht. Entdeckt ihre Liebe zum Nähen von "Verhütungshosen" und Stricken von Riesenpullis genauso neu wie die Freude an Tausch- und Schenkabenden mit Freundinnen. Und ist zum Schluss wohl selbst ebenso überrascht wie ihr Umfeld, den roten Faden ihres Lebens gefunden zu haben.

Dass das Plädoyer für Shopping-Enthaltsamkeit nicht mit "Missionierungs-Phrasen" gespickt ist, verdankt es dem humorvollen Erzählstil Nunu Kallers, der sich vor allem selbst nicht zu ernst nimmt. Das Thema vom sozialen und ökologischen Wahnsinn, der in der Textilbranche herrscht, hingegen schon, und so kann sich die interessierte Leserin zum Schluss noch einiges an Wissen und Fakten aneignen. Und vielleicht sagt die dann zwar nicht "ich kauf nix", dafür aber "ich kauf bewusster".

 

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