#notmyariel: Warum darf die neue Arielle nicht Schwarz sein?

Die Besetzung der Arielle für Disney's kommende Realverfilmung sorgt für eine Rassismusdebatte im Netz.

Halle Bailey

Seit letzter Woche ist bekannt, dass die US-Amerikanerin Halle Bailey die Hauptrolle in Disney's Realverfilmung von Arielle übernehmen wird. Wer sich Halle Baileys Musikvideos auf YouTubeanhört, wundert sich keine Sekunde, warum die 19-jährige Sängerin den Zuschlag für den Part der Meeresnixe bekommen hat.

"Ist Arielle nicht ...weiß?"

Und trotzdem gibt es seit Bekanntwerden Unmut im Internet über die Besetzung mit Bailey. Unter dem Hashtag #notmyariel posten NutzerInnen abwertende Kommentare über die Sängerin.

Einige NutzerInnen bemängeln, dass man sich bei dem Casting zu wenig an das Aussehen der rothaarigen, hellhäutigen Arielle gehalten habe und sich stattdessen für eine Schwarze Schauspielerin entschiede habe. Dies sei nicht "akkurat" genug, finden so manche "Fans" - und lassen sich dabei rassistisch und zum Teil zutiefst beleidigend über Bailey aus. Einige NutzerInnen gehen sogar so weit, den Produzenten "Blackwashing" zu unterstellen.

Halle Bailey - die perfekte Besetzung

Disney kontert nüchtern auf die rassistischen Kommentare und erklärt, Bailey habe sich in einem langen Casting-Prozess als geeignete Kandidatin erwiesen. Sie habe die seltene Kombination aus Seele, Herz, Jugend, Unschuld und Substanz und eine wundervolle Gesangsstimme, so Disney. Alles Eigenschaften, die für diese Rolle notwendig seien.

Die Schauspielerin und Sängerin mag hierzulande vielleicht noch nicht so bekannt sein, hat sich aber trotz ihres jungen Alters schon einen Namen im Show-Bizz gemacht. Sie wurde gemeinsam mit ihrer Schwester Chloe als RnB-Gesangsduo Chloe x Halle auf YouTube bekannt (mehr als 1 Mio. YouTube Fans), mittlerweile spielen die beiden auch in der hoch-gelobten Serie Grown-ish (freeform) die Hauptrolle. Sängerin Beyoncé zählt nicht nur zu ihren Fans, sondern ist sogar so überzeugt von Halle und ihrer Schwester, dass sie die beidenunter Vertrag und sogar mit auf ihre Tour nahm.

Disney scheut nicht vor Neuerungen

Die Besetzung mit Halle Bailey unterstreicht Disney's Bemühungen hinsichtlich mehr Inklusion in seinen Filmen. Bei neuen Produktionen waren diverse Besetzungen schon länger keine Seltenheit mehr. Mit Küss den Frosch kam man 2009 dem Wunsch nach einer Schwarzen Disney Prinzessin endlich nach, auch in Moana spielte eine nicht-weiße Person die Hauptrolle. Trotzdem kann sich das Traditionshaus nicht vor seiner eigenen Vergangenheit verschließen. Disney's frühere Prinzessinnen waren in der Regel weiß, sehr schlank und genügtem einem gesellschaftlichen Frauenbild, das heute als überholt gilt. Bei den wenigen nicht-weißen Prinzessinnen (zum Beispiel Pocahontas) zeigte man zwar vermeintliche Diversität, das hatte damals aber oft mehr mit der Liebe zum "Exotischen" als mit dem Wunsch nach mehr Inklusion zu tun. So sind diese Filme meist mit kolonialistischen Klischees gespickt und aus einem eurozentrischen Blickwinkel heraus verfasst, der mit der tatsächlichen Kultur der darin gezeigten Personen oft nur wenig zu tun hat.

Bei der Menge an alten Prinzessinnen-Filmen, die Disney gerade für seine neuen Realverfilmungen aus der Schublade kramt, war es also nur eine Frage der Zeit, bis sich an dem Aussehen bzw. Habitus der ein oder anderen Hauptfigur auch etwas ändern würde. Wir dürfen schließlich nicht vergessen: "Arielle" wurde inzwischen vor fast 30 Jahren veröffentlicht. Dass die Macher hier also Neuerungen einführen ist nicht nur verständlich, sondern war erwartbar.

Mulan zeigt, wie es geht

Wie diese Neuerungen Aussehen könnten, kann man sich schon einmal anhand der neuen Realverfilmung von Mulan ansehen. Hier hat man sich nicht nur um einen asiatischen Cast bemüht, sondern auch an der heroischen Kämpfer-Figur der Fa Mulan herumgeschraubt. Die chinesische Hauptdarstellerin Liu Yifei spielt die Disney-"Prinzessin" furchtloser und kämpferischer denn je und bricht damit gleich mehrfach mit bisherigen Disney-Frauenvorbildern.

Was Diversität in Sachen sexueller Orientierung betrifft, tut man sich bei Disney noch ein bisschen schwer und fährt in der Regel lieber heteronormativ. Doch auch hier könnte sich mit der nächsten Frozen-Vefilmung einiges ändern, wenn man den Gerüchten glauben mag. So könnte Elsa in zweiten Teil die erste lesbische Disney-Prinzessin werden.

Halle Bailey vereint jedenfalls schon jetzt eine große Fanbase hinter sich, die ihre Besetzung mehr als zu schätzen weiß. Dass man mit ihrem Casting für Diskussionen sorgen würde, dürfte Disney klar gewesen sein. Wie sich zeigt, ist diese Diskussion aber immer noch bitter notwendig.

 

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