Normal ist das neue Cool

Kein Stress: In der Mode ist endlich wieder Entspannung angesagt. Seit eine New Yorker Trendagentur den Begriff „Normcore“ geprägt hat, ist der Druck von vielen Fashionistas abgefallen, immer top gestylt sein zu müssen.

Das (Glücks-)Rad der Mode hat sich wieder einmal weitergedreht und ist auf einem ganz neuen Feld zum Stehen gekommen. Den Höchstgewinn in Sachen Fashion erzielt derzeit, wer sich so normal, so durchschnittlich, so unauffällig wie möglich anzieht. Modische Spitzen sind im Moment so gefragt wie ein Schnitzel in einem veganen Restaurant. Warum der stilistische Einheitsbrei gerade so en vogue ist, erklären wir hier.

Was ist passiert?

Die vergangenen Jahre waren modetechnisch von immer schneller werdenden Trends geprägt. In den Filialen der Bekleidungsketten hingen alle zwei Wochen völlig neue Outfits und die Designer der High-Fashion-Labels designten bis zu zehn Kollektionen pro Jahr. Selbst das interessierte Publikum ist nicht mehr mit dem Styling nachgekommen. Zuerst hat sich daraus eine „Hauptsache individuell“-Mentalität entwickelt. Jetzt aber sind die ersten Ermüdungserscheinungen zu sehen. Womit wir beim Normcore -Trend wären:

Was bedeutet „Normcore“?

Das New Yorker Marketingbüro K-Hole hat die Studie "Youth Mode: A Report of Freedom" veröffentlicht und ­darin den ­Style junger Leute analysiert. Es prägte den Begriff Normcore, eine Zusammensetzung aus „normal“ und ­„hard-core“. Das Credo dahinter: Nicht mehr als Individualist mit aufregenden Outfits hervorzustechen, sondern in der Masse zu verschwinden.

Emily Segal, 25-jährige Mitgründerin von K-Hole, sagt: „Die Menschen haben keine Lust mehr, sich nur einen einzigartigen Status zu erarbeiten, indem sie immer anders als alle anderen aussehen.“ Damit bringt sie auf den Punkt, was auch die Journalistin des New York Magazine, Fiona Duncan, in einem Artikel beschrieben hat: „Wenn ich in Soho die Leute nur von hinten sehe, kann ich nicht mehr unterscheiden, ob ich gerade hinter einem Hipster oder einem Touristen gehe.“ In Outfits übersetzt heißt das: Fleecepullover, Karottenhosen und No-Name-Sneaker sind die neue Uniform für Fashionistas.

Was ist normal?

Heißt: Mode darf jetzt wieder praktisch und bequem sein. Deshalb braucht man kein Bling-Bling, keine großflächigen Logos und keine Designerklamotten – oder die günstige Kopie davon. Zu den neuen Lieblingsshops der Normcoristas gehören etwa Gap (der erste Shop in Österreich hat gerade im Donauzentrum in Wien eröffnet) oder die Basic-Abteilung bei P&C oder einem anderen Modekaufhaus.

Was bedeutet das für die Designer?

Keine Sorge: Die Mode steuert mit diesem Trend keinem beige-grauen Abgrund entgegen, in dem nur mehr Gesundheitsschuhe und Utility-Jackets getragen werden dürfen. Denn wie sagte Karl Lagerfeld schon: „Der Mode entkommt man nicht. Denn wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.“ Er schickte die Models für seine aktuelle Herbst-Winter-Kollektionspräsentation in Sneakers und Sweatshirts durch einen eigens aufgebauten Chanel-Supermarkt. Und was wäre ein Trend ohne Gegentrend: Die ersten Anzeichen des neu entdeckten Glamcores glitzern schon am Horizont ...

 

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