No Make-up im Home Office: Warum deine Haut trotzdem nicht schöner wird

Ganz natürlich und ohne Make-up daheim und trotzdem ist die Haut gerötet und unrein? Das sind die Gründe.

Gesicht mit unreiner Haut

Jahrelang haben wir gehört: Wer sich weniger schminkt und seiner Haut auch einmal eine Pause gönnt, wird mit reiner, pickelfreier Haut belohnt. Jetzt sitzen wir also schon die sechste Woche im Homeoffice, von schöner Haut ist aber nichts zu sehen. Was ist da los? Laut Dermatologin Kerstin Ortlechner hat das mehrere Gründe.

1. Stress

"Viele von uns kennen das: Man fährt in den Urlaub, schminkt sich eine Zeit lang wenig bis gar nicht und hat auf einmal die schönste Haut. Das ist aber nicht mit der Stresssituation vergleichbar, in der wir uns jetzt befinden", so die Hautärztin. Manche von uns sind in Kurzarbeit, andere überhaupt ohne Job. Viele haben Existenzängste und wissen nicht, wie es die nächsten Monate finanziell weitergeht. Man kann diese make-up-freie Zeit also ganz und gar nicht mit einem Urlaub vergleichen. "Nicht umsonst sagt man, dass die Haut der Spiegel der Seele ist. Jetzt kann man bei vielen sprichwörtlich am Gesicht ablesen, wie belastend diese Situation ist." Das äußert sich dann in roten Flecken und Unebenheiten. Fertig machen sollte man sich deshalb nicht, sondern sich lieber regelmäßig frische Luft und Bewegung gönnen.

2. Mangelnde Reinigung

Wer in Zeiten wie diesen denkt, dass die Hautreinigung mit Wasser ausreicht, weil man sowieso die ganze Zeit zu Hause ist, liegt laut Ortlechner falsch: "Wir sind zwar nicht so vielen Umwelteinflüssen, Abgasen und Staub wie sonst ausgesetzt, aber auf unserer Haut lagern sich Hautfett, überschüssiger Talg, Schweiß und trotzdem auch Schmutz ab, den wir unbedingt täglich runterwaschen sollten." Wer jetzt aufhört, sein Gesicht täglich zu reinigen, darf sich nicht über Pickel und Mitesser wundern.

3. Finger im Gesicht

Jede*r von uns fährt sich unbewusst hunderte Male am Tag ins Gesicht. Ist man ungeschminkt, sogar noch häufiger. "Am Anfang fällt einem das gar nicht auf, aber wenn man bewusst darauf achtet, merkt man, wie oft man sich über die Haut streift. Entdeckt man dabei Unebenheiten oder Pickel, neigt man dazu, daran herumzukratzen oder zu drücken. Das infiziert die Stelle immer wieder und macht die Haut schlechter." Meistens hat man vorher dann auch noch Bakterienschleudern wie Laptop-Tastatur, das Handy oder Türgriffe berührt.

Wer generell mit Akne und hartnäckigen Hautunreinheiten kämpft, jetzt aber nicht zum*r Kosmetiker*in zur professionellen Ausreinigung kann, sollte Haut und Hände gut vorbereiten, bevor es ans Pickel ausdrücken geht. "Zuerst sollte man die Haut gut reinigen. Dann kann man sie mit Dampf weich und geschmeidig machen, damit sich die Poren öffnen. Danach können einzelne Pickel mit zwei Taschentüchern über den sauberen Fingern ausgereinigt werden. Bitte trotzdem nur im Notfall Pickel ausdrücken!"

Wie sieht eine gute Pflegeroutine im Homeoffice also aus?

Eines vorweg: Wer sich in Quarantäne-Zeiten eine Extraportion Pflege gönnen will, sollte Maß halten: "Der gesunde Mittelweg ist auch hier der Beste. Überpflegen führt zu perioraler Dermatitis, einem Ausschlag, der von übermäßiger Pflege vor allem rund um Mund und Nase auftritt. Am besten ist es, man behält seine Pflegerituale genauso bei wie immer. Wer sich einmal pro Woche eine Maske gönnen will, kann das tun. Aber übertreiben sollte man es nicht.", so Ortlechner.

Gegen ein paar Pflege-Booster spricht aber nichts: "Gerade jetzt kann man hochwirksame Extrapflege einbauen. Z.B. Vitamin-C-Seren in der Früh und Retinol, also Vitamin A, am Abend. Gerade bei Retinol weiß man, dass die Haut bei vielen Menschen in den ersten Wochen mit Rötungen reagiert und eventuell sogar mehr Pickel sichtbar werden, weil Unterlagerungen an die Hautoberfläche transportiert werden. Wenn man aber ohnehin nicht ins Büro muss, kann man das wunderbar als Kur ausprobieren", so Ortlechner.

Dabei gilt: Sonnenschutz ist auch bei manchmal kurzen Spaziergängen im Freien Pflicht. "Auch in der Frühlingssonne kann man schon nach einer halben Stunde Pigmentflecken und Sonnenschäden davontragen. Die Ausrede, dass die Haut von Sonnencremes schlecht wird, ist total überholt. Hochwertige Produkte, z.B. aus der Apotheke, haben wunderbare Texturen und sind nicht komedogen, verstopfen also die Poren nicht." Auf Lichtschutz sollte man übrigens auch bei blauem Bildschirmlicht setzen, vor dem wir dank Laptop und Smartphone täglich bis zu zehn Stunden sitzen. "Es gibt Studien, die belegen, dass blaues Licht Pigmentstörungen verursachen kann", so die Expertin. Viele Produkte setzen deshalb auf 360°-Lichtschutz.

 

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