"Nirgends habe ich so schlimmen Rassismus erlebt wie in Salzburg"

Auswirkung der Flüchtlingskrise? Ein britischer Austauschstudent wurde so angefeindet, dass er nach 4 Wochen an der Universität Salzburg die Stadt verließ.

Rassismus ist in Österreichs Städten mittlerweile allgegenwärtig. Albert Amankona ist Brite und studiert an der University of London. Wie über 200.000 andere europäische Studenten jährlich, nahm er am europäischen Mobilitätsprogramm "Erasmus" teil, um ein Auslandssemester an der Universität Salzburg zu absolvieren. Wie die meisten Erasmus-Studenten wollte er eine neue Kultur und neue Menschen kennenlernen, eine neue Sprache lernen, sich für ein Semester in eine andere Gesellschaft eingliedern, um mit einem weiteren Horizont zurückzukehren.

Auch beim interkulturellen Austausch sind manche gleicher als gleich

Die meisten jungen Menschen schwärmen von ihrer Auslandserfahrung. Sie haben gelernt, dass man Gemeinschaft überall erfahren kann und profitieren jahrelang von den neuen Kontakten. Aber Albert ging in das von den Spannungen der Flüchtlingskrise geplagte Salzburg, und Albert sieht aus, als könnte er selbst Flüchtling sein. Mehrere Erlebnisse mit Alltagsrassismus ließen ihn zum Entschluss kommen, dass Salzburg wohl nicht der Ort für ihn sei und so reiste er nach 4 Wochen ab. Mit der traurigen Erkenntnis, dass weiße Menschen es einfach leichter haben.

Blicke, Sperren, Schreie... Alltagsrassismus in Salzburg

Albert erntete abfällige Blicke von Passanten, Fremde versperrten ihm den Weg mit der Frage, ob er denn angemeldet sei und drohten im Polizei. Als er am Telefon Englisch sprach, schrie eine Frau ihn an "Wir sind in Österreich, Deutsch sprechen! Deutsch sprechen! Deutsch sprechen!" und verfolgte ihn hysterisch. Keine der rund 15 anwesenden Personen an der Bushaltestellte, griff in die Situation ein. Alle schwiegen, als ob die Situation einfach nicht passieren würde.

Rassismus statt Hilfe als Image

Sein Blogpost zu dem Thema ist trauriger Beweis dafür, dass wir es nun endgütlig geschafft haben, uns mit Ungarn das konservativste und rassistischste Image Europas zuzulegen. Im Gegenteil zu 69 Prozent der Wiener und Wienerinnen, war der Rest der Welt auch nicht so erleichtert, als die FPÖ "nur" 30,8 Prozent bei der Gemeinderatswahl erreichte. Die New York Times spricht im Zusammenhang mit der hier akzeptierten Fremdenfeindlichkeit vom Schatten der Nazi-Ära. Die erregt mehr Aufmerksamkeit als die freiwilligen Helfer.

Albert Amankona hat sie am eigenen Leib erlebt. Er sagt, wer hier aussieht, als könnte er Flüchtling sein, wird als Bürger zweiter Klasse behandelt. Nicht alle Städte können so tolerant wie London sein, wenn es um unterschiedliche Hautfarben und Kulturen im Alltag geht, aber er ist schon viel gereist und wurde bis dato nirgends mit solch offenkundigem Rassismus konfrontiert. Albert macht es traurig, dass Europäer andere Europäer so schlecht behandeln, dass sie sich gezwungen fühlen, das Land zu verlassen. Noch trauriger macht es ihn, dass Menschen anderen nicht helfen, wenn sie es am dringendsten benötigen, nur aus dem Grund, dass sie anders sind. Seine Erfahrung sollte Aufruf an uns all sein, den immer größer werdenden Alltagsrassismus nicht stillschweigend hinzunehmen.

Hier geht's weiter zu unserem Interview mit Albert Amankona, über die Erwartungen an sein Auslandssemester, wie Österreich in Großbritannien wahrgenommen wird und ob er nochmals zurückkommen würde.

 

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