Niqab-Trägerin erklärt, warum sie sich verhüllen muss

Seit ihrem TV-Auftritt in "hart aber fair" ist sie berühmt. Monika, die Österreicherin schimpfte vollverschleiert über die drohende Diktatur durch ein Burka-Verbot. Mit WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas ließ sie sich jetzt auf einen differenzierten Dialog ein.

Komisch, kein Bild zu haben. Monika spricht wie eine Freundin, weil sie einen leichten oberösterreichischen Dialekt hat und ich dort in der Gegend aufgewachsen bin. Als ich die mit Niqab völlig verschleierte Frau in der TV-Talkshow "Hart aber fair" sehe, hab ich eine klassische Text-Bild-Schere im Kopf, denn die Frau sieht aus wie eine waschechte Araberin und aus ihr kommen harte, aber österreichische Worte. Ziemlich anklagend. Warum poltert sie so lautstark gegen ein mögliches Burka-Verbot? Die Reaktionen auf jene Frau, die zum Islam konvertiert ist, sind emotional, manche in der Talk-Runde wollen sie nicht einmal mehr ansehen. Das Ganze eskaliert und wird auch in der TV-Kritik ziemlich verrissen.
Mich fängt Monika aber zu interessieren an. Warum verhüllt sich eine Oberösterreicherin? Wieso geht es für sie bei uns Richtung Diktatur und warum will sie ihr Gesicht nicht mehr zeigen, wenn sie doch hier sogar sozialisiert wurde? Wir telefonieren erst nur informell. Nach der TV-Sendung und den harten Reaktionen will Monika sich nicht mehr öffentlich äußern. Doch schließlich stimmt sie doch zu, ich sichere ihr zu, dass es mir nicht darum geht, jemanden anzuprangern, sondern um Vielfalt in den Meinungen. Ich sage ihr aber auch, dass ich - persönlich - die Burka schlicht ablehne. Was folgt, ist ein ehrliches Gespräch über den Islam, die Rolle der Frau, Sexismus und wie ihre beiden Töchter die Entscheidung ihrer Mutter verkraften.

WIENERIN: Hallo Monika, darf ich per du sein?

Monika B.: Ja, sicher können wir das.

Ich heiße Barbara, du weißt wie ich aussehe, weil mein Foto mich unverhüllt zeigt. Was siehst du, wenn du mein Bild ansiehst?

Ich hab einen positiven Eindruck, sehe eine attraktive junge Frau mit Geschmack.

Oh, Dankeschön.

Ja, ich sehe es neutral und positiv, sage aber auch, dass man sich täuschen kann, wenn man nur das Bild bewertet. Oft ist nach 5 Minuten eines Gespräches das Bild völlig relativiert.

Ok, dann schauen wir mal, wie es uns beiden geht…

Du hast in der TV-Sendung „Hart aber fair“ (WDR) vom 12. September 2016 für viel Aufsehen gesorgt, weil du gemeint hast, dass der Niqab dir Sicherheit vor Anfeindungen gibt. Also: Seit dem du vollverschleiert bist, musst du dich nicht mehr als Landesverräterin beschimpfen lassen. Erzähl doch mal von solchen Angriffen?

Das war am Anfang meiner Konvertierung und damals war ich bereits 40 Jahre alt. Damals war mein Leben sozial komplett gefestigt, ich war in einem stabilen Umfeld. Hatte einen österreichischen Ehemann, lebte am Land, hatte Haus, Pool, Garten alles. Und als ich aus diesem Umfeld ausgestiegen bin haben das viele Menschen überhaupt nicht verstanden. Die Folge war oftmals Wut. Motto: Warum macht eine so einen Schritt? Und das noch dazu ohne Ausrede, ich war ja nicht mit einem Muslim verheiratet, sondern ich hab das ganz alleine gemacht. Und in den Köpfen der Menschen bin ich zum Feind geworden und noch mehr, weil es ja offensichtlich war, dass ich nicht von „da unten“, also keine Araberin, bin und Islam lebe dann wurde und wird das als Landesverrat erlebt. Und weil ich sehr europäisch aussehe, war das nicht zu übersehen. Die Reaktionen waren heftig, die Richtung klar: Du Ausländerhure. Dabei hatte ich anfangs das Kopftuch nach hinten gebunden, also eher Standard. Und ich wollte mir das dann nicht mehr geben. Und damals war es so, dass ein Gesichtsschleier geschützt hat. Mich auch, darum hab ich den dann genommen. Der Niqab hat die Menschen so irritiert, dass mich keiner mehr angesprochen hat. Und ich dachte mir: super! Aber heute geht das nicht mehr.

Burka-Verbot und Diktatur

Warum bist du denn überhaupt konvertiert?

Ich war immer gottgläubig, ich wollte mit 12 Jahren auch einmal ins Kloster gehen, hab mich sehr mit Regeln und Richtlinie für mein Leben beschäftigt und bin im katholischen Glauben nicht fündig geworden. Dann war ich eben nur gottgläubig und habe Religionen insgesamt abgelehnt, weil jede Religion von Menschen missbraucht wurde und wird. Aber zufrieden war ich nicht, weil ich keinen Sinn für das Leben fand. Ich hab ja quasi alles gehabt, eine Familie und ein gutes Leben, aber in mir war eben eine andere Sehnsucht noch. Auch mit den Fragen: Warum lebe ich denn, warum geht es mit so gut und anderswo sterben Menschen oder Kinder einfach so? Die nicht den Bonus haben. Wo liegt Sinn in dieser Ungerechtigkeit? Und damit bin ich nicht zurechtgekommen. Islam hat mir darauf Antworten gegeben.

Den Mann habe ich erst später gesucht

Gab es auch einen Mann zu dieser Richtungsänderung?

Nein, den habe ich mir erst später dazu gesucht. Mein damaliger Mann hat diese Veränderung nicht mehr nachvollziehen können. Das war sehr schmerzhaft und schlimm. Für ihn vor allem.

Habt ihr gemeinsame Kinder?

Ja, zwei Töchter.

Ok, ich würde auf deine Familie und deine Töchter gerne noch später eingehen, vielleicht gehen wir noch mal zurück zu dieser TV-Show. Du hast dort gesagt, dass ein Burka-Verbot für dich ein Schritt Richtung Diktatur wäre. Siehst du das wirklich so?

Ich hab gesagt, wir sind auf dem Weg dorthin. Wir kritisieren Regime, die anderen Menschen vorschreiben wie sie zu leben haben. Und wir entwickeln uns doch genauso. Wenn es um einen Bereich geht, wo ich mich nicht identifizieren muss, wenn ich mit niemanden sprechen will, dann verstehe ich nicht, warum ich keinen Gesichtsschleier tragen darf. Es gibt doch keinen Grund dafür. Das wäre so, als würde jemand allen Frauen vorschreiben sie müssten Hot-Pants tragen. Ob sie wollen oder nicht. Und wenn das bei uns passiert, dann entwickeln wir uns genau in die Richtung jener Länder, die wir so kritisieren.

Das sind alles verstecke Terroristen

Eine feministische österreichische Muslimin hat Beschimpfungen gegenüber Muslima via Facebook gesammelt. Tatsächlich kommt es nach ihren Recherchen vor allem nach Terrorangriffen verstärkt zu Übergriffen auf muslimische Frauen. Auffallend ist, dass auch hier nach dem IS-Verdacht die Vergewaltigungsfantasie mit Hure und Schlampe kommt. Hast du diese Erfahrung auch gemacht, dass sich nach Terroranschlägen die Übergriffe häufen?

Ja, das war bei mir auch so. Das letzte Jahr war extrem. Denn seit der großen Flüchtlingsbewegung rollt „der Islam“ in Richtung Europa. Und es entsteht eine seltsame Mischung aus Angst, das Gefühl „die wollen uns was wegnehmen“ „die wollen uns ihre Lebensweise aufdrängen“ und „das sind alles verstecket Terroristen“. Ich hab das Gefühl, dass das System in den Köpfen der Menschen außer Kontrolle geraten ist. Und deswegen sind die Beweggründe, warum eine Frau Kopftuch oder was auch immer trägt, egal. Es ist wurscht, auf gut Österreichisch. Viele interessieren sich nicht dafür.

Und findest du, dass muslimische Männer dieses Thema so nicht haben?

Ich denke da gibt’s keine Unterschiede zw. Muslimen und Nichtmuslimen, das ist individuell. Was mir nur auffällt ist, dass Frauen auch ganz stark dabei sind, wenn es darum geht, andere Frauen abzuwerten. Die springen ebenso auf den Zug auf.

Auf welchen Zug?

Frauen sagen dann auch plötzlich: Diese schiache Oide da. Es ist so im Bewusstsein drinnen. Frauen übernehmen die Sprache der Männer und das sollte man nicht verleugnen. Wenn es um Abwertung geht werden Frauen plötzlich „hässlich“ betitelt.

Ich kaufe online und trage High Heels zu Hause

Kommen wir zur Mode: Du hast vor sieben Jahren entschieden, zum Islam zu konvertieren – und natürlich auch, dich nach den Regeln des Islam zu kleiden. Wie hat sich dein Leben und dein Zugang zu Kleidung seither verändert?

Eigentlich gar nicht so großartig. Wenn ich rausgehe, bedecke ich mich. Und dabei verziere ich mich nicht, also es gibt keinen Design-Anspruch bei Hijab~ (Ganzkörperbedeckung) für mich. Daher ist muslimische Fashion auch nicht mein Ding. Die Bedeckung neutralisiert mich. Ich möchte dabei aber nicht hässlich wirken, würde also kein kariertes Kopftuch nehmen und dazu vielleicht ein gepunktetes Longshirt drüber.


Kaufst du online ein oder analog?

Also alle muslimischen Kleider kaufe ich online, denn die gibt es so ja oft nicht zu kaufen, man braucht aber eh nicht so viele. Die lange petrolfarbene Overheadabaya wie man es in „Hart aber Fair“ auch gesehen hat, ist eines meiner Hauptkleidungsstücke, da bin ich in einer Minute angezogen. Ich hab aber auch ein paar andere bunte Kleider. Wenn ich lila anziehe, schreien mir Kinder nach „lila Fledermaus“, aber das finde ich echt lustig. Ich will den Menschen durch schwarze Kleidung keine Angst machen

Es gibt gerade einen Modetrend, der heißt modest fashion. Kurz zusammengefasst ist es ein Trend, der wieder mehr verhüllt als er zeigt. Also weniger Dekollete und Röcke, die über das Knie gehen. Verfolgst du solche Trends?

Mode interessiert mich nicht so sehr, hat mich auch früher nicht so interessiert. Damals war mein Stil auch eher zeitlos sportlich - elegant. Ich finde den Trend jetzt sehr skurril, aber es ist auch logisch. Denn wenn man die Frau so lange auszieht bis sie nichts mehr anhat muss man sie wieder anziehen, damit es spannend bleibt. Dann werden alle wieder neugierig auf Körperformen und dann kann man wieder anfangen sie auszuziehen. Nur das Timing jetzt ist halt beeindruckend.

Der Muslimin kann es egal sein, wenn eine Frau sexy Hot-Pants trägt

Wie bewertest du die Überlappung aus mehr muslimischen Frauen im heimischen Straßenbild und dem Trend, Frauen wieder mehr anzuziehen?

Ist eh blöd das Timing, es soll sich bitte keiner genötigt fühlen. Frauen, die Hot-Pants tragen wollen, sollen das tun. Egal, ob eine Muslimin neben ihr auf der Straße geht. Der Muslimin kann es egal sein. Und umgekehrt genauso.

Stört es dich, wenn eine sexy Frau neben dir auf der Straße geht?

Nein, gar nicht, es gibt auch keinen Grund für Frauen nicht zu tun. Eine andere Frage ist aber, ob es so gescheit ist, es zu tun und sich dann zu beschweren, wenn Frauen angegriffen werden.

Aber das kann ja keine Rechtfertigung sein, oder?

Nein, ist es auch nicht, aber es ist auch nicht gescheit einem Esel eine Karotte vor die Nase zu hängen, ironisch gesprochen. Aber es soll die Entscheidung jeder Frau selbst sein und ich würde sie verteidigen, sollte jemand versuchen so eine Frau anzuziehen. Das verstehe ich unter Selbstbestimmung.

Muslimischen Frauen wird unterstellt, dass sie weniger selbstbestimmt seien als christliche Frauen. Wie zeigt sich deine Selbstbestimmung im Alltag?

Ich hab mich in meiner Selbstbestimmung nicht sehr verändert, ich war immer schon sehr selbstbestimmt. Und dadurch dass Islam meine Lebensführung ist, baue ich sie darum herum. Wenn mein Mann das nicht mittragen würde, müsste ich ihn“ mittelfristig sicher austauschen“ überspitzt gesagt. Man hat sonst kein gemeinsames Ziel mehr Ich hab ja bewusst nach einem Ehemann gesucht, der Islam praktiziert. Ich hatte einen, dem war es egal ob ich Kopftuch trage oder nicht, das war für mich nicht die passende Einstellung, denn ich habe mir dezitiert einen Mann gesucht, dem wichtig ist, dass ich Hijab trage. Ich bin völlig selbstbestimmt und ich streite auch mit meinem Mann wenn er mir irgendwelche islamischen Vorschriften nennt, die ich ihm dann im Koran widerlegen kann. Immer unter den Gesichtspunkten des Islam.

Habt ihr auch gemeinsame Kinder?

Nein.

Welchen Beruf hast du?

Ich bin Diplomkrankenschwester, arbeite aber nicht in diesem Beruf, sondern arbeite online von zu Hause aus. Meinen Job als Krankenschwester habe ich in Österreich, als ich konvertiert bin, verloren. Ich hatte die Verantwortung für 50 Mitarbeiter, aber das Kopftuch – und damals wollte ich ja nur Kopftuch tragen – war zu viel.

Zu welchen Anlässen machst du dich schön und wie äußert sich das?

Mich selbst schön zu finden, das ist für mich immer ein Thema. Ich versuche aber dankbarer damit umzugehen, was ich sowieso habe und nicht unzufrieden mit mir selbst zu sein. Aber ich überlege jeden Tag was ich anziehe, ich schminke mich auch jeden Tag. Ich ziehe meine High Heels eben zu Hause an. Ich lebe also mein Leben zu Hause so, wie ich es früher außerhalb des Hauses hatte.

Ist es manchmal auch mühsam, sich etwa im Sommer zu verhüllen wenn es heiß ist?

Ja, ist es und es nervt mich dann auch öfter. Es fällt auch schwer, aber ich weiß, warum ich es tue. Ich will Islam bewusst leben , das gehört für mich dazu. Es war meine persönliche Entscheidung. Und es gibt auch weniger heiße Umhänge, die Overhead-Abayas, weil die so luftig sind, sie liegen am Kopf nicht eng an. Dann gibt es auch noch unterschiedliche Stoffstärken.

Im Sommer gab es in Europa eine hitzige Diskussion zum Thema Burkini, also einem Schwimmdress. Zum Höhepunkt der Diskussion wurde eine Muslimin am Strand von Nizza sogar gezwungen sich auszuziehen. Was hast du dir damals gedacht?

Spontan habe ich mir gedacht: Wenn das so weitergeht, dann möchte ich in diesem Land nicht mehr leben. Ich hab auch nicht verstanden, warum sich Frauen in Bikinis von Frauen in Burkinis abgewertet gefühlt haben. Aber es gibt ja viele Gründe, sich mehr anzuziehen in der Sonne. Die Haut, die Sonne, den ästhetischen Druck, dem manche Frauen vielleicht gerne ein bisschen ausweichen würden. Und ich hab das echt nicht verstanden. Freiheit in Europa wird damit gleichgesetzt, wie weit sich Frauen ausziehen können. Das läuft unter Emanzipation. Das kann doch nicht alles sein.

Der Niqab verdeckt dein Gesicht, aber wenn du auf eine Bank oder eine Behörde gehst, nimmst du ihn ab und hast ja auch kein Problem damit. Was symbolisiert der Niqab eigentlich für dich?

Niqab hat mir ursprünglich Freiheit und Schutz gegeben, die zweite Variante war, dass man sich im Islam neutral dem anderen Geschlecht verhalten soll und das hat mir der Niqab ermöglicht. Und in der Kommunikation mit Männern kam es davor oft zu Missverständnissen, die mit dem Niqab kein Thema mehr waren.

Wodurch kam es zu Missverständnissen?

Durch meine Mimik zum Beispiel. Aber derzeit macht Niqab für mich keinen Sinn mehr, ich möchte anderen Menschen nicht so Angst machen und ich möchte mich selbst auch nicht so zur Zielscheibe machen. Und derzeit verträgt es die Gesellschaft nicht. Ich möchte es meiner Umwelt auch nicht mehr antun, ich will die Menschen nicht mehr erstarren lassen, wenn ich in die Straßenbahn einsteige. Ich sehe es nicht als Pflicht und so trage ich Niqab derzeit nicht mehr.

In der Burka-Debatte ist immer von Anpassung/Integration und Toleranz die Rede. Sag mal ganz ehrlich: Was bedeutet Integration für dein Leben?

Für mich nichts, sich bin integriert.

Und was verbindest du mit Anpassung?

Anpassen heißt mit der Masse gehen und nicht auffallen.

Du kommst ursprünglich aus Oberösterreich, deine Sprachmelodie klingt ganz vertraut. Wie geht es dir denn zwischen muslimischer Ehe und deiner alten Familie?

Es ist nicht einfach für beide Seiten.

Weil?

Weil das für meine Familie ein enormer Wandel war und für meine Eltern war und ist es extrem schwer. Sie meinen heute, ich sollte mich von dem Glauben abwenden, weil er so missbraucht wird und mich endlich besinnen. Für meine beiden Töchter war mein Schritt natürlich auch hart, sie waren damals in der Pubertät, ich bin als Vorbild einfach weggefallen.

Wie geht es dir heute mit ihnen?

Inzwischen haben sich alle damit arrangiert, mir tut es immer noch ziemlich weh wenn ich sehe wie sie drunter leiden, es ist sehr schwierig. Ich bemühe mich maximal, aber ich weiß, dass es ihnen schwer fällt. Die Große blendet das Ganze eher aus und die Kleine arrangiert sich gut damit. Aber die soziale Ächtung betrifft in gewisser Weise auch sie leider.

Wie alt sind deine Töchter heute?

Anfang und Mitte Zwanzig. Dass es Mädchen sind, kam natürlich erschwerend dazu.

Welches Frauenbild vermittelst du deinen Kindern?

Ein selbstbestimmtes.

Beschäftigen sich deine Töchter mit Glaube und Religion?

Die Große lebt in Oberösterreich, sie ist zu ihrem Freund gezogen und lebt dort Religion, wie man das am Land halt so lebt. Sie geht in die Kirche wenn die anderen gehen und so. Und die Kleine forscht schon ein bisschen, und sieht sich viele Religionen an, definiert sich aber noch nicht.

Was sagt dein Mann eigentlich dazu, dass du Interviews zum Thema Verhüllung gibst?

Er versteht nicht, warum ich hier so viel Energie reinstecke, aber es ist meine Sache und fertig. Ich war eigentlich ganz erstaunt, denn ich weiß nicht, ob es so viele europäische Männer geben würde, die so offen sind, wenn ihre Frau Interviews gibt. Ich hab das nicht so erwartet.

Anmerkung: Ein paar Stunden nach unserem Gespräch schickt mir Monika doch noch ein Foto von sich selbst. Nicht um es zu veröffentlichen, nur für mich. Was ich sehe, hätte ich aber niemals mit jener Frau unter dem Niqab in Verbindung gebracht. So offen, so strahlend, so schön. Und auch wenn ich akzeptiere, dass die neue Religion für Monika vorsieht, sich zu "neutralisieren", wie sie es nennt, zeigt mir das Foto und was es in mir auslöst, dass Menschen einfach soziale Wesen sind, die all ihre Sinne für ein tolerantes Miteinander brauchen.

[Dieser Artikel erschien im Rahmen der neuen WIENERIN Kampagne: "Reizwäsche. Ist verhüllt das neue sexy?"]

 

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