"Niemand wird einen Unterschied merken“: Julia Roberts sollte afroamerikanische Fluchthelferin Harriet Tubman spielen

Der Drehbuchautor des neuen Films über Harriet Tubman verriet nun, dass Julia Roberts tatsächlich im Rennen für die Rolle der Schwarzen Fluchthelferin war.

Julia Roberts

Okay, okay, Moment mal….das kann doch nur ein Scherz sein, oder??Harriet Tubman war und ist eine der wichtigsten Figuren der afroamerikanischen Geschichte – dank ihrer Hilfe gelang es rund 300 Sklav*innen aus den amerikanischen Südstaaten über die Underground Railroad in den Norden zu fliehen. Eine derart prägende, Schwarze, historische Persönlichkeit von einer Weißen Schauspielerin spielen zu lassen wäre...höchst problematisch, um es milde auszudrücken.

Diskriminierendes Casting

Drehbuchautor und Produzent des Films Gregory Allen Howard berichtete nun im Zuge der Promotion-Interviews von "Harriet“, welche Gespräche sich zugetragen hatten, als der Film vor rund 25 Jahren in Planung ging. So hörte er Studiochefs über mögliche Castingoptionen diskutieren, wobei unter anderem der Satz fiel: "Das Skript ist fantastisch. Versuchen wir doch, Julia Roberts als Harriet Tubman zu bekommen“.

Als der einzig afroamerikanische Produzent im Raum anmerkte, dass Roberts unmöglich die Rolle der…ähem…Schwarzen Fluchthelferin übernehmen könne, hieß es laut Howard "Es ist so lange her. Niemand wird einen Unterschied merken“.

via GIPHY

Shitstorm vorprogrammiert

Als bekannt wurde, dass ernsthaft Julia Roberts im Rennen für die Rolle Tubmans war, reagierte das Internet empört und belustigt:

Klassischer Fall von Whitewashing

Die Kritik hat natürlich nichts mit Julia Roberts an sich zu tun. Viel mehr geht es darum, dass Whitewashing ein ernstzunehmendes Problem der Filmindustrie darstellt, wobei Weiße Schauspieler*innen für historische nicht-Weiße Charakterrollen gecastet werden. Ein kurzer Blick in die Filmgeschichte: Laurence Olivier als Othello, Mickey Rooney als japanischer Nachbar in Breakfast at Tiffany‘s oder Jake Gyllenhaal als Prince of Persia sind nur ein paar Beispiele einer langen Reihe höchst fragwürdige Casting-Entscheidungen.

Durch Whitewashing werden nicht nur Schauspieler*innen of Color die ohnehin wenigen Rollen, die ihnen zur Verfügung stehen, weggenommen (sodass es zu Debakeln wie #OscarsSoWhite kommen kann), die rassistische Praxis sorgt auch dafür, dass People of Color sich nie im Film repräsentiert sehen, die Bedeutung der historischen Charaktere heruntergespielt wird und Personen of Color gewissermaßen aus der Geschichte "gelöscht" werden.

Also liebe Filmindustrie: Bitte lasst's doch diese rassistische Scheiße in Zukunft einfach bleiben. Es gibt mehr als genug qualifizierte Schauspieler*innen of Color, die den Job vermutlich besser machen. Qualifizierte Personen zugunsten namhafter Weißer Schauspieler*innen zu übergehen, kann's ja wohl echt nicht sein.

Der Historienfilm "Harriet“ über die berühmte afroamerikanische Fluchthelferin mit Cynthia Erivo in der Hauptrolle ist ab 23.04.2020 in den österreichischen Kinos zu sehen.

 

Aktuell