"Niemand mag mich!" Was tun, wenn mein Kind keine FreundInnen findet?

Auch wenn im ersten Moment das Herz bricht: Eltern können ihr Kind in solchen frustrierenden Situationen gut unterstützen.

einsames kind sitzt am boden

Wie geht man als Elternteil damit um, wenn das eigene Kind nach Hause kommt und sagt, dass es niemand unter den SchulkollegInnen leiden kann?

Im ersten Moment ist man wahrscheinlich versucht, mit einem "Na geh, das stimmt doch nicht! Was ist mit dem Felix? Oder der Anna? Die sind doch deine Freunde!" zu reagieren - abwiegeln und versichern, dass das doch gar nicht stimmt. Was laut einem Artikel von Psychology Today ziemlich sicher dazu führt, dass das Kind noch stärker darauf beharrt, keine Freunde zu haben und zu finden. Oder Eltern fühlen sich einfach nur hilflos, während ihnen das Herz bricht.

Glücklicherweise gibt es aber ein paar Tipps im Umgang mit solchen Situationen.

Die beste Reaktion: Empathie

Erwachsene tendieren dazu, Probleme lösen zu wollen. Manchmal ist aber das reine Zuhören der wichtigste Schritt und die beste Unterstützung für unsere Kinder. Das gelingt etwa, indem man ihre Gefühle anerkennt mit einem "Klingt, als hättest du einen harten Tage gehabt" oder "Du wirkst verärgert über etwas". Wenn ein Kind erzählt, was genau passiert ist, hilft ein "Das hat dich verletzt, als er/sie das gesagt hat" oder "Wie blöd!" als Antwort, um zu zeigen, dass man das Problem versteht.
Genauso kann die Frage "Möchtest du eine Umarmung?" den Stress mildern - ein extra an Liebe kann in einer frustrierenden Situation trösten.

Nicht überreagieren

Es ist zweifellos hart, wenn man dabei zusehen muss, wie die eigenen Kinder verletzt werden. Was hilft: Im Hinterkopf behalten, dass die Gefühle von Kindern morgen schon ganz anders aussehen können. Das Kind, das heute noch total blöd ist, kann morgen schon der oder die beste Freundin sein. Die Wuttränen über den Streit können morgen schon vergessen sein.
Denn: Kindern fehlt die Perspektive. Sie haben schlicht noch nicht lange genug gelebt, um Dinge in einen größeren Kontext setzen zu können. Das heißt nicht, dass der akute Stress nicht seine Berechtigung hat oder nicht ernst genommen werden muss, aber ein Vorfall, der sich im Moment wie das Ende der Welt anfühlt, ist es tatsächlich einfach nicht.

Wenn ein anderes Kind aus der Klasse gemein war, hilft es nicht, als rettender Elternengel einzuschreiten, indem man das Kind direkt anspricht oder dessen Eltern konfrontiert. Elterlicher Beschützerinstinkt ist verständlich, der Konflikt muss deshalb aber nicht auf Elternebene ausgetragen werden - ausgenommen natürlich, die körperliche Gesundheit ist in realer Gefahr oder es handelt sich um tatsächliches Mobbing. In allen anderen Fällen ist es am besten, den Kindern die Chance zu geben, Unstimmigkeiten selbst zu lösen.

Dazu kommt folgender Punkt: Wenn Eltern als Reaktion sichtbar wütend werden, macht es das Problem noch größer. Wenn sogar Mama oder Papa sich aufregen, muss es ja schlimmer sein als gedacht! Hier geht es um das Erlernen oben erwähnter Perspektive, das in Relation setzen von Problemen.

Nächster Schritt: Mehr Information einholen

Wenn das Freundschaftsproblem länger besteht, braucht's ein Hinterfragen - die bisherige Schilderung mag nicht komplett gewesen sein. Denn das Kind kann seine eigene Rolle in sozialen Konstrukten noch nicht vollständig einordnen. Ein Beispiel: Das Kind erzählt, dass ein anderes ihn oder sie vom Sessel gestoßen hat. Die Tatsache, dass dieses Kind vorher drei Mal gefragt hat, ob es rüberrutschen kann, hat bisher in der Geschichte gefehlt.

Die Hilfe des Lehrkörpers kann dabei unterstützen. Der oder die Lehrerin sieht die Kinder täglich in der Interaktion miteinander.

Erklären und Rüstzeug mitgeben

Wenn man einmal verstanden hat, was für das eigene Kind ein Problem sein könnte, helfen ihm oder ihr bestimmt ein paar Tipps von Mama oder Papa, zum Beispiel durch Rollenspiele. So findet das Kind eigene Wege, um mit bisher frustrierenden Situationen umgehen zu können - bevor sie entstehen.

Vielleicht ist es auch nötig, ein bisschen zu lenken: Nicht jeder wird das eigene Kind mögen, das ist die menschliche Natur und geht Erwachsenen ja nicht anders. Trotzdem ist es im sozialen Gefüge einer Klasse oft ein bestimmtes Kind, mit dem alle anderen befreundet sein wollen - auch das eigene. Während vielleicht andere Kinder, mit denen es mehr Gemeinsamkeiten gibt, übersehen werden.

Platz schaffen, damit Freundschaften wachsen können

Eltern können nicht stellvertretend für ihr Kind Freundschaften schließen. Aber sie können Ort und Zeit schaffen, um Freundschaften entstehen zu lassen. Kinder werden FreundInnen, indem sie gemeinsam etwas unternehmen, sprich: Neue Dinge ausprobieren, bei denen man andere Kinder trifft, Kinder aus der Schule nach Möglichkeit nach Hause einladen oder ein gemeinsames Picknick auf dem Spielplatz initiieren.

 

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