Niemand kriegt Autismus wegen der Masern-Impfung

Big Data hat es (nochmal) bewiesen: Die Masern-Impfung löst keinen Autismus aus. Echt nicht.

Eine neue Langzeigtstudie bestätigt, was in der wissenschaftlichen Community ohnehin weitestgehend akzeptiert ist: Es gibt keinen feststellbaren Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung (die vor Masern, Mumps und Röteln schützt) und Autismus-Spektrum-Störungen. Über einen Zeitraum von zehn Jahren dokumentierten und analysierten ForscherInnen die Entwicklung von 657.461 Kindern in Dänemark, die zwischen 1999 und 2010 zur Welt kamen - mit dem eindeutigen Ergebnis, "dass die MMR-Impfung das Autismus-Risiko nicht erhöht, auch bei empfänglichen Kindern keinen Autismus auslöst und in keinem Zusammenhang mit Autismus-Spektrum-Störungen-Diagnosen nach einer Impfung steht."

Neue Studie findet keinen Zusammenhang zwischen Autismus und der Masern-Impfung

31.619 der mehr als 600.000 Kinder waren nicht geimpft. Im Zeitraum der Studie erhielten 6.517 Kinder die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung. Aber: Die Diagnosen verteilten sich proportional gleichmäßig auf die Gruppen der geimpften und der nicht geimpften Kinder. Das bestätigt auch die Ergebnisse einer Vorgänger-Studie aus 2002, in der die Entwicklung 537.303 dänischer Kinder untersucht worden war - und die ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen einer Autismus-Spektrum-Störung und der MMR-Impfung feststellen konnte.

Immer mehr Eltern sind bei Impfungen skeptisch

Trotzdem entscheiden sich immer mehr Mütter und Väter gegen eine Impfung ihrer Kinder. Besonders die Masernimpfung hat es ImpfgegnerInnen und -skeptikerInnen angetan - oder eben nicht angetan. Viele Argumente gegen die Impfung stützen sich auf die These des britischen Arztes Andrew Wakefield, der 1998 verkündete, die Kombi-Impfung MMR könne Autismus auslösen. Seine These war schnell widerlegt: die wissenschaftlichen Methoden seiner Untersuchungen waren nicht sauber und nachvollziehbar, seine Stichprobe viel zu klein. Wakefield verlor 2010 seine Zulassung. Das Gerücht aber blieb haften, die Masernimpfung ist seitdem in Verruf. Das hat Konsequenzen. Seit ein paar Jahren steigt die Zahl der Masernerkrankungen in Ländern mit eigentlich hohen medizinischen Standards. Bis Anfang März gab es 2019 auch in Österreich bereits 58 Fälle. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2018 waren es 78 Fälle. Von 2016 auf 2017 hat sich die Zahl der Masernfälle überhaupt verdreifacht, nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Die WHO warnt vor einer rasant steigenden Zahl der Masern-Infektionen.

Neue Masern-Studie soll Eltern beruhigen - mit verlässlichen Zahlen

Der Studienleiter der aktuellen Studie, aus Dänemark, Dr. Anders Hviid, sieht die Entwicklung kritisch: "US-amerikanische ForscherInnen haben berechnet, dass sich die Anzahl der Masernfälle schon bei einer 5-Prozent geringeren Durchimpfungsrate verdreifacht. Das bedeutet u.a. enorme Zusatzkosten für das Gesundheitssystem. Einer der Hauptgründe für die Impfskepsis bei Eltern ist der vermeintliche Zusammenhang mit Autismus." Die Ergebnisse seiner Studie seien nicht nur eine Beruhigung für Eltern, sondern lieferten auch verlässliche Daten, die einen Zusammenhang zwischen Autismus und der MMR-Impfung ausschließen können.

Ohne Informationen durch verantwortliche ÄrztInnen wird das aber nicht gehen. "Es ist schwierig, einen Mythos zu entzaubern", sagt Dr. Sean O'Leary in der New York Times. Wird der Mythos wiederholt, bestehe das Risiko, ihn nur weiter zu festigen. "Alles, woran sich Eltern nach deiner komplizierten Erklärung, warum Impfungen keinen Autismus auslösen, erinnern, ist, dass das irgendwie zusammenhängt. KinderärztInnen sollten sich darauf konzentrieren, welche Krankheiten wir verhindern können - und wenn sie einen Mythos ansprechen, müssen sie ihn auch als solchen benennen." O'Leary empfiehlt ÄrztInnen auch, weiterführende Informationen für interessierte Eltern parat zu haben. Denn: "Für Eltern kann es oft schwer sein zu erkennen, was wahr ist und was nicht."

Masern sind eine hoch ansteckende und potenziell lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die vor allem Kinder betrifft. Neben den typischen roten Hautflecken leiden Erkrankte an Fieber und sind erheblich geschwächt. In manchen Fällen können lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen auftreten. Weltweit herrscht aktuell eine erhöhte Masernaktivität.

Ausreichender Schutz gegen Masern besteht nach 2 Impfungen, fehlende Impfungen können in jedem Lebensalter nachgeholt werden. In Österreich ist der Impfstoff für Kinder und Erwachsene an öffentlichen Impfstellen kostenfrei.

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