Niederländische Universität stellt fünf Jahre lang nur Frauen ein

Andere plagen sich mit 50-Prozent-Quoten, die Technische Universität Eindhoven geht noch einen Schritt weiter: Mit 1. Juli 2019 führte sie die 100-Prozent-Frauenquote ein. In den nächsten Jahren sollen freie Stellen nur für Frauen ausgeschrieben werden.

Frau arbeitet am Laptop, neben ihr ein Roboter

Für die kommenden fünf Jahre hat Rektor Frank Baaijens einen klaren Vorstoß formuliert: In den ersten sechs Monaten einer Ausschreibung will die niederländische Uni ausschließlich Bewerbungen von Frauen berücksichtigen. Damit reagiert Baaijens auf die niedrige Frauenquote: Bisher hat die Uni mit 15 Prozent Professorinnen den niedrigsten Frauenanteil in den Niederlanden. Mit dem neuen Programm will man innerhalb von fünf Jahren den Anteil auf 35 Prozent erhöhen.

Die Stellen werden dabei nicht generell für Männer gesperrt, man lege "die Bewerbungen von Frauen ganz oben auf den Stapel", erklärt Baaijens gegenüber dem Fachjournal Nature. Findet sich im ersten halben Jahr nach Ausschreibung keine qualifizierte Wissenschafterin, werden auch Bewerber berücksichtigt.

Frühere, "sanfte" Maßnahmen zur Förderung von Frauen zeigten wenig Erfolg

Die drastische Maßnahme ist das Resultat früherer Förderprogramme, die nur sehr langsam oder wenig Erfolge zeigten: Ausschüsse suchten aktiv nach weiblichen Mitgliedern, das wissenschaftliche Personal wurde darin geschult, implizite geschlechtsspezifische Tendenzen und Voreingenommenheit zu erkennen.

Die positiven Reaktionen auf das neue Programm, das Evangelina Demerouti, zuständig für Diversität an der TU Eindhoven, entwickelte, würden überwiegen, auch wenn die negativen etwas lauter seien - Demerouti müsse das Programm immer wieder erklären und rechtfertigen. Nach den ersten 18 Monaten wird eine erste Evaluierung zeigen, wie sich die 100-Prozent-Quote auswirkt.

Bevor die ersten Ergebnisse auf dem Tisch liegen, ist in jedem Fall eines klar, wie es Denise Ott auf editionf.com formuliert: "Die TU gibt einen Impuls, über den hoffentlich viele nachdenken werden: Wofür stehen wir als Unternehmen? Wo haben wir noch blinde Flecken? [...] Mit ihrer 100-Prozent-Quote seztt die TU ein starkes Zeichen, wie das funktionieren kann. Nämlich indem man handelt, statt nur zu reden."

 

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