Nicht leiden, verkleiden: Ein Plädoyer für den Fasching

Lei, lei! Seit wann ist es cool, sich an Halloween in Monster zu verwandeln und Mottopartys zu schmeißen, aber total bescheuert, ein Faschingskostüm anzuziehen? Kolumnistin Andrea Burchhart sucht nach Antworten.

Eine Blitzumfrage im Freundeskreis bestätigt meine These: Die Wienerinnen und Wiener haben ein zwiegespaltenes Verhältnis zum Thema Kostümierung. Die Bandbreite geht zwar von "Voll cool, ich liiiiiiiebe es!" bis zu "Bitte komm mir ja nicht mit dem Schas!", die meisten sind aber -typisch österreichisch - weder total pro noch voll kontra. Mottoparty ist okay, Halloween geht auch, aber sich wegen Fasching verkleiden? Nope! Da bin ich keine Ausnahme. Nur wenn alle mitmachen, dann mag ich. Ich habe mich auch schon im Bananenkostüm zum Narren gemacht. Gut, das war an Weiberfastnacht in Köln -da fällt nur negativ auf, wer normal gekleidet ist.

Schmähstadt

Im Gedrängel habe ich andere Bananen getroffen. Sehr, sehr schöne Begegnungen waren das, wirklich! Auch jener Abend, an dem ich mit meiner damals besten Freundin als Nimm 2 verkleidet -sie Zitrone, ich Orange -beim Faschingsclubbing auftrickste, konnte als extrem erfolgreich verbucht werden: Beide geschmust -nicht miteinander.

Dress to impress

Kostümierungen machen etwas mit einem. Man schlüpft in eine ungewohnte Rolle. Bewegt sich eine Zeit lang in einer anderen Welt. Ist plötzlich frecher oder zurückhaltender. Der Vorteil im Fasching: Man kann selbst entscheiden, was oder wer man sein möchte. (Da fällt mir auf: Ich sollte vielleicht mal mit einem Profi über meine Früchte-Affinität sprechen!) Anders ist das bei Halloween-und Mottopartys mit vorgegebenem Dresscode.

Vielleicht ist das der Grund, warum wir die nicht ganz so arg blöd finden? Man hält sich an Kleidungsvorschriften und ist damit nicht mehr allein für das Ausmaß an Peinlich-, Verrückt-oder Verruchtheit verantwortlich! Auch wenn ich dem Verkleiden nicht komplett abgeneigt bin, stressen mich Einladungen zu solchen Feiern. "Dress to impress","80er-Jahre","Whores and hookers" - adäquate Kleidung findet sich in meinem Kasten erst auf den zweiten oder dritten Blick beziehungsweise bedarf es Ausborg-, Kauf-oder Bastelaktionen, um das Motto zu erfüllen. Als guter Gast versucht man das aber. Derlei Events zu besuchen und sich dann auf Kosten der anderen zu amüsieren und selbst den "Das ist mir zu kindisch, habe Besseres zu tun"-Macker raushängen zu lassen ist nämlich echt unfair. Je länger ich darüber nachdenke, desto größer wird mein Wunsch nach einer Faschingsparty. Ich müsste einfach nur ein Motto ausrufen!"Obstsalat" könnte klappen. Und für Verkleidungsmuffel tut's auch ein roter Kirschmund!

MAKE FASCHING GREAT! Die besten Kostüm-Shops

»ED. WITTE ZAUBERKLINGL. Verkauft seit 150 Jahren Kostüme, Deko und Scherzartikel (Linke Wienzeile 16).

»FASCHINGSPRINZ. Auf der Suche nach SuperheldInnen, Tieren und Co? Hier gibt's ganzjährig Abhilfe (Taborstraße 11b)!

»LAMBERT HOFER. Mehr als 100.000 Kostüme können ausgeliehen werden (Simmeringer Hauptstraße 28). Anmeldung!

»ART FOR ART. Größter Verleiher mit 250.000 Komplettkostümen. Voranmeldung erforderlich (Montleartstraße 8).

Aktuell