Neues Verhütungsgel für Männer wird 2018 getestet

"Die Pille für den Mann" wird wohl ein hormonelles Gel sein. Das Verhütungsmittel soll die Spermienproduktion stoppen.

Verhütung ist Frauensache. "Die Pille für den Mann" oder ein anders, hormonelles Verhütungsmittel, das zur Abwechslung vom männlichen Sexualpartner angewandt wird, gibt es bislang nicht. Bald könnte sich das aber ändern: 2018 startet die bislang größte und vielversprechendste klinische Studie zu einem hormonellen Verhütungsmittel für Männer in den USA.

Wissenschafter des National Institute of Child Health and Human Development haben ein Gel entwickelt, das die Spermienproduktion kurzzeitig aufhalten soll. Mehr als 400 Paare von überall auf der Welt werden mit April 2018 an der Studie teilnehmen, wie das MagazinMIT Technology Review berichtet.

Ein Verhütungsgel für (männliche) Schultern

Das Gel wird übrigens nicht am Penis selbst angewandt. Ein halber Teelöffel des Verhütungsgels wird täglich auf den Oberarmen und Schultern verteilt. Im Gel sind die Hormone Testosteron und Progestin(ein synthetische Version des Sexualhormons Progesteron, wie es auch in hormonellen Verhütungsmitteln für Frauen verwendet wird). Das Progestin hemmt die Testosteronproduktion in den Hoden und verhindert so die Spermienproduktion. Das Testosteron im Gel soll den Hormonhaushalt im Gleichgewicht halten. Theoretisch kann die Spermienproduktion mit dem Gel bis zu 72 Stunden unterdrückt werden.

"Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Gel wirken wird, tägliche und korrekte Anwendung vorausgesetzt", sagt Studienleiterin Dr. Stephanie Page der MIT Technology Review.

Hormonelle Verhütung für Männer

2012 wurden bereits zwei Vorläufer des Gels in einer sechsmonatigen Studie gestestet, das Spermienvorkommen konnte temporär um 89% reduziert werden. Die Nebenwirkungen waren minimal. Bei einer Studie an Rhesusaffen in 2017 konnte eine Wirksamkeit von 100 Prozent erreicht werden, allerdings mit einer völlig anderen Methode, bei der die Samenleiter blockiert wurden.

Ob nach einer klinischen Studie, unabhängig vom Erfolg, auch tatsächlich ein Medikament auf den Markt kommt, ist eine andere Sache. Die Entwicklung von Verhütungsmitteln für den Mann läuft aus wissenschaftlichen und vor allem sozialen Gründen nur schleppend an. Eine Studie ergab 2010 etwa, dass lediglich 25 Prozent der Männer ein hormonelles Verhütungsmittel verwenden würden.

In einer anderen Studie aus 2016 litten 20 der 320 Testpersonen unter starken Nebenwirkungen, wie Depression und Stimmungssschwankungen, Akne, Muskelschmerz und erhöhter Libido. Außerdem gab es in einem Fall Unregelmäßigkeiten beim Puls. Die Studie wurde wegen zu hoher Risiken abgebrochen. Währenddessen haben hormonelle Verhütungsmittel für Frauen bekannte Nebenwirkungen wie, unter anderem, Thrombose, Depression und Stimmungsschwankungen, Libidoverlust und Kopfschmerzen/Migräne.

Ein so einfach anzuwendendes Verhütungsmittel, wie das neu entwickelte Gel, könnte sich als langerwartetes und sinnvolles Produkt herausstellen.

ForscherInnen arbeiten inzwischen an einem hormonfreien Verhütungsmittel für Frauen UND Männer:

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