Neues Magazin für Gründerinnen

Viele Frauen schrecken davor zurück ein Unternehmen zu gründen. Ein neues Online-Magazin will junge Frauen ermutigen, Unternehmertum als Karrieremöglichkeit in Betracht zu ziehen. Gründerin Kathrin Folkendt im Interview.

Mit einem neuen Online-Magazin will Gründerin und Start up-Aficionada Kathrin Folkendt Frauen in der Gründerszene zu mehr Sichbarkeit verhelfen. Der Name 12 Percent bezieht sich dabei auf eine Studie, laut der nur 12 Prozent von Österreichs Gründern weiblich sind. Die 12 Prozent sollen durch das Magazin aber sichtbarer werden und als Vorbilder für junge Frauen fungieren.

Im Interview haben wir mit Kathrin über Aha-Momente und das Leben als digitale Nomadin und Selbstständige gesprochen.

Kathrin Folkendt

Für die erste Ausgabe von 12percent.org hast du dich eingehend mit der Wiener Start Up-Szene beschäftigt. Wie könnte man die Wiener Szene beschreiben und welche Rolle nehmen Frauen und deren Unternehmen darin ein?


Also ich denke, dass die Startup-Szene in Wien, wie auch überall sonst, von Innovation geprägt ist und von Menschen, die dafür brennen was sie tun. Ich persönlich möchte es nicht missen, ein Teil dieser Community zu sein. Wie die Studie von austrianstartups.com und Speedinvest gezeigt hat, sind nur 12% der österreichischen Startup-Szene Frauen. Ja, das ist im Verhältnis nicht viel, aber es gibt diese Frauen und sie machen tolle Jobs, gründen erfolgreiche Unternehmen und unterstützen spannende Initiativen.


Ich hatte vergangenen Mai ein Schlüsselerlebnis, als ich mich entschieden habe nach Chiang Mai zu gehen. Ich habe auf der re:publica in Berlin einen Talk von Conny Biesalski gehört, die als Digital Nomad von ihrem Blog planetbackpack.de lebt. Das Konzept vom Digitalen Nomadentum hatte ich davor schon gekannt, aber hatte es immer als “Nix für mich!” abgetan. Mein Vorurteil: Digital Nomads sind 22, männlich, haben eine riesiges Ego und idealerweise auch noch Programmierkenntnisse. Als ich dann Conni’s Talk hörte, hatte ich einen Aha-Moment und dachte “Hey, vielleicht kann ich das auch.” Und er Rest ist Geschichte... ;)
Meine Hoffnung ist es, dass auch 12percent.org solche Aha-Momente bei jungen Frauen, die sich für die Startup-Szene interessieren, auslösen kann.

Laut dem Austrian Start Up Report von 2013 sind nur 12 Prozent der österreichischen Gründer weiblich. Ist deiner Erfahrung nach die Situation in Chiang Mai oder den USA ausgeglichener?


Die Situation ist wohl weltweit ähnlich problematisch oder unproblematisch, auch wenn die Communities, Herausforderungen und Herangehensweisen unterschiedlich sind. Ich will mich auch nicht an den 12% aufhängen und anfangen Prozentpunkte zu zählen. Es stört mich aber, dass oft nur darüber gesprochen wird, dass es so wenige Frauen gibt, nicht darüber, was diese Frauen eigentlich leisten.

Im Endeffekt will ich, dass jeder und jede die selben Möglichkeiten hat um sich selbst zu verwirklichen. Und aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass für das “Sich Trauen” Vorbilder sehr hilfreich sein können. Egal wo.

Wir diskutieren oft über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, weil das für viele Frauen und Familien nach wie vor ein Problem darstellt. Denkst du, als Gründerin hat man es durch die flexible Einteilung eventuell sogar leichter?


Ich tue mir sehr schwer das zu beurteilen, da ich selbst (noch) keine Kinder habe. Auf jeden Fall bewundere ich alle Mütter in meinem Umfeld, inklusive meiner eigenen, sehr. Ich sehe wie viele Tag für Tag, unabhängig von ihrer beruflichen Situation, Beeindruckendes leisten. Aus meiner Beobachtung heraus, kann die Kombi Beruf und Familie sehr bereichernd sein, setzt allerdings ein gewisses Organisationstalent voraus.


Mit dem Magazin 12percent.org versuchst du Frauen zu ermutigen. Was könnte sonst noch passieren, um ein eine fruchtbare Umgebung für weibliche Start-Ups zu kreieren?


Also prinzipiell bin ich der Meinung, dass jeder und jede den für sie passenden Weg finden muss. Nicht jede oder jeder muss unbedingt ein Unternehmen oder Startup gründen und nicht jede oder jeder muss Kinder bekommen. Es geht darum alle Möglichkeiten zu kennen, zu haben und eine gute Basis zu haben, um Entscheidungen fürs eigene Leben treffen zu können.
Ich habe den Eindruck, dass Frauen in der Startup-Szene nicht so viel mediale “Air Time” bekommen, was zwar irgendwie verständlich ist, weil es eben nicht so viele von uns gibt, aber andererseits ist es halt auch schade. Ich würde mir also mehr Berichterstattung wünschen, die auch in die Tiefe geht. Und es wäre mir auch ein Anliegen, dass Konferenzen mehr auf die Ausgeglichenheit ihrer SpeakerInnen achten.

Ich will, dass jedes Mädchen, jede junge Frau, die darüber nachdenkt, wie sie ihr Berufsleben gestalten möchte, sieht, dass es auch in der Startup-Szene für sie Karrieremöglichkeiten gibt. Ja, ich würde mich über mehr Frauenpower bei Startup Stammtischen, Meetups, Konferenzen etc. freuen und dieser Wunsch ist nicht ganz uneigennüztig: Es ist schließlich erwiesen, dass diverse Teams eher zum Erfolg kommen. Und Erfolg österreichischer Unternehmen bringt dem Standort Wien und damit uns allen, die wir hier werken und wirken was.


Hast du einen persönlichen Tipp für ambitionierte Gründerinnen?


Nicht aufgeben und Dinge einfordern. Fällt mir manchmal auch nicht ganz so leicht, aber ich denke, dass ist der beste Tipp, den ich habe. Oh. Und ein großes Netzwerk hilft auch sehr.


Wie funktioniert 12Percent.org genau?


Das Magazin ist im Moment komplett selbstfinanziert und funktioniert nur, weil es Menschen gibt, die einfach mal sagen: “Hey, cool! Das machen wir!”. Ohne wenn und aber. Das Wiener Startup Pagestrip hat seine High-end Publishing Lösung kostenfrei zur Verfügung gestellt und viele andere, wie etwa Lisa Oberndorfer von Fillmore oder das Videoportal Whatchado, haben Content gespendet. Die restlichen Artikel habe ich selbst recherchiert und verfasst.

Nachdem du das Marketing bei Tupalo hochgezogen hast, hast du in Chiang Mai Start-Ups beraten und in einer aufmerksamkeitsstarken Aktion 7 Start-Ups in 7 Tagen gegründet. Wo und wovon lebst du im Moment?


Ich bin im Moment wieder in Wien und arbeite als selbstständige Marketing Beraterin. Eigentlich wollte ich ja nur ein paar Wochen über den Sommer hier bleiben um mein Patenkind zu besuchen, aber ich fühle mich hier im Moment sehr wohl und es wird wohl noch ein bisschen länger werden. Ob es mich nochmal ins Ausland zieht? Wahrscheinlich schon. Wann? Das kann ich im Moment nicht so genau sagen.


Und zu guter Letzt, um auch möglichst viele Frauen zu ermutigen, was ist das schönste am Gründen?


Ich will nicht lügen: Selbstständigkeit kann manchmal ganz schön stressig und nervig sein, aber dafür hat man die Möglichkeit sich die Zeit auch mal so einzuteilen, dass sich ein Herzensprojekte wie eben 12percent.org ausgeht. Und das ist es definitiv wert.

 

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