Neuer Ort, neue Kraft

Petra Lindenbauer (43) und ihre Familie tauschten vor fünf Jahren Klosterneuburg gegen Schönau, ein winziges Dorf im Südburgenland. Weil die Stadt der Keramikkünstlerin zu viel Energie und Kreativität absaugte.

Dass sie eines Tages in einer Rotte wohnen würde, davon hatte die Klosterneuburgerin Petra Lindenbauer ja keine Ahnung. Eine Rotte besteht nur aus einer Handvoll Häuser, in ihrem Fall zählt sie 17 Südburgenländer zu ihren Nachbarn, draußen in Schönau, am Hang mit Blick auf Burg Stadtschleining. Selbst das Gute-Nacht-Sagen von Fuchs und Hase würde auffallen, so still ist es hier. Von der Protestaktion, die ganz in der Nähe, in Oberwart, stattfindet, mal abgesehen. Eine Bürgerinitiative wehrt sich derzeit nämlich dagegen, dass die ÖBB die Strecke Richtung Friedberg stilllegen will. Ein typisches Problem, gerade fürs Südburgenland: Die schlechte öffentliche Anbindung macht die Dörfer uninteressant für Zuzügler mit Kindern. Weshalb in der Rotte, in der Petra Lindenbauer mit Mann und zwei Kindern seit fünf Jahren wohnt, „nur noch alte Menschen leben".


Neuer Ort, neue Kraft.

Ein Leben am Land war nie ihr Ziel: „Ich bin keine typische Aussteigerin." Die Lindenbauers bewohnten in Klosterneuburg eine hübsche Villa, doch dann setzte man ihnen hässliche Wohnklötze aufs Nachbargrundstück. Zugleich fiel der Künstlerin, die mit ihrem Mann Heizobjekte realisierte, auf, wie viel Kraft der Alltag in der Stadt kostete. „Ich konnte kaum noch kreativ arbeiten." Aus Plan A, in vielen Urlauben aufzutanken, wurde Plan B, etwas Abgeschiedenes, Neues zu suchen. Eine Scheidungsruine in Schönau richtete die Familie mit architektonischem Geschmack so schick her, dass sie die übrigen Häuser nun überstrahlt. Mit dem Ortswechsel kam auch die berufliche Umorientierung: „Ich entwerfe jetzt Gebrauchskeramik, was ich mir früher nie hätte vorstellen können!" Die Gegend ist für die Künstlerin ein Kraftort geworden. Beiläufigkeit und Bussi-Bussi gibt es nicht, dafür ein intensiveres Miteinander. Auch, weil man sich hier, anders als in der Stadt, mit selbst gewählten Kontakten umgebe.

Traditionen pflegen.

Von Argwohn gegenüber Zuzüglern kann sie nicht berichten, im Gegenteil. Von Anfang an erreichten sie nette Gesten von den Nachbarn, die es gutheißen, dass „die Wiener" in den aussterbenden Orten für Leben in leer stehenden Häusern sorgen. Und es ist ja so: „Ich übernehme bei den Alten die Rolle der Kinder, denen man Traditionen überliefert, etwa Rezepte für Tannenwipfelhonig. Im Gegenzug schauen sie sich Dinge von mir ab - wie meine Hochbeete im Garten." Nach Wien reist Petra Lindenbauer aber regelmäßig, der Kultur wegen. „Wer aufs Land zieht, muss ja nicht die Stadt aufgeben", sagt sie, „man kann beidem Platz geben."

Neue Ideen braucht das Land – Trends und Visionen für das Landleben 2030

„Die Landgestalter“ werden aktiv und rufen zur regen Mitgestaltung und Förderung des ländlichen Raums auf.

Seniorenwohngemeinschaften auf Bergbauernhöfen, Car- und Traktorsharing-Initiativen, vegane Dorfgasthäuser, Internet-Cafés am Hauptplatz. Wie sieht das Landleben im Jahr 2025 aus? Verarmte, leere Landstriche durch Arbeitslosigkeit und Abwanderung oder lebendige, boomende Regionen?

Der neu gegründete Verein „Die Landgestalter“ setzt sich für die Entwicklung, Gestaltung und Förderung eines modernen, innovativen Landlebens für jedermann/frau ein.

Umgesetzt werden sollen die Ziele der Landgestalter u.a. durch die Schaffung der interaktiven Netzwerkplattform: www.dielandgestalter.at.
 

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