Neue Regierung, neue Bildungspläne? Ich hätte da noch ein paar Fragen

Da sind sie nun: Die Eckpfeiler, die die kommende Regierung in Sachen Bildung einschlägt. Einige schauen nach Rückschritten aus, andere klingen zumindest auf den ersten Blick gut, bei vielen entsteht ein: Eh, und wie soll das dann in der Praxis aussehen? .

Es ist präsentiert. Das Bildungsprogramm unserer voraussichtlich nächsten Regierung. Nun, bei manchen Vorhaben - oder sollen wir Rückhaben sagen?! - stellen sich einige Fragen:

1. Extra Deutschklassen?

Geplant sind extra Deutschklassen für Kinder, die nicht ausreichend Deutsch können vor Schuleintritt. Das klingt für die Ohren derer, die sich schon im Wahlkampf Angst einjagen haben lassen, dass unsere Kultur oder Identität verloren gehen könne, wahrscheinlich gut.

Meine Fragen dazu: Seit wann lernt man eine Sprache besser oder schneller, wenn man mehr Zeit mit Kindern verbringt, die auch nicht gut Deutsch können? Und, wie sollen sich Kinder, die möglicherweise Migrationshintergrund haben, integrieren, wenn sie ausgegrenzt werden? Und was passiert, wenn man draufkommt, dass das auch ganz viele Kinder, deren Muttersprache eigentlich Deutsch wäre, brauchen?

2. Noten für Lehrer?

LehrerInnen sollen beurteilt werden - und zwar anonym von den Schülern. Das macht ein großes Hä?! Denn auch wenn gut klingt, dass Lehrer nicht einfach tun und lassen können, was sie wollen und ihre Arbeit evaluiert werden soll, dass auch SchülerInnen eine Stimme kriegen sollen - dann ist doch mehr als fraglich, ob Schüler auch wirklich in der Lage sind, die Arbeit ihrer Lehrer objektiv zu beurteilen. Oder wer kann sich nicht vorstellen, dass manch ein Schüler aus Ärger über eine Note es einem Lehrer dann vielleicht auch gerne heimzahlen möchte? Wie soll das aussagekräftig sein? Und wie soll das konkret gehen?

3. Aufwertung der Kindergarten?

Dass Menschen, die Kindergärten leiten, in Zukunft eine tertiäre Ausbildung haben sollen, klingt gut. Je besser ge- und ausgebildet PädagogInnen sind, desto besser für unsere Kinder. Wie lange wird es wohl dauern, bis diejenigen laut schreien, die die höheren Gehälter dann bezahlen sollen? Und das geht dann aber eh nicht auf Kosten von Öffnungszeiten oder so?

4. Schulnoten von 1 bis 5 für alle?

Als großen Rückschritt bezeichnen viele das Vorhaben, für alle Volksschulen wieder die Beurteilung in Ziffern von 1-5 einzuführen. Ist es vielleicht halt auch nur leichter, einem Kind einen (von fünf) Stempel(n) aufzudrücken und es in eine Schublade stecken zu können, als sich mit ihm zu beschäftigen? Stärken stärken und Schwächen entdecken wird so wieder einfacher? Die Zahlen 1, 2, 3, 4, und 5 werden Kindern gerecht?

5. Bis 18 Zeit absitzen?

Wer die noch festzulegenden Ziele - ÖVP und FPÖ reden von Grundwissen und Grundkompetenzen - am Ende seiner Schullaufbahn nicht erfüllt, muss in der Schule bleiben, bis das so ist. Oder bis er/sie 18 ist. Wie jetzt? Alles lassen wie es ist und das dann einfach länger?

6. Sonderschulen sollen erhalten bleiben?

Meine Fragen: Und was ist mit der Inklusion? Der Inklusion?? Der Inklusion??? Warum soll das ein Fremdwort bleiben? Weil es anstrengender wäre, LehrerInnen dahingehend auszubilden? Weil es anstrengender wäre, sich mit dem Thema intensiver auseinanderzusetzen und wirklich sinnvolle Konzepte zu erarbeiten, als eine Gruppe von Menschen in Sonderschulen abzuschieben? Weil es für uns als Gesellschaft bequemer ist, Menschen mit Beeinträchtigung nicht in unserer unmittelbaren Mitte zu haben?

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumnenreihe.

 

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