Neue Initiative macht gegen Norbert Hofers Frauenbild mobil

Gestern ist die überparteiliche Kampagne „Frauen gegen Hofer“ online gegangen. Wir haben uns angesehen, was dahinter steckt.

„Am 4. Dezember findet eine richtungsentscheidende Wahl für Österreich statt – vor allem für Österreichs Frauen. Denn mit Norbert Hofer von der FPÖ geht ein Bundespräsidentschaftskandidat ins Rennen, der Frauenrechte wieder zurück ins Mittelalter befördern will.“ Mit dieser Ansage ist gestern die Facebook-Seite „Frauen gegen Hofer“ online gegangen. „Die Initiative richtet sich an alle Frauen Österreichs und will zeigen, dass eine Stimme für Hofer eine Stimme gegen Frauenrechte ist“, schreiben die InitiatorInnen auf Anfrage. „Schließlich ist es unsere Pflicht, uns gegen die rückständige und sexistische Frauenpolitik einer Partei und dessen Bundespräsidentschaftskandidaten aufzulehnen und zu zeigen: wir wollen unsere Rechte behalten.“

Dafür ging die Initiative auch auf die Straße und befragte Frauen nach ihrer Meinung zu frauenpolitischen Sagern der FPÖ. Die Reaktionen reichen dabei von belustigt bis hin zu entsetzt:

Das Video wurde nach einem Tag bereits über 1300 mal geteilt und hat über 200.000 Personen erreicht.

„Alle Frauen in Österreich sind außerdem dazu eingeladen, unter dem Hashtag #frauengegenhofer selbst Statements oder Videos zu schicken – und zu begründen, warum sie Norbert Hofer nicht wählen“, heißt es seitens der InitiatorInnen. Die Initiative ist betont überparteilich, wie sie in einem aktuellen Facebook-Posting schreibt: "Hinter Frauen gegen Hofer steckt keine Partei, keine NGO oder das grüne Wahlkampfteam. Wir sind eine kleine Gruppe von Freundinnen (und ein Paar Freunden), die sich ganz selbständig entschlossen hat, sich für Alexander Van der Bellen zu engagieren. Aus einem simplen Grund:

Wir finden, dass die Politik der FPÖ viel weitreichendere Folgen hat, als ihre Parolen gegen Ausländer_innen vermuten lassen. Wenn sie denn jemals regieren und ihr eigenes Programm durchsetzen sollte, und sei es zuerst nur mit Norbert Hofer als Bundespräsident, wären speziell Frauen, ob erfolgreiche Unternehmerin oder arbeitslose Alleinerziehende davon betroffen."

Die FPÖ und ihr Frauenbild aus dem Mittelalter


Dass die FPÖ und deren SympathisantInnen in der Vergangenheit nicht unbedingt mit frauenfreundlichen Aussagen aufgefallen sind, haben wir bereits öfter thematisiert. Da war zum einen Norbert Hofer, der Frauen eine verpflichtende Bedenkzeit vor der Abtreibung einräumen will, oder die Aussage der FPÖ Amstetten, Frauenhäuser seien ein „Unfug, der abgestellt gehört“, weil sie Ehen und Partnerschaften „zerstören“. Oder auch die Gebärmutter, die laut FPÖ-Handbuch "der Ort mit der höchsten Sterbewahrscheinlichkeit in unserem Land" ist.

Nicht zu vergessen auch dieser Satz aus dem von Norbert Hofer herausgegebenen Buch "Für ein freies Österreich": "Der vom Thron des Familienoberhaupts gestoßene Mann sehnt sich unverändert nach einer Partnerin, die trotz hipper den-Mädels-gehört-die Welt-Journale, in häuslichen Kategorien zu denken im stande ist, deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überrragt."

Mehr zum Thema: Die frauenfeindlichsten Aussagen aus dem Buch "Für ein freies Österreich".

Wir erinnern uns außerdem an die Kampagne des Rings Freiheitlicher Jugendlicher (RFJ) Burgenland zurück, die uns zeigen wollte, wie „echte Frauen“ aussehen müssen – blond, blauäugig und nackt. Oder an jenes Video des RFJ Oberösterreich, der mit nackten Hintern gegen sexuelle Belästigung warb.

Oder an die Aussage von FPÖ-Mandatar Johannes Hübner, der meinte, dass der Mann zum Führen geboren sei und sich wegen seiner Testosterone nicht so gut an Gesetze halten kann. Oder auch an jene gewaltverherrlichende Aussage von Wilfried Grießer, der bei den Gemeinderatswahlen 2015 in Mödling auf der Liste der FPÖ kandidierte: „Frauen lieben es, von einem wildgewordenen Penis überfallen zu werden. Und hierzu die Zustimmung einzuholen, wäre genau der Verlust dieses Reizes.“ Die Liste sexistischer Aussagen von FP-MandatarInnen und SympathisantInnen ließe sich endlos fortführen. Doch viel erschreckender ist ihre tatsächliche „Frauen“politik.

Frausein geht nur mit Familie


Denn bei der FPÖ wird die Frau nur in Zusammenhang mit ihrer Familie gedacht. Auch im Jahr 2016. „Frauen sind das Fundament der Familie“ oder „Ja zu Familien statt Gender-Wahnsinn“ sind nur einige der FP-Slogans, die darauf hindeuten, wo die Frau hingehört: in den Haushalt und zu ihren Kindern. Und das will der Freiheitliche Familienverband auch fördern – wohlgemerkt nur bei „autochthonen“ Österreicherinnen. Denn diese sollten am besten drei oder mehr Kinder bekommen, wie Herbert Vonach vom Freiheitlichen Familienverband kürzlich einforderte. Die FPÖ ist außerdem gegen Frauenquoten und Frauenförderung in jeglicher Hinsicht. So findet sich im Buch "Für ein freies Österreich" auch folgender Satz:

"Wie immer sie geartet sein mag, jede Organisation verliert in den Augen sowohl männlicher als auch weiblicher Betrachter, an Ansehen, je höher der Frauenanteil ist und je bedeutender die von Frauen bekleideten Positionen sind."

Geht es jedoch um die „Fremden“, werden die FPÖ und deren Anhänger plötzlich "feministisch". Schließlich müssen „unsere Frauen“ vor den „ausländischen Vergewaltigern“ geschützt werden, wie etwa der RFJ Steiermark mit der fragwürdigen Kampagne „Finger weg“ propagierte. Dass sich ihr Parteichef HC Strache jedoch gegen den „Po-Grapsch“-Paragrafen, der sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum unter Strafe stellt, ausgesprochen hat, dürfte den glühenden Frauenrechtlern wohl entgangen sein. Und wer sät, der erntet auch die WählerInnen, die er verdient. Nach dem Sieg Alexander Van der Bellens war das Internet voll von Vergewaltigungsdrohungen enttäuschter Hofer-WählerInnen (wir haben berichtet). Schlagartig war es mit der scheinheiligen Sorge um die Frauen zu Ende, als klar wurde, dass Norbert Hofer diese wohl nicht „verteidigen“ durfte.

Das Menschenbild der FPÖ bleibt also weiterhin: heterosexuell, männlich und weiß


Das zeigt auch die Einstellung Norbert Hofers zu den Rechten von Homosexuellen. Hofer war der federführende Verfasser des FPÖ-Parteiprogramms, in dem es (bereits nach der Einführung der eingetragenen Partnerschaft) heißt: "Wir bekennen uns zur Vorrangstellung der Ehe zwischen Mann und Frau als besondere Form des Schutzes des Kindeswohls. Nur die Partnerschaft von Mann und Frau ermöglicht unserer Gesellschaft Kinderreichtum. Ein eigenes Rechtsinstitut für gleichgeschlechtliche Beziehungen lehnen wir ab." Immer wieder hat Hofer Homosexuellenrechte bekämpft und sogar mit Witzen bei Wahlkampfauftritten lächerlich gemacht ("Wie heißt der Papa? Franz. - Und wie heißt die Mama? Karli. Das kommt nicht so gut an" - nachzusehen in diesem Video).

Aus diesen und vielen anderen Gründen richten die InitiatorInnen der #frauengegenhofer-Kampagne einen, wie sie sagen, wichtigen Appell an die Frauen in Österreich: „Eine Stimme für Hofer ist eine Stimme gegen euch selbst.“

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