Neu im Kino: NO!

Wie kann man einen Diktator aus dem Amt hebeln ohne dabei gleich umgelegt zu werden? Mit Werbung natürlich! Vermarktungsgenie René (Gael García Bernal) hat zwar keine Ahnung von Politik, dafür weiß er, wie die Herzen der Wähler schlagen. David gegen Goliath also, denn Renés Gegner heißt Augusto Pinochet.

1988. Während man in Österreich endlich politische Vergangenheitsbewältigung betreibt und sich einer differenzierten Auseinandersetzung mit den Ereignissen von 1938 stellt, hat in Chile das Grauen noch lange kein Ende.

Seit 1973 ist in Chile Diktator Augusto Pinochet an der Macht. Ein Referendum soll die Herrschaft seines Terrorregimes um weitere acht Jahre verlängern. Die Volksabstimmung wurde dem Militärdiktator von der internationalen Gemeinde aufgezwungen. Pinochet ist davon überzeugt, dass kein Wahlberechtigter den Mumm hat, nicht für ihn mit einem „Si" zu stimmen.

Siegessicher lässt er die Opposition gewähren ihrerseits mit einer Gegenkampagne auf Stimmenfang zu gehen. Einen Monat lang darf die Opposition nun spätnachts auf dem schlechtesten Sendeplatz 15 Minuten lang auf Sendung gehen. Der Kampf gegen Pinochets Übermacht scheint von vornherein aussichtslos.

No!

Die „No"-Kampagne wird von einem Polit-Neuling geleitet. Reklame-Profi René (Gael García Bernal) bringt Limonade an den Mann, keine politischen Botschaften. Das ist auch in Zeiten wie diesen wesentlich sicherer als gegen ein Terrorregime anzukämpfen. Aber den Kreativen reizt die Aufgabe. Unter widrigsten Umständen, mit minimalem Budget gelingt es René mit seinen genialen Werbefeldzug den Kampfgeist und die Hoffnungen der Chilenen zu erwecken.

No!

Zu einem sehr hohen Preis: Bald ist er selbst, sein Team und seine Familie Zielscheibe der Geheimpolizei ...

Diktatur? Non me gusta, no! Der chilenische Beitrag zum Auslands-Oscar 2013 ist packend wie ein Thriller und dabei so unterhaltsam wie eine Komödie. Wenn auch Pinochet in Wirklichkeit nicht von EINEM mutigen Werber zu Fall gebracht wurde, so begeistert NO vor allem durch Authentizität (dank der Verwendung zahlreicher Originalaufnahmen aus den 80ern) und einer mitreißenden Portion Humor.
Wenn Österreich nicht Michael Hanekes Liebe in den Kampf um denn Auslands-Oscar 2013 geschickt hätte, hieße der Sieger heute höchstwahrscheinlich NO.
 

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