Neu im Kino

Scheiden tut weh. Aber nicht wenn Mamas knackiger Neuer Alexander Skarsgård heißt und Papa zuvor das eigene, bildhübsche Kindermädchen geheiratet hat. Kann diese Patchwork-Konstellation aufgehen? Packende Adaption des Henry James Romantik-Klassikers "Maisie".

Ich habe ihn sehr lieb!" Die sechsjährige Maisie (Onata Aprile) kann ihren neuen Stiefvater gut leiden. Kein Wunder: Lincoln (das schwedische Sex-Symbol Alexander Skarsgård) ist groß, einfühlsam und kann die verrückteste Dinge zaubern. Von Beruf ist er Barkeeper, was den Vorteil hat, dass er sich tagsüber um Maisie kümmert.

Das Glück der grossen Dinge

Ganz im Gegensatz zu ihrer Rockstar-Mutter Susanna (herrlich selbstherrlich: Julianne Moore). Zwar nimmt sie gern die Gitarre in die Hand um ihrer Tochter ein Einschlafliedchen zu singen, aber sonst nimmt sie es mit der Regelmäßigkeit ihrer Kinderbetreuungspflichten nicht so genau. Konzerte absagen? No way! Dann schon lieber die Kleine mitten in der Nacht in die Bar abschieben, in der Lincoln arbeitet. Ob er auch Dienst hat? Egal.

Gut, dass es Margot (Joanna Vanderham) gibt. Maisies ehemaliges Kindermädchen ist jetzt die neue Ehefrau von Maisies Vater Beale (Steve Coogan). Margot ist die einzige verlässliche Konstante in Maisies Leben, denn Papa Beale ist von Beruf Kunsthändler und ständig zwischen den USA und Großbritannien unterwegs.

Das Glück der grossen Dinge

Maisie hat Glück. Irgendwie hat sie nicht nur Mutter und Vater, sondern auch noch ein Paar liebevoller "Reserve"-Eltern. Zu dumm nur, dass die leiblichen Eltern geteiltes Sorgerecht haben. Denn teilen können Susanna und Beale längst nicht mehr. Seit die Beziehung des Kreativ-Elitepaars in die Brüche gegangen ist, führen beide ein selbstbezogenen und ganz und gar nicht kindgerechtes Leben. Obwohl beide vorgeben, nur das Beste für die süße Maisie zu wollen, wird der Spross nach Lust und Laune wie ein Gepäckstück verfrachtet, abgesetzt oder überraschend abgeholt.

Maisie wird zum Spielball in einem erbitterten Rechtsstreit zweier verantwortungsloser Streithähne.Und so liegt es an Lincoln und Margot, die Ersatz-Eltern von der Reservebank, Maisie das zu bieten, was sie - trotz aller Liebe - so schmerzlich vermisst: Geborgenheit.

Ganz ehrlich, verklärtes Drehbuch:
Wer selbst Kinder hat, wundert sich darüber, dass weder Maisies Schule noch andere Behörden dem Treiben ihrer Eltern Einhalt gebieten. Das schulpflichtige Kind wohlhabender Szene-Eltern tourt nachts durch diverse Betreuungsstationen (Kindermädchen, Stiefvater, Bar, Tourbus), wird um Stunden zu spät vom Unterricht abgeholt, hat ständig wechselnde Wohnsitze und überraschende Urlaube? Eine Utopie.

Ansonsten bietet die Adaption des Henry James-Romantikklassikers ("Was Maisie wußte", 1897) jede Menge spannende, zeitgerechte und spannend-realistische Wendungen wie die Streitigkeiten und der Hass der ehemaligen Eheleute, die Spannungen zwischen den neuen und alten Partnern und die Offenheit eines wachsamen Kindes, das seinen eigenen Weg geht.
 

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