Narzisst*innen: Sind sie öfter die Täter*innen von Gewalt?

In welcher Relation steht Gewaltbereitschaft mit Narzissmus? Eine neue Studie bringt Antworten.

Narzisst*innen: Sind sie öfter die Täter*innen von Gewalt?

Was hat Narzissmus mit häuslicher Gewalt zu tun? Wie hängt Narzissmus damit zusammen, dass Menschen schnell wütend werden? Stellen Narzisst*innen ein größeres Risiko für Amokläufe dar?

Genau das hat sich das Team rund um Sophie Kjaervik und Brad Bushman von der Ohio State University angeschaut und herausgefunden, dass Narzisst*innen schneller wütend werden. Oft braucht es gar keine Provokation dafür, dass sie aggressiver reagieren, einen Streit anzetteln oder handgreiflich werden.

123.000 Teilnehmer*innen

Außerdem werden sie häufig viel wütender, als es andere Menschen werden, wenn sie irritiert werden. Das ergibt das Ergebnis einer Metaanalyse, bei der 437 Studien genau betrachtet wurden. Diese Studien umfassten insgesamt 123 000 Teilnehmer*innen im Alter von 8 bis 62 Jahren. Eine erhöhte Aggressivität zeigte sich durchgängig. Unterschiede zwischen den Geschlechtern konnten allerdings nicht festgestellt werden.

Aggressives und Gewalttätiges Verhalten

"Die Botschaft ist ziemlich eindeutig: Narzissmus ist ein signifikanter Risikofaktor für aggressives und gewalttätiges Verhalten in allen Bereichen", so Brad Bushman, Mitautor der Studie und Professor für Kommunikation an der Ohio State University. So konnte Narzissmus beispielsweise mit Cyber-Mobbing als auch Bullying in Verbindung gebracht werden. Die Arten der Gewalt, die gewählt werden, sind vielfältig, wie die Studienautor*innen beschreiben: "Personen mit ausgeprägtem Narzissmus sind nicht besonders wählerisch, wenn es darum geht, wie sie andere angreifen", sagte Kjærvik.

Amokläufe und häusliche Gewalt

Das macht Narzist*innen zu einer größeren Gefahrenquelle für Amokläufe und häusliche Gewalt. Sogar die Forscher*innen waren überrascht, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und Gewalt fast so stark war, wie der Zusammenhang mit weniger schweren Formen der Aggression wie Mobbing. Gewalt ist in der Psychologie seltener und im Allgemeinen schwieriger vorherzusagen als geringere Formen der Aggression, so Bushman. In dieser Studie wurde Gewalt als Aggression definiert, die darauf abzielt, körperlichen Schaden wie Verletzungen oder Tod zu verursachen.

Jede*r ist ein Narzisst

Wie stark die Wut oder die Gewaltbereitschaft eines Mensch ist, hängt laut der Studie damit zusammen, wie ausgeprägt sein Narzissmus ist. Das macht es schwierig diese Personen genauer zu beobachten, denn man kann die Menschen nicht in Narzisst*innen und Nicht-Narzisst*innen einteilen. Fast jeder Mensch hat einen gewissen Grad an Narzissmus, auch wenn nur eine Minderheit so stark ausgeprägt ist, dass man sie als pathologisch bezeichnen kann.

 

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