Naomi Osaka verlässt French Open wegen Depressionen

Tennis-Star Naomi Osaka zieht sich aus den French Open aufgrund psychischer Probleme zurück und macht damit einen Schritt Richtung mehr Offenheit rund um Mental Health.

Osaka zieht sich aus French Open zurück

Als die Push-Nachricht reinkommt, muss ich zugeben, dass ich noch nie von Naomi Osaka gehört habe. Das liegt jetzt nicht daran, dass sie eine unbekannte Persönlichkeit ist, sondern viel mehr daran, dass ich in meinem Leben noch kein einziges Tennis-Match gesehen habe. Sie trägt mehrere Titel, hat viele Turniere gewonnen und spielt in der oberen Liga der weltweiten Tennis-Stars. Was mich aber trotzdem gleich in die Geschichte zieht ist, dass sie sich aus den French Open zurückgezogen hat, weil sie mit psychischen Problemen zu kämpfen hat und unter Depressionen leidet.

Volle Solidarität

Damit ist sie wieder eine weitere wichtige Person in der Öffentlichkeit, die offen über ihre Probleme spricht und damit den Weg ebnet, dass größeres Verständnis und größere Aufmerksamkeit auf mentale Gesundheit geworfen wird. Und sie bleibt nicht die Einzige. Die US-amerikanische Tennis-Spielerin Serena Williams zeigt sich solidarisch und erklärt: "Ich wünschte, ich könnte sie einfach umarmen, weil ich weiß, wie es sich anfühlt." Auch sie hatte in der Vergangenheit mit Depressionen zu kämpfen.

Verzicht auf Pressetermine

Naomi Osaka hatte bereits vor dem Turnier in Paris bekannt gegeben, dass sie dort keine Pressetermine geben und nicht mit der Presse sprechen würde. Das stieß auf heftige Kritik. Zusätzlich musste sie deswegen Strafzahlungen leisten. Auf Twitter erklärte sie diesen Schritt nun in dem Statement, in dem sie auch ihren Rückzug bekannt gab: "Das ist keine Situation, die ich beabsichtigt habe, als ich vor ein paar Tagen [wegen der Pressetermine] gepostet habe. Ich denke, es ist jetzt das Beste für das Turnier, die anderen Spielerinnen und mein Wohlbefinden, dass ich mich zurückziehe, damit sich alle wieder auf das Tennisspiel in Paris konzentrieren können. Ich wollte nie eine Ablenkung sein und ich akzeptiere, dass mein Timing nicht ideal war und dass meine Botschaft klarer hätte sein können. Noch wichtiger ist mir, dass ich psychische Gesundheit niemals trivialisiere oder den Begriff leichtfertig verwende. Die Wahrheit ist, dass ich seit den US Open 2018 unter langen Anfällen von Depressionen leide."

Änderung der Richtlinien

Weiters erklärt sie den Druck, den sie spüre, wenn sie Pressetermine wahrnehmen muss. Als introvertierte Person stresse sie dieser Teil ihrer Arbeit extrem. Sie möchte in der Zukunft mit den Turnier-Veranstalter*innen sprechen, damit Regeln gefunden werden, die sowohl für die Presse als auch für Spieler*innen mehr Möglichkeiten bieten. Das soll passieren, ohne zu verlangen, dass Athlet*innen zu jeder Zeit funktionieren müssen. Gerade im Jahr 2021 ist das ein wichtiges Thema, um das sich immer mehr Gespräche drehen: Unsere Gesellschaft setzt voraus, dass jede*r zu jeder Zeit volle Leistung bringen muss. Das führt dazu, dass Probleme weggeschoben, Bedürfnisse runtergeschluckt werden. Dass Naomi Osaka in diesem Fall ihre psychische Gesundheit und Wohlbefinden priorisiert hat, bringt ihr sowohl Kritik aber vor allem viel Solidarität aus dem Sportbereich und von anderen Promis ein. Einige rufen sogar dazu auf, die French Open zu boykottieren.

 

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