Nachhilfe in Österreich: Weg mit dem Fleck!

In Österreich benötigen 33 Prozent der Kinder Lernunterstützung. 101 Millionen Euro werden dafür jährlich ausgegeben. WIENERIN-Kolumnistin Eva Komarek über das Geschäft mit dem Bildungsdruck.

Wenn ein Nachzipf ansteht, liegen Anfang September bei vielen SchülerInnen und Eltern die Nerven blank. Spätestens ein paar Wochen vor dem Tag X besorgen viele Eltern Lernunterstützung. Doch nicht nur vor Schulbeginn hat Nachhilfe Hochkonjunktur. Leistungsdruck, gestiegene Anforderungen und der Wunsch nach einem Studienplatz machen Nachhilfe zum großen Geschäft. 33 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Österreich benötigen außerhalb der Schule für gute Noten Unterstützung, wie eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer zeigt. 2019 sind das 327.000 Kinder, 2018 waren es noch 264.000. Die Zahlen steigen seit zehn Jahren kontinuierlich an.

HOHE KOSTEN. Bildungsabschlüsse haben an Bedeutung gewonnen. Die Matura ist heute fast schon Mindestvoraussetzung. Wer Glück hat, findet Lernunterstützung in der Familie. Mit 73 Prozent der Kinder müssen die Eltern zu Hause lernen, denn bedauerlicherweise klappt die Vermittlung des Schulstoffs in der Schule nicht mehr so, wie sie eigentlich sollte. Das ist besonders für jene Kinder bitter, deren Eltern sich Nachhilfe nicht leisten können. Die durchschnittlichen Kosten für Nachhilfe betragen laut AK 570 Euro im Jahr, wobei Wien mit 670 Euro deutlich höher liegt. Hochgerechnet auf alle betroffenen SchülerInnen summiert sich das auf 101 Millionen Euro. So ist es wenig überraschend, dass die Branche mittlerweile von Investoren entdeckt wurde. Die beiden größten Anbieter für Nachhilfe in Österreich, Lernquadrat und Schülerhilfe, stehen im Besitz von Finanzinvestoren. Zusätzlich wird der Markt von Online-und App-Anbietern angeheizt. Auch diese Start-ups benötigen Geld. Die EU-Kommission warnte schon 2011 davor, dass der Markt den profitorientierten Anbietern überlassen wird, denn das beeinträchtige die Chancengleichheit. Doch dafür müsste das österreichische Schulsystem mit der Halbtagsschule überdacht werden, das auf dem Prinzip beruht, dass sich die Eltern, und hier in erster Linie die Mütter, am Nachmittag um den Lernfortschritt der Kinder kümmern. Es wäre ohnehin höchste Zeit, denn immer mehr Frauen sind berufstätig, und viele wären das auch gerne Vollzeit.

Facts and Figures

Der Österreicher Felix Ohswald, der mit 14 Mathematik studierte und mit 21 Unternehmer wurde, gründete die Nachhilfe-App GoStudent. Dabei können SchülerInnen unter 400 TutorInnen wählen. Die Nachhilfe erfolgt via Videochat, der Hausaufgaben-Helfer ist gratis. Dank einer Investorenspritze von 1,5 Millionen Euro erfolgt jetzt die Expansion ins Ausland.

5.000 EURO wäre jede/r fünfte ÖsterreicherIn laut Innofact-Umfrage bereit, für die Vorbereitung der Kinder auf die Matura auszugeben; 30 Prozent mehr als 1.000 Euro.

 

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