Nachhaltigkeit bei Fast Fashion-Konzernen: "Es ist ein Prozess, aber ich bin froh, dass er stattfindet"

Fast Fashion-Riese H&M hat sich für eine Conscious Kollektion Model, Aktivistin und Ökologin Zinnia Kumar an die Seite geholt. Wir haben bei ihr nachgefragt, wie Nachhaltigkeit und Fast Fashion zusammenpassen.

H&M

Nachhaltigkeit ist längst mehr als ein Trend - das erkennen auch immer mehr Fast Fashion Konzerne, die auf nachhaltige Materialen und Conscious Collections setzen. Dass der Umstieg von Fast auf Slow Fashion nicht von heute auf morgen geht, ist klar, aber: Das ist ein Anfang. Ein Anfang, der wichtig ist und bei dem es in den meisten Fällen noch viel Luft nach oben gibt. Aber die Devise scheint zu sein: Jeder Schritt in die richtige Richtung ist besser als gar keiner.

H&M hat sich für den Launch der neuen Conscious Collection eine Expertin in Sachen Nachhaltigkeit an Board geholt: Zinnia Kumar ist Aktivistin, Ökologin und Model. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit und die Dekonstruktion von Schönheitsidealen ein, sagt sie. Von der Vogue India wurde sie 2019 in der Liste der einflussreichsten Inder*innen ernannt, sie ist Wissenschaftlerin in Humanevolutionärer Psychologie und Ökologie und Naturschutzbiologin. Vor allem aber befasse sie sich mit dem Kreislauf der Modeindustrie - und der Frage, wie ebendieser nachhaltiger gestaltet werden kann, vor allem auch von Fast-Fashion-Riesen. Ein Widerspruch in sich? Wir haben nachgefragt.

Wie kam es, dass du als Aktivistin und Ökologin mit einem Fast-Fashion-Riesen wie H&M kooperierst?

H&M hat sich an mich gewandt. Nachdem ich die Nachhaltigkeitsberichte von H&M durchgelesen hatte, sprach ich mit dem Team. Was mich persönlich an der Zusammenarbeit reizte, war, dass die weibliche CEO des H&M-Konzerns Helena Helmersson die ehemalige Leiterin des Bereichs "Nachhaltigkeit" ist. Das sagt schon vieles und sobald ich merke, dass sich jemand echt für einen Wandel der Branche engagieren will, bin ich mit voller Leidenschaft dabei.

Der Kampf für mehr Nachhaltigkeit kann in der Fashion Branche zermürbend und ermüdend sein. Warum bleibst du trotzdem dran?

Ich war schon immer fest entschlossen, Dinge einfach in Frage zu stellen und zu verändern. Wahrscheinlich bin ich eine Idealistin, angetrieben von sozialer Verantwortung und Gleichberechtigung. Ich wurde (so klischeehaft es auch klingt) inspiriert von Persönlichkeiten wie Mutter Theresa, Dalai Lama und David Attenborough. Ich liebe Theresas Selbstlosigkeit, die Demut des Dalai Lamas und David Attenboroughs umfassende Arbeit im Bereich Naturschutz und Bewusstseinsbildung.

Bei der "The Waste Collection" sind die Teile aus Materialien hergestellt, die eigentlich im Müll gelandet wären.

Ja, ich liebe sowas und mache das auch selbst ganz oft! Ich verleihe gerne alten Jeansjacken einen neuen Touch. Das ist tatsächlich ein Projekt, ein Label von mir, an dem ich gerade arbeite. Ich mache gerade die erste Kollektion, habe aber schon sechs Stücke verkauft, bevor sie überhaupt fertig sind. (grinst) Müll kann eine echte Schatzgrube sein!

Du arbeitest schon lange sowohl im Nachhaltigkeitsbereich, als auch in der Modebranche. Wie lassen sich diese beiden Welten miteinander vereinbaren?

Die Arbeit in beiden Bereichen hat mir sehr viel Einsicht darüber gegeben, wie sich das eine direkt mit dem anderen überschneidet. Alle Dinge sind auf irgendeine Weise miteinander verbunden. Plastikverpackungen, die in den 90er Jahren von einem Menschen für Kleidung verwendet wurden, könnten 30 Jahre später an einem abgelegenen, unbewohnten Strand angespült und von einem Seevogel verschluckt werden. Bei Feldforschung und Umweltforschung aus erster Hand die direkten Auswirkungen zu sehen, die der Mensch verursacht, Umfragen beobachten und dann auch die Arbeit in der Modebranche geben mir immer wieder ganz einzigartige Erkenntnisgewinne. Ich habe das Gefühl, ich kann Veränderung und Bewusstseinsbildung in der Modebranche von innen heraus bewirken. Ja, es ist ein Prozess, aber ich bin froh, dass er stattfindet.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, die vorhandenen natürlichen Ressourcen und die Umwelt der Erde zu erhalten, während wir als Menschen das, was wir brauchen, achtsam nutzen. Ich für mich möchte jedenfalls hoffen, dass ich in meinem Leben, wie lange ich auch immer lebe, die Welt zu einem besseren Ort für Menschen und Tiere gemacht habe.

 

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