Nach wie vor leiden 200 Millionen Frauen unter Genitalverstümmelung

Auch im Jahr 2020 ist weibliche Genitalverstümmelung noch Thema. Die Austrian Development Agency fördert Aufklärungsarbeit und bessere Gesundheitsversorgung, um FGM endgültig zu stoppen.

Frauen in Äthiopien

Jedes Jahr am 6. Februar heißt es "Null Toleranz gegenüber FGM“ (Female Genital Mutilation). Jedes Jahr denken wir an diesem Tag an die Millionen Mädchen und Frauen, die von der massiven Menschenrechtsverletzung betroffen sind und ihr Leben lang unter den Folgen der schmerzhaften Eingriffe leiden. "Jedes Mädchen, das Opfer von weiblicher Genitalverstümmelung wird, ist ein Mädchen zu viel“, erklärt Martin Ledolter, Geschäftsführer der Austrian Development Agency (ADA). Um FGM ein Ende zu setzen brauche es vor allem drei Dinge: Aufklärung, Zeit sowie die vereinten Kräfte aller Mitglieder der Gesellschaft.

Folgen von Genitalverstümmelung

Die Praxis hat massive Folgen für die betroffenen Mädchen und Frauen, wie die ADA darlegt, darunter: Starke Schmerzen beim Urinieren, extreme Menstruationsbeschwerden, Lebensgefahr beim Entbinden, hohes Infektionsrisiko sowie Traumata. Mädchen und Frauen, deren Geschlechtsorgane teilweise oder vollkommen unter oft katastrophalen hygienischen Bedingungen entfernt wurden, leiden ihr restliches Leben an den Folgen ihrer schweren Körperverletzung. In Österreich ist FGM verboten.

Weibliche Genitalverstümmelung kommt weltweit in rund 30 Ländern vor und konzentriert sich dabei hauptsächlich auf den Westen, Osten und Nordosten Afrikas sowie den Mittleren Osten und Asien. Auch bei Migrantinnen im Ausland ist FGM präsent.

Warum ist Genitalverstümmelung immer noch so verbreitet?

Dass sich die Praxis nach wie vor so hartnäckig hält, liegt laut der ADA vor allem an sozialen Normen und kulturellen Faktoren. Aber ganz gleich, wo weibliche Genitalverstümmelung das Leben und die Gesundheit von Mädchen und jungen Frauen bedroht – sie beruht überall auf tiefverwurzelten Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern und ist das Ergebnis extremer Diskriminierung.

Laut der ADA sind die Zahlen der Betroffenen in letzten Jahren ein wenig zurückgegangen, dennoch ist die Situation nach wie vor prekär. Momentan unterstützt die ADA vier Projekte österreichischer zivilgesellschaftlicher Organisationen zur Bekämpfung von FGM in Äthiopien und Burkina Faso. Rund 110.000 Frauen und Mädchen sollen davon profitieren.

Wie ist die Lage in Österreich?

Offiziell ist FGM in Österreich zwar verboten. Das heißt aber nicht, dass Genitalverstümmelung hierzulande tatsächlich nicht vorkommt. Konkrete, aktuelle Zahlen gibt es dazu allerdings nicht, was auch Petra Bayr, SPÖ-Abgeordnete und Sprecherin der Plattform stopFGMkritisiert. Schätzungen gehen davon aus, dass in Österreich 6.000 bis 8.000 Frauen von FGM betroffen sind - die basieren aber aus Erhebungen aus dem Jahr 2000. "Eine zeitgemäße repräsentative Statistik zu FGM in Österreich ist dringend notwendig“, fordert Bayr vor allem in Hinblick auf Präventivarbeit. Laut Bayr sollte sich Österreich Portugal zum Vorbild nehmen, "wo jede Form von geschlechtsspezifischer Gewalt erhoben und erfasst wird“.

Sensibilisierung für Pädagog*innen

Aus dem Blickwinkel der Prävention ist es wichtig, dass Personen in pädagogischen Berufen über das Thema FGM Bescheid wissen. Um Pädagog*innen in Österreich für das Thema FGM zu sensibilisieren, bietet die Stadt Wien ein eigenes E-Learning-Programm an.

Alle genauen Informationen findet ihr hier.

 

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