Nach Totgeburt: Frau vom Vorwurf des Mordes freigesprochen

Weil sie ein Kind tot zur Welt gebracht hatte, saß Evelyn Hernándes drei Jahre in El Salvador im Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 40 Jahre Haft gefordert, jetzt wurde sie aber von der Anschuldigung des Mordes entlastet.

Freispruch, Totgeburt, El Salvador, Evelyn Hernándes, Haft

"Ich bin glücklich", sagte die Evelyn Hernández direkt nach ihrem Freispruch. "Gott sei Dank wurde heute Gerechtigkeit gesprochen." Das war in dem aufsehenerregenden Prozess in El Salvador zwar zu hoffen, allerdings nicht vorherzusehen: Nachdem Herández mutmaßlich vergewaltigt wurde, brachte sie ein Baby tot zur Welt. Daraufhin folgte der Vorwurf der "vorsätzlichen Tötung".

Hernández drohten 40 Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft hatte 40 Jahre Gefängnis gefordert. Das ist in El Salvador deshalb möglich, weil Staatsanwälte und Richter Fälle, in denen Kinder tot zu Welt kommen oder kurz nach der Geburt sterben, häufig als Mord einstufen. Des Mordes Angeklagten drohen zwischen 30 und 50 Jahren Haft.

Drakonisches Strafrecht bei Abtreibungen

Generell herrscht in dem zentralamerikanischen Staat ein besonders strenges Abtreibungsrecht. Schwangerschaftsabbrüche sind grundsätzlich untersagt – auch nach Vergewaltigungen und auch, wenn das Leben der Mutter durch eine Schwangerschaft gefährdet ist. Laut Strafrecht werden Abtreibungen mit Haft zwischen zwei und acht Jahren bestraft.

Freispruch für Evelyn Hernández

Am vergangenen Montag urteilte nun ein Richter in Ciudad Delgado, dass es keine ausreichenden Beweise der "vorsätzlichen Tötung" gebe. Die heute 21-jährige Hernández wurde daher freigesprochen, nachdem sie bereits knapp drei Jahre in Haft saß. Es sei eine "harte Zeit" für sie gewesen, wie sie nach dem Freispruch sagt.

Noch 16 Frauen wegen Abtreibungen oder Totgeburten in Haft

Auf Twitter erklärte die Anwältin von Evelyn Hernández, dass sie der Freispruch ihrer Mandantin mit großer Freude erfülle. Der Kampf gehe aber weiter, denn: Es gibt noch weitere Fälle, in denen Frauen wegen ähnlicher Fälle juristisch verfolgt werden. Derzeit sitzen in El Salvador noch 16 Frauen wegen Abtreibungen oder Totgeburten im Gefängnis.

Kritik am Straftrecht

Seit Jahren verurteilen MenschenrechtsaktivistInnen die Rechstlage in El Salvador scharf.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International betont, El Salvador müsse nun der "diskriminierenden Praxis der Kriminalisierung von Frauen" ein Ende setzen. Die "drakonischen Regeln gegen Abtreibungen" müssen abgeschafft werden, fordert Erika Guevara-Rosas, Chefin von Amnesty Amerika.

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hatte El Salvador Anfang des Jahres in einem Bericht aufgefordert, Fälle wie jenen von Evelyn Hernández sorgfältig zu prüfen. Daraufhin wurden in den Folgemonaten fünf Frauen, die wegen derartigen Fällen im Gefängnis saßen, freigelassen.

Nayib Bukulele, seit Juni Staatschef von El Salvador, hat eine Verbesserung der Menschenrechtslage versprochen.

 

Aktuell