Mythos Süßstoff

Süßstoffe sind krebserregend, schädlich oder machen schlank? Alles falsch, sagt Sven-David Müller, Ernährungsexperte und Autor des neuen Buches „Mythos Süßstoff“. Er will Licht in das Gerüchte-Dickicht rund um Zuckerersatzstoffe bringen. Welche Mythen richtig sind und welche sie vergessen können, erfahren Sie hier.

Mythos 1: Süßstoffe sind gesundheitsschädlich
Falsch - zumindest wenn die tägliche Höchstaufnahmemenge (ADI-Wert, Acceptable Daily Intake) eingehalten wird. Studien, die eine krebserregende Wirkung nachsagen (siehe Mythos 2) konnten bislang nicht bestätigt werden. Auch Nebenwirkungen wie Blähungen oder Durchfall sind nicht Süßstoffen selbst zuzuschreiben (siehe Mythos 7).

Mythos 2: Süßstoffe sind krebserregend
Falsch. Konkret geht es um die Stoffe Saccharin und Cyclamat. Ersterem wurde nach einem Tierversuch in den 1960er Jahren Krebsgefahr nachgesagt. Ratten erkrankten damals an Blasenkrebs. Die Ergebnisse konnten in späteren Studien allerdings nicht bestätigt werden, die verabreichten Mengen seien zudem viel zu hoch gewesen (übertragen auf den Menschen rund 4.000 Süßstofftabletten täglich).

Mythos Süßstoff

Mythos 3: Süßstoffe machen schlank
Falsch. Süßstoffe haben im Gegensatz zu Zucker zwar keine oder nur wenige Kalorien, sie machen deshalb aber nicht automatisch schlank und geben keinen Freifahrtschein für´s Schlemmen. Sie können lediglich beim Kaloriensparen helfen. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sind unerlässlich, wenn es darum geht, ein paar Kilos zu verlieren.

Mythos 4: Süßstoffe eignen sich nicht zum Backen
Falsch. Süßstoffe können zum Kochen und Backen eingesetzt werden. Aber Vorsicht: Anders als Zucker geben Süßstoffe bei Teigen kaum Masse und unterstützen die Backeigenschaften nicht. Deshalb sollte maximal die Hälfte der angegebenen Zuckermenge ersetzt werden. Flüssig- und Streusüße sind in der Küche am besten geeignet. Je nach Marke kann die Süßkraft sehr unterschiedlich ausfallen.

Mythos 5: Süßstoffe sind gesund.
Falsch. Bis zur Tageshöchstmenge sind sie zwar nicht gesundheitsschädlich. Werden sie in übermäßigen Mengen verzehrt, können sie aber trotzdem zu Übergewicht führen oder zumindest das Abnehmen verhindern.

Mehr Mythen auf Seite 2.

Mythos Süßstoff
Die ganze Wahrheit über den künstlichen und natürlichen Zuckerersatz
von Sven-David Müller
Kneipp Verlag, € 17,95
Stevia wird bereits vor der offiziellen Zulassung in der EU als „neuartiges Lebensmittel“ als das Süßungsmittel der Zukunft gehypt. Das Extrakt der Stevia-Pflanze hat eine bis zu 400-mal stärkere Süßkraft als Zucker. Die Pflanze selbst wird bei den südamerikanischen Guarani-Indianern seit Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet. Stevia wird nachgesagt, unter anderem blutdrucksendend und regulierend auf den Blutzuckerspiegel zu wirken.

Die fertigen Süßungsmittel-Produkte sind allerdings nicht so natürlich, wie sie auf den ersten Blick scheinen, auch Stevia-Tabletten, -Pulver und -Tropfen werden industriell hergestellt.

Innerhalb der EU wurde Stevia bislang nicht zugelassen. Der Grund: Negative Studienergebnisse, die den Verdacht auf Erbgutschädigung aufzeigten. Stevia-Befürworter meinen dagegen, dass im Rahmen der Studie zu hohe Dosierungen verwendet wurden. Die WHO empfiehlt einen ADI-Wert von 0,4 mg pro Kilo Körpergewicht.

Mythos 6: Süßstoffe lösen Blähungen und Durchfall aus
Falsch. Diese Beschwerden werden nicht durch Süßstoffe, sondern durch Zuckeraustauschstoffe wie Isomalt, Sorbit, Xylit oder Mannit verursacht. In Süßstofftabletten ist allerdings Milchzucker enthalten, sie können damit negative Wirkungen bei Personen mit Laktoseintoleranz hervorrufen.

Mythos 7: Süßstoffe beeinflussen die Insulinproduktion
Falsch. Süßstoffe beeinflussen die Insulinproduktion und sind damit verstärkt Auslöser von Hungergefühlen? Ein weit verbreiteter Mythos. Dieser entwickelte sich auf Basis einer Studie, die jene Wirkungen vermutete, diese laut Sven-David Müller aber nie wissenschaftlich bestätigt hat. Andere Studien hätten dagegen gezeigt, dass Süßstoffe keinen Einfluss auf die Regulationsmechanismen von Insulinausschüttung, Hunger oder Appetit haben.

Mythos 8: Süßstoffe lösen Hunger oder Appetit aus
Falsch. Die Folgerung aus Mythos 8: Bislang konnte wissenschaftlich nicht belegt werden, das Süßstoffe Auslöser von Hungergefühlen oder Appetit sind.

Mythos 9: Süßstoffe sind chemische Kunstprodukte
Teilweise falsch. Natürliche Quellen sind bei drei Süßstoffen zu finden: Thaumatin und Neohesperidin-Dihydrochalcon werden aus Pflanzenteilen, genauer gesagt aus der Kateme-Frucht und aus Schalen von Bitterorangen gewonnen. Aspartam wird aus zwei natürlichen Eiweißbausteinen (Aminosäuren) hergestellt.

Mythos 10: Süßstoffe sind Mastmittel für Tiere und in solchen enthalten
Falsch. Süßstoffe sind zwar nicht in Mastmitteln enthalten, werden aber dem Futter von Jungtieren zugefügt. Dies darf allerdings nur bis zum vierten Lebensmonat passieren - in dieser Zeit wird versucht, Ferkeln und Kälbern den Übergang von der Muttermilch zu normalen Futter zu „versüßen". Erst nach dem 4. Monat beginnt die Mastphase.

 

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